Vier Bürgermeister, ein Anliegen

+
Vier Freunde, vier Bürgermeister, ein Anliegen: Bei der Arbeitstagung der Schwesterstädte Waldkraiburg, vertreten durch Bürgermeister Sigi Klika (Zweiter von links), Traunreut mit Bürgermeister Franz Parzinger (links), Neutraubling mit Bürgermeister Heinz Kiechle (rechts) und Geretsried, dessen Stadtoberhaupt Cornelia Irmer sich gerade ins Goldene Buch der Stadt einträgt, wurde klar, dass die vier jungen Städte eine ähnliche Geschichte haben und dasselbe Anliegen: Anerkennung und Positionierung.

Waldkraiburg - Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sie alle vier getroffen: Waldkraiburg, Geretsried, Traunreut und Neutraubling.

Die vier Schwesterstädte trafen sich zur Arbeitstagung und stellten fest, dass sie gemeinsam an einer Front kämpfen und zwar um Anerkennung und Positionierung.

"Wir vier Städte haben fast eine identische Geschichte", sagte Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger bei der Pressekonferenz der Schwesterstädte im großen Sitzungssaal im Rathaus.

Verwaltungsangestellte und Bürgermeister aus Waldkraiburg, Traunreut, Neutraubling und Gerestried fanden sich zu Arbeitsgruppen zusammen, um Themen wie kommunale Infoblätter, Finanzsituationen, Ausschreibungen, Personalentwicklung, Wahlhelfer, Rüstungsaltlasten und etwa die Fortschreibung des Landesentwicklungsprogrammes zu besprechen.

Ganz aktuell wurden die Probleme Waldkraiburgs in jüngster Zeit besprochen, etwa die Beschilderung an der A 94 (wir berichteten). "Wir kämpfen wieder mal, dass wir als Stadt gefunden werden", sagt Klika, "und man hat den Eindruck, dass die Planungsbehörde immer noch glaubt, dass wie hier ein geheime Anlage sind." Es sei unverständlich, dass das 60 Jahre nach der Stadtgründung immer noch so sei. Die drei Amtskollegen der Schwesterstädte nickten beipflichtend.

"Wir als junge Städte fühlen uns in der Wahrnehmung oft vernachlässigt", sagte die Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer und betonte, dass man hier keine Klage über dieses Thema führen wolle, sondern ins Bewusstsein rücken will, was Heimatvertriebene geleistet haben. Durch ihr Know-how hätten sie Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Agrar- zu einem Industriestaat aufgebaut.

"In unseren Städten gab es schon Industrieansiedlungen und viele Arbeitsplätze, bevor die Gemeinden gegründet wurden", so Irmer. Wie wenig das vom Freistaat beachtet und unterstützt werde, sei eine große Diskrepanz. "Wir kriegen nicht, was uns zusteht", betont die Bürgermeisterin.

Das sehe man schon bei der Erlaubnispolitik der Ansiedlungen, fügte Neutraublings Bürgermeister Heinz Kiechle hinzu. "Wir kriegen einen großen Baumarkt nicht, weil es das Landesentwicklungsprogramm nicht zulässt."

Seine Stadt habe rund 11000 Arbeitsplätze und fast genau so viele Einwohner. Die Regierung müsse einfach die Wirtschaftskraft betrachten, bevor sie eine derartige Ansiedlung abschmettere. Das Landesentwicklungsprogramm sei ein Landesentwicklungsverhinderungsprogramm.

Irmer meinte, die aktuelle Wirtschaftskrise müsste doch eigentlich dazu führen, dass die Politik flexibler denkt und die Ist-Situation vor Ort betrachtet - nicht nach strengen Paragrafen. Sonst würden viele Investoren abspringen.

Junge Städte, wie die ihren, seien durch private Wirtschaft entstanden, sagte Parzinger. "Erst dann kam die Politik und stülpte eine vorgefertigte Glocke über"s Land. Wer nicht ins Raster passt - Pech gehabt", so der Traunreuter. So haben die vier jungen Städte ähnliche Probleme und Anliegen. Auch im Bereich Wahlbeteiligung. Zwar ist Waldkraiburg die einzige Stadt, die diese analysieren lässt. Doch ist die Zusammensetzung der Bevölkerung aus vielen Nationalitäten ähnlich. Etwa in Traunreut leben viele Russlanddeutsche. Parzinger sagt, "die davon zu überzeugen, dass Wahlrecht ein hohes Gut ist, ist eine große Aufgabe." Klika will seinen Kollegen, mit denen er freundschaftlich verbunden sei, die Ergebnisse der Wahlanalyse zur Verfügung stellen, da es viele Parallelen gebe.

Die vier Stadtoberhäupter waren sich einig, bei der Regierung durch einen Schulterschluss eine Plattform zu schaffen, gemeinsam einzutreten.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser