Genehmigung läuft bis Juni 2015

Heckscher-Klinik in Waldkraiburg droht das Aus

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Stehen die Patienten bald vor verschlossenen Türen? In ihrer gegenwärtigen Form kann die Psychiatrische Institutsambulanz der Heckscher-Klinik in Waldkraiburg nur noch bis Ende Juni betrieben werden.
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Waldkraiburg - Für Kinder und Jugendliche ist die Psychiatrische Ambulanz in Waldkraiburg die zentrale Anlaufstelle in der Region. In einem halben Jahr droht der Einrichtung an der Siemensstraße allerdings die Schließung.

Dem Waldkraiburger Standort der Heckscher-Klinik droht das Aus. Der Betrieb der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Siemensstraße war 2005 von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) genehmigt worden, diese Genehmigung läuft aber zum 30. Juni 2015 aus. Für eine Institutsambulanz muss es eine Klinik vor Ort geben, was in Waldkraiburg nicht der Fall ist. Die nächste Einrichtung des Heckscher-Klinikums ist in Wasserburg, in rund 30 Kilometern Entfernung. Die Heckscher-Klinik hat aber eine Idee, wie die Einrichtung auch über das kommende Halbjahr hinaus weitergeführt werden kann.

"Das kbo-Heckscher-Klinikum hat eine kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik in Waldkraiburg beantragt, um eine Genehmigung für die Fortführung der kinder- und jugendpsychiatrischen Institutsambulanz zu erreichen", erklärt Michaela Suchy, Pressesprecherin der Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo), zu denen die Heckscher-Klinik gehört. Theoretisch könnte die Einrichtung sogar ohne die Schaffung einer Tagesklinik erhalten werden - dazu müsste aber die Anbindung der Ambulanz an den Standort in Wasserburg anerkannt werden. Noch ist keine Entscheidung über den Antrag gefallen, nach Auskunft des Bayerischen Gesundheitsministeriums wird sich damit der Unterausschuss Psychiatrie befassen.

Kaum Chancen für eine Tagesklinik

Der Antrag der Heckscher-Klinik hat offenbar aber wenig Aussicht auf Erfolg. "Dezentrale Kinder- und jugendpsychiatrische Tageskliniken werden aus krankenhausplanerischen Gründen stets in somatische Krankenhäuser integriert beziehungsweise unmittelbar angegliedert, bevorzugt an Krankenhäuser mit der Fachrichtung Pädiatrie, um entsprechende Synergieeffekte zu erzielen", so die Erläuterung einer Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums. "Da aus krankenhausplanerischer Sicht kein Bedarf für die Errichtung eines Krankenhauses in Form einer Tagesklinik im Landkreis Mühldorf besteht und zudem der Standort Waldkraiburg für eine kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik aus krankenhausplanerischen Gründen - kein somatisches Krankenhaus in Waldkraiburg -  nicht in Betracht kommt, wurde dem Träger bereits mitgeteilt, dass dieser Antrag voraussichtlich nicht erfolgreich sein wird", so die Sprecherin weiter.

Am 20. November sei die "Sicherstellung der Vergütung" der Ambulanz Gegenstand eines Spitzengesprächs im Gesundheitsministerium gewesen. "Von Kostenträgerseite wurde unwidersprochen deutlich gemacht, dass die Errichtung eines neuen teilstationären Angebots in Gestalt einer Tagesklinik keine Option darstelle, um die bestehenden Abrechnungsprobleme im Bereich der ambulanten Vergütungen zu lösen", erläutert die Sprecherin. Die Teilnehmer des Spitzengesprächs diskutierten vielmehr eine andere Lösung: Die Errichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Diese Lösungsmöglichkeit werde derzeit von den Beteiligten "intensiv geprüft", so die Ministeriumssprecherin.

Für die kbo kommt ein MVZ nicht in Frage

Nach Einschätzung der kbo ist die Errichtung eines MVZ allerdings keine wirkliche Option. "Grundsätzlich werden in einer PIA Patienten behandelt, die aufgrund der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung und der Komplexität ihres Hilfebedarfs einer spezifischen ambulanten multiprofessionellen Diagnostik und Behandlung ähnlich wie im Krankenhaus bedürfen", so kbo-Sprecherin Suchy. Tatsächlich haben der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer Vereinbarung zur PIA deutlich gemacht, dass die Patienten einer solchen Ambulanz durch das Angebot eines MVZ unzureichend erreicht würden.

"In unserer PIA in Waldkraiburg bietet ein multiprofessionelles Team, dem unter anderem Fachärzte, Psychologen und Therapeuten angehören, das gesamte Spektrum psychiatrisch-psychotherapeutischer Diagnostik und Therapie. Es handelt sich um ein breit gefächertes Angebot, das in seiner Vielfalt den häufig komplexen Versorgungsbedarf der Patienten abbildet", erklärt Suchy. "Das Angebot eines Medizinischen Versorgungszentrums umfasst hingegen ausschließlich die fach- und kassenärztliche Versorgung und ist daher mit den deutlich weitreichenderen Leistungen einer PIA nicht vergleichbar." Zudem verfüge man nicht über die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen für den Betrieb eines MVZ.

Jährlich 2400 Behandlungsfälle in Waldkraiburg

Die Waldkraiburger Ambulanz hat derzeit elf Mitarbeiter, darunter Ärzte, Psychologen, Sprachtherapeuten, Mitarbeiter im Sozialdienst und im medizinisch-technischen Dienst. Sie arbeiten jährlich an etwa 2400 Behandlungsfällen, fast die Hälfte der Kinder leidet nicht nur an einer isolierten psychischen Erkrankung. Nach Auskunft der kbo haben fast 20 Prozent der Patienten drei Diagnosen. "Etwa 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigen bei Vorstellung in der PIA Waldkraiburg deutliche psychosoziale Auffälligkeiten, ebenso ist die psychosoziale Anpassungsfähigkeit vieler junger Patienten stark beeinträchtigt", erklärt Suchy. Mehr als 75 Prozent der Patienten erhalten eine psychologische Diagnostik, allerdings bekommen relativ wenige Patienten - etwa zehn Prozent - eine medikamentöse Behandlung.

Ohne die Ambulanz in Waldkraiburg müssten viele Patienten deutlich weitere Wege zurücklegen, die nächstgelegene Einrichtung der Heckscher-Klinik ist schließlich in Wasserburg – ein Erschwernis, das die Patienten wohl oder übel in Kauf nehmen müssten: "Der Richtliniengeber geht grundsätzlich davon aus, dass bei der Versorgungsebene der spezialisierten fachärztlichen Versorgung auch gewisse Anfahrtswege zumutbar sind", so die Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Noch ist es aber nicht so weit, Klinik und Krankenkassen haben bis Ende Juni Zeit, gemeinsam eine Lösung zu finden. "Hier könnten neben der Gründung eines MVZ auch weitere Vergütungen zum Beispiel der Sozialpsychiatrievereinbarung erfolgen", so die Ministeriumssprecherin.

Stadt und Landkreis für Erhalt der Einrichtung

Die Stadt Waldkraiburg setzt sich für einen Erhalt der Einrichtung ein. "Ich halte die Tagesambulanz in Waldkraiburg für absolut notwendig", so Bürgermeister Robert Pötzsch. Die Stadt habe sich mit einem Schreiben an die KVB gewandt und darum gebeten, die Entscheidung gegen den Standort Waldkraiburg zu überdenken. Lobend erwähnte Pötzsch, dass auch Landrat Huber an der Sache dran sei und sich für den Erhalt einsetze. Neben Stadt und Landkreis sollte nun auch auf Bezirksebene Stimmung für die Ambulanz gemacht werden. Die Bezirkstagsfraktion der Grünen fordert in einem Antrag, dass der Bezirkstag den Antrag der Heckscher-Klinik auf Einrichtung einer Tagesklinik unterstützt. Bei der jüngsten Sitzung des Bezirkstags in der vergangenen Woche schaffte es der Antrag aber nicht mehr auf die Tagesordnung. Die nächste Bezirkstagssitzung ist erst im Juli 2015 - also im Grunde zu spät. Denkbar ist allerdings, dass zuvor bereits der Bezirksausschuss über den Antrag der Grünen berät. Immerhin kam aber in der letzten Bezirkstagssitzung die Situation der Ambulanz unter dem Tagesordnungspunkt "Sonstiges" zur Sprache.

bla/redis24; hg, kla/Waldkraiburger Nachrichten

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