25 Bienenvölker machen Waldkraiburg-Honig

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Wenn es im Bienenstock zu warm wird, kommen die Bienen heraus und fächeln, um das Klima zu regulieren (Bild links). Die Gerstner-Zentrifuge (rechts), ein Eigenbau, die die Waben zwischen zwei Schleuderzyklen wendet.

Waldkraiburg - Honig aus Waldkraiburg? Klingt vielleicht etwas überraschend. Doch es gibt ihn. Etwa 25 Bienenvölker produzieren "Stadthonig".

Bienenvölker im Stadtgebiet sind rar geworden, weiß Horst Gerstner. Der Waldkraiburger, der sich seit über 50 Jahren mit den Tieren beschäftigt, wird immer wieder von Obstbaumbesitzern angerufen, deren Bäume in voller Blüte stehen, aber von keiner Biene beflogen werden. Manche denken, so erzählt Gerstner, es ließe sich einfach ein Bienenstock unter den Baum stellen.

1975 gab es noch etwa 100 Völker in Waldkraiburg, schätzt der Imker. Heute seien es etwa 25 - "Ableger", also sehr kleine Völker zur Aufzucht, nicht eingerechnet. Das beschreibt im Groben die Situation. Die 25 Völker verteilen sich auf sechs Halter, wobei die Eigner größerer Bestände diese außerhalb im Forst oder in landwirtschaftlichem Gelände halten.

Das landauf, landab beklagte Bienensterben hat neben der gefürchteten Varoa-Milbe, der die meisten Verluste zugeschrieben werden, viele Gründe. In Waldkraiburg ist ein Hauptfaktor, dass es immer weniger Imker und Menschen gibt, die sich für Bienenhaltung interessieren.

Vieles hat sich in der Bienenzucht über die Jahre verändert: So wurde die Westliche Honigbiene, wegen ihrer schwarzbraunen Farbe "Nigra" genannt, durch andere Rassen wie Carnica und Buckfast weitgehend ersetzt. Diese neueren Rassen sind weniger aggressiv als die bisher heimische. Schleier und Pfeife, so Gerstner, brauche er praktisch nicht mehr.

Was man nicht sieht, ist die Arbeit in Zusammenhang mit der Weiterzucht der Völker. Ein ausgewachsenes, normal starkes Bienenvolk hat 40.000 bis 60.000 Bienen und liefert etwa 50 Kilo Honig im Jahr, in einem guten Jahr auch wesentlich mehr. Jetzt im Spätsommer und Herbst beginnt das Zufüttern mit Zuckerlösung, da den Bienen mit dem Honig ja der Wintervorrat entnommen wurde, den sie jetzt ergänzen müssen. Sie haben in den Honigwaben immer einen Überschuss an Honig, sodass sie etwa mit einem Drittel an Nachfütterung auskommen.

Zur Arbeit des Imkers gehört auch die Behandlung gegen Krankheiten, vor allem gegen die Varroa-Milbe. Gerstner arbeitet überwiegend mit Ameisensäure und Oxalsäure, beides Stoffe, die auch in der Natur vorkommen. Das erfordert Feingefühl beim Dosieren und Ausbringen der Stoffe.

Bienenhaltung im Wohngebiet ist natürlich ein sensibles Thema. Weniger schwer wiegt die Belästigung beim Essen auf der Terrasse Ein echtes Problem ergibt sich aber für Menschen, die eine spezielle Allergie gegen Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen haben. Zu ihnen dürfte etwa ein Prozent der Bevölkerung zählen.

Als Belästigung wird oft empfunden, wenn die Bienen schwärmen. Dem kann der Imker teilweise vorbeugen durch Abfangen der Königinnen oder durch Entfernen der Weiselzellen, das sind die Brutzellen der Königinnen. Lästig ist natürlich der Bienenkot. Manche Imker haben ihren Nachbarn deshalb schon die Autos gewaschen, weiß Gerstner, der um Toleranz für die nützlichen Insekten wirbt.

Viele, die sich schon mal über eine Biene am Kaffeetisch geärgert haben, haben auch Obstbäume im Garten. Für 80 Prozent der Wild- und Nutzpflanzen werden Bienen zur Bestäubung gebraucht, so der Imker, der an Gartenbesitzer appelliert, möglichst natürliche Wiesen statt vergleichsweise "sterilen" Rasen anzulegen.

fng/hg/Mühldorfer Anzeiger

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