Von der Volksoper zur VHS-Legende

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Waldkraiburg - Sie ist klein, quirlig, 72 und ans Aufhören denkt sie noch lange nicht: Feli Haag. Seit 45 Jahren bringt sie als Ballettmeisterin bei der VHS Waldkraiburg Kindern Pirouetten, Arabesken und Spitzentanz bei.

Für eine Tänzerin war Feli Haag eine Spätberufene, erst im Alter von zwölf Jahren begann sie mit dem Ballett und ihr Vater war dagegen. Die Dorfenerin spielte sehr gut Klavier und hatte die Beine zum Tanzen, also machte sie die Eignungsprüfung für Klavier und Ballett am Händel-Konservatorium, dem späteren Richard-Strauß-Konservatorium, in München.

Während ihrer Ballettausbildung zerschlug sich das Klavierspielen. "Es war zeitlich nicht mehr drin", erinnert sich die 72-Jährige und blättert in alten Fotoalben. "Ich wollte immer nur tanzen, aber nicht unterrichten." Aber schon als Elevin sollte sie Kinderstunden geben im zerbombten München.

Sie erinnert sich an die antiautoritär erzogenen Amikinder, denen sie in einem Ausweichlager Ballettstunden gab. Sie waren zappelig und nicht folgsam. "Bis ich mal einen Brüller losließ und dann gings", schmunzelt sie. Einer ihrer Schüler war damals Stefan Erler, der es bis zum Opernballett-Leiter in München schaffte und seit kurzem in Rente ist. Mit ihm hat sie immer noch Kontakt.

Haag ging nach Wien an die Volksoper, ihr Vater bestand darauf, dass sie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien eine Pädagogikausbildung erwarb. Und die kam ihr später zu Gute.

Der Puppenmacher (rechts) im lila Kostüm ist Feli Haag. Das Bild stammt aus dem Jahr 1970, als die "Puppenfee" in der Aula der Dieselschule aufgeführt wurde.

Sie musste nach Dorfen zurückkehren, weil ihre Mutter erkrankte. Wieder daheim gründete sie Anfang der 60er- Jahre ihre erste Ballettschule. Trainiert wurde in der Stube des alten Wailtl-Bräus. Mit ihren Schülern führte sie das Stück "Die Puppenfee" auf und machte damit Werner Tusche von der VHS Waldkraiburg auf sich aufmerksam. Er warb sie ab und am 5. März 1965 begannen die ersten Ballettkurse in Waldkraiburg. Auch dort wurde die "Puppenfee" vorgeführt.

Dann kamen VHS-Kurse in Erding, Töging, Burghausen und Mühldorf dazu. Behalten hat sie als Standorte Waldkraiburg, Mühldorf und Erding, wo sie allein sieben verschiedene Kurse gibt. "Wenn ich da dreimal die Woche hinfahre und von 14 bis 22 Uhr unterrichte, dann weiß ich was ich tue", seufzt sie lächelnd.

Nach zehn Jahren goldenen Spitzenschuh

Feli Haag bei den Vorbereitungen der Kostüme zu "Aschenputtel".

Sie weiß nicht, wie vielen Kindern sie das leichtfüßige und grazile Tanzen beigebracht hat und überlegt. "In 45 Jahren waren es vermutlich tausende." Nach zehn Jahren Unterricht bei ihr, vergibt sie einen kleinen hübschen Anhänger, den begehrten goldenen Spitzenschuh. Manche halten ihr 20 Jahre und länger die Treue, übernehmen in den Aufführungen noch kleine Rollen. Manche schafften es an die Heinz-Bosl-Stiftung in München oder an andere renommierte internationale Ballettschulen.

In den 45 Jahren war sie nie krank, hat keine Stunde sausen lassen, bis sie im vergangenen Herbst eine Zwangspause einlegen musste, wegen einer Hauptkrebs-OP. Alles ist gut verheilt. Nach drei Wochen stand sie wieder im Ballettsaal.

Verheiratet war sie nie. Ob sie das jung gehalten hat? Da muss sie herzhaft lachen. Das sei eher der Verdienst ihrer Schüler. "Ich bin ja immer mit der Jugend beieinander und werde voll akzeptiert." Nur eines habe sich bei ihr geändert. Jetzt tragen ihr die Mädchen den schweren CD-Spieler ins Auto, wenn die Stunde vorbei ist.

Allerdings hätten sich auch die Kinder geändert. Ihr fällt auf, dass sich die Anfänger heute schwerer tun mit der Koordination einfacher Bewegungen. "Früher haben die Kinder mehr gespielt, heute sitzen sie nur noch vor dem Fernseher, das schränkt sie ein." Daher machen die Kleinsten erstmal Ballgymnastik oder den Pferdchensprung.

Eigentlich war sie als Ballerina mit ihren 1,58 Metern zu klein. Doch die langen Beine brachten sie weit. Dieses Bild stammt von 1954.

Gemeinhin gilt Feli Haag als strenge Lehrerin. "Streng? Früher war ich strenger. Disziplin ist das Wichtigste. Und die hält auch mich selbst aufrecht", erklärt sie. Man müsse auch zwischen Hobby- und Berufsballett unterscheiden. Eine Berufstänzerin brauche Fleiß, Talent, ein gutes Körpergefühl und die körperlichen Voraussetzungen. Manche Mädchen werden für eine Profi-Karriere zu weiblich, aber für ihre Ballettstunden sei das völlig in Ordnung. Vom Magerwahn junger Mädchen hält sie gar nichts. "Meine Mädels sind alle ganz vernünftig - wenn ich mir so anschaue, was sich die bei den Proben zwischendurch so reinstopfen", lacht sie.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für "Aschenputtel", das am 6. März um 18 Uhr im Haus der Kultur aufgeführt wird, auf Hochtouren. Rund 70 Tänzerinnen aus allen drei Standorten werden mitwirken. In Feli Haags verspiegeltem Arbeitszimmer, im Wohnzimmer, im Hausgang - überall hängen Kostüme.

Die Auftritte brauchen gut anderthalb Jahre Vorlauf. Die Kosten für Kostüme, Kulissen, Saalmiete, Technik und etwa Plakate zahlt Haag aus eigener Tasche. Wenn genügend Zuschauer kommen, hat sie diese erwirtschaftet. Und Lampenfieber hat sie schon lange nicht mehr. Schließlich ist sie ein alter Balletthase.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © Privat/kla

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