Versöhnung braucht Erinnerung

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Das Dokumentationszentrum gegen Vertreibungen verglich BdV-Präsidentin Erika Steinbach mit einem Drachen, der Gegenwind braucht, um aufzusteigen. Die kontroversen Debatten haben nach ihrer Einschätzung das Interesse am Thema Vertreibung und die Unterstützung für die Sache der Vertriebenen gefördert.

Waldkraiburg - Der Bund der Vertriebenen (BdV) halte mit Unterstützung von CDU und CSU an seinem Besetzungsrecht für den Stiftungsrat einesDokumentationszentrums gegen Vertreibungen in Berlin fest.

Diese Position bekräftigte Erika Steinbach, BdV-Präsidentin, in einer CSU-Wahlveranstaltung im Haus der Kultur und erntete dafür demonstrativen Beifall.

Die Auseinandersetzungen um das Dokumentationszentrum, in dem an das Schicksal von rund 15 Millionen deutschen Heimatvertriebenen erinnert werden soll, waren erwartungsgemäß ein zentrales Thema in der Rede der CDU-Bundestagsabgeordneten. Sie war auf Einladung ihres Fraktionskollegen Stephan Mayer in dessen Wahlkreis gekommen. Die Vertriebenenfunktionärin setzt sich seit vielen Jahren für das Zentrum ein. "Diese Stiftung ist Ihr Kind", so Mayer zu Steinbach. Weil ihre Nominierung für den Stiftungsrat aber auf massiven Widerstand stieß, besetzte der BdV den Sitz zunächst nicht, um das Projekt nicht zu gefährden. "Es geht nicht um mich, es geht um die Demokratie, um die Freiheitsrechte eines Opferverbandes", so Steinbach, die Kritik am Koalitionspartner SPD übte, dem man die Errichtung des Dokumentationszentrums habe "abringen müssen". Namentlich kritsierte sie Politiker wie Wolfgang Thierse oder Gesine Schwan, die nach ihren Worten zu den ablehnenden Reaktionen aus Polen beigetragen haben. "Die polnischen Reaktionen verüble ich nicht. Die Ursachen liegen bei uns im Land."

Das Engagement für das Dokumentationszentrum und die daraus resultierenden Debatten wertete die Politikerin als erfolgreich. Es gebe ein "lebhaftes Interesse" am Thema Vertreibung und wachsende Unterstützung für die Anliegen der Vertriebenen, so Steinbach. "Dankbar" ist sie für die Solidarität von Bundeskanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Seehofer mit der Sache der Vertriebenen. "Viele hatten vergessen, dass die Vertreibung eine gesamtdeutsche Tragödie ist." Dabei stelle sie einen "ungeheueren Kulturbruch" dar und betrifft laut Steinbach jede vierte Familie. Die Präsidentin des rund zwei Millionen Mitglieder starken Verbandes kritisierte die lange herrschende "Mitleidlosigkeit gegenüber den Opfern", die mit ihren Erinnerungen allein gelassen wurden. "Die Vertriebenen wissen, dass unserem Schicksal Grauenvolles vorausgegangen ist." Hitler habe die "Büchse der Pandora geöffnet", so die Abgeordnete. Die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus werde aber "als Stoppschild missbraucht, um über das Unrecht der Vertreibung nicht zu reden". Dabei ist die Erinnerungsarbeit aus Sicht Steinbachs eine entscheidende Voraussetzung für ein versöhntes Europa. Alle Völker müssten daran Interesse haben. Die BdV-Präsidentin setzt dabei große Hoffnungen auf die Jugend in den Nachbarländern.

Mehrfach wurde die Rednerin durch Beifall der über hundert Zuhörer unterbrochen, darunter sehr viele Vertreter der Heimatgruppen und Landsmannschaften. Auch als sie den großen Anteil der Vertriebenen am Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit hervorhob und die Stadt Waldkraiburg als Beispiel dafür nannte. MdB Stephan Mayer, der seit dem vergangenen Jahr Mitglied im Präsidium des BdV ist, versicherte wie auch Steinbach, sich für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kultur-, Brauchtums- und Trachtenpflege der Heimatgruppen und Landsmanschaften einzusetzen. In der Diskussion um die Bezeichnung der Geburtsorte in den Personenstandsurkunden, die viele Heimatvertriebe aufrührt, "werden wir nicht an der bisherigen Position der Bundesregierung rütteln lassen", so Mayer. Wer 1946 in Breslau geboren sei, "ist nicht in Wrozlaw in Polen geboren, sondern in Breslau unter polnischer Verwaltung", sagte die BdV-Präsidentin. Dies sei völkerrechtlich eindeutig. Erst mit den "2+4"-Verträgen seien die Grenzen gezogen worden.

hg/Mühldorfer Anzeiger 

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