Der Wald weicht - Kanzler verzichtet

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Der Wald weicht - für die Heimatzeitung war diese Aufnahme von Rodungs- und Erdarbeiten an der Aussiger Straße ein Symbol für die "stürmische Entwicklung" der Industriegemeinde Waldkraiburg.

Waldkraiburg - Heute sehen es viele Waldkraiburger mit Wehmut, wenn im Stadtgebiet Bäume fallen. Vor 50 Jahren wurden die Rodungsarbeiten als positives Zeichen für die "stürmische Entwicklung der Industriegemeinde" angesehen.

Waldkraiburg und die Welt - Wenn es mit der Entwicklung Waldkraiburgs so weiter geht, "wird in Jahrzehnten nur noch der Name der Gemeinde auf das frühere Waldgebiet hinweisen", prognostiziert die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren. Immer weiter weiche der Wald am Rande der Gemeinde, heißt es in einer Erläuterung zu einer Aufnahme von Rodungs- und Erdarbeiten an der Aussiger Straße. Der Wald, "in dem die Gemeinde einst versteckt lag", lichte sich mehr und mehr.

Es tut sich was in Waldkraiburg. Auch im städtischen Haushalt schlägt sich das nieder. Der Etat wächst für 1959 auf ein Gesamtvolumen von 1,6 Millionen Mark an. Die Kreisumlage liegt bei 232.000 Mark, der Posten Bau- und Wohnungswesen bei 323.000 Mark, das Schulwesen bei 261.000 Mark, die öffentlichen Einrichtungen und die Wirtschaftsförderung bei 253.000 Mark. Der Plan sieht zudem Ausgaben von 9680 Mark für Kultur, 12.322 Mark für Fürsorge und Jugendhilfe und 9341 Mark für öffentliche Sicherheit und Ordnung vor.

Nahezu 3000 Gläubige nahmen an der Fronleichnamsprozession durch Waldkraiburg teil.

Zwei sportliche Ereignisse kündigt die Zeitung ausführlich an: den Schwimmvergleichskampf Inn/Chiemgau gegen Oberösterreich im Waldkraiburger Bad. Die Gastgeber schicken unter anderem ihre starken Brustschwimmer Gernot Füger, Ludwig Huber, Fritz und Peter Schmidt ins Rennen. Als besondere Attraktion ist "ein Kürspringen und eine humoristische Schau" geboten. Das internationale Kunst- und Turmspringen mit seinem Rahmenprogramm hat also schon damals einen Vorläufer.

Das größte Ereignis wirft bereits seine Schatten voraus: Zum 5. Sudetendeutschen Turnertag im Juli werden 10.000 Besucher erwartet.

"Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" - eine Partei, die schon in den 60er-Jahren von der Bildfläche verschwand, aber in den 50er-Jahren in Parlamenten in Bund und Ländern vertreten war, hat auch in Waldkraiburg --aufgrund seiner Geschichte nur zu verständlich - eine starke Basis. Dr. Willi Guthsmuths, Staatssekretär im bayerischen Wirtschfts- und Verkehrsministerium, spricht bei der Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes. Der Vorsitzende der sechsköpfigen Kreistagsfraktion des GB/BHE, Waldkraiburgs Bürgermeister Hubert Rösler berichtet über die Arbeit der Fraktion.

Der Landwirt Hans Oberpaul aus Taufkirchen wird zum Bundesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung gewählt.

Ein Mord erschüttert die Landkreisbevölkerung: Ein 72-jähriger Rentner aus Kraiburg gesteht, seine Gattin umgebracht zu haben. Die Todesursache war kein Schlaganfall wie zunächst angenommen, sondern das Pflanzenschutzmittel E-605, das der Täter dem Spinat beimengt. Die 65-Jährige starb im Krankenhaus, die siebenjährige Enkelin, die ebenfalls von dem Gemüse aß, kam mit dem Leben davon.

Das alles überragende bundespolitische Thema dieser Tage sind die Debatten um den geplatzten Wechsel Bundeskanzler Konrad Adenauers auf den Stuhl des Bundespräsidenten. Am 7. April war er auf eigenen Wunsch als Kandidat nominiert worden.

Kanzler Adenauer will nun doch nicht Präsident werden

In der ersten Juni-Woche erklärt Adenauer plötzlich seinen Verzicht und begründet dies mit der schwierigen weltpolitischen Lage, die einen Wechsel im Bundeskanzleramt nicht erlaube. Die CDU-CSU-Fraktion den Entschluss, doch selbst -Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier fasst die Meinung des Parteivorstands dahingehend zusammen, "das keines der Argumente des Kanzlers überzeugt habe." Massive Kritik kommt von den Oppositionsparteien. Die SPD, deren Vertreter zuvor die Befürchtung geäußert hatten, der Kanzler wolle in Zukunft "vom Bundespräsidetnenstuhl aus regieren", wirft ihm jetzt "Geschachere" mit höchsten Staatsämtern vor. Adenauer habe dem Ansehen der deutschen Demokratie geschadet, meint die FDP. überrascht und verstimmt reagiert Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, der als Kanzler-Nachfolger favorisiert wurde, aber offenscihtlich nicht der Kandidat Adeauers war.

hg

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