Urne des Vaters versteckt

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Waldkraiburg - Da Thomas Hapke die Gebühr für eine Verlängerung der Urnennische nicht bezahlen kann und einer Auflösung des Grabes nicht zustimmte, entwendete er die Urne seines Vaters vom Friedhof - jetzt wird gegen ihn ermittelt!

Urnennische 03 G 006 im Waldkraiburger Waldfriedhof. 1980 wurde dort die Urne mit der Asche seines verstorbenen Vaters Paul bestattet. Seit 1994 wird dort auch die Urne seiner Mutter Margarete aufbewahrt. Am 2. Januar dieses Jahres lief nun das Nutzungsrecht an der Urnennische aus. Dies teilte die Friedhofsverwaltung Thomas Hapke bereits im November mit. Sollte der Waldkraiburger an einer Verlängerung des Nutzungsrechtes nicht interessiert sein, werde die Urne der Nische entnommen und in einem anonymen Urnenfeld wieder beigesetzt, hieß es in dem Schreiben.

Hapke wollte verlängern, in der Hoffnung, die Kosten dafür werde das Sozialamt tragen. Als Frührentner könne er sich die Gebühr nicht leisten, so der 46-Jährige. Nach seinen Angaben erhält er 567 Euro Monatsrente, wovon ihm nach Abzug von Miete und Nebenkosten kaum 250 Euro zum Leben bleiben. Doch das Sozialamt kam nicht für die Kosten auf, weil Hapke, wie es hieß, nicht die Voraussetzungen dafür erfüllte.

Der Waldkraiburger verstand die Welt nicht mehr: "Weil ich mir das nicht mehr leisten kann, kann man doch nicht gegen meinen Willen die Grabstelle auflösen, so dass ich nicht mehr an ein Grab gehen kann." Da werde ein Menschenrecht verletzt, glaubt er. Er wolle in "Gegenwart der sterblichen Überreste" seines Vaters gedenken, so Hapke. Als junger Mann habe er seinem Vater, mit dem er sich sehr verbunden fühlte, versprochen, dass er sich um die Beerdigung und die Grabpflege kümmere.

Der Frührentner, der vor zwei Jahrzehnten im Rahmen von ABM-Maßnahmen selbst auf dem Waldfriedhof arbeitete, "löste" das Problem auf seine Weise: Am 5. Dezember gegen 19.20 Uhr schlich er sich auf den Friedhof, nahm die Platte des Grabes ab, holte die Urne heraus und vergrub sie "an einem Ort, der nur mir bekannt ist". Er werde sie erst aus dem Versteck holen, "wenn ich die Genehmigung bekomme, sie bei mir in der Wohnung aufzubewahren".

Über seine Aktion informierte er eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung noch im Dezember. In der vergangenen Woche kam er zu einem vereinbarten Gesprächstermin ins Rathaus - und wurde von der Polizei festgenommen. Norbert Meindl, Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung, hatte die Beamten gerufen. Gegen Thomas Hapke wird wegen Verdachts der Störung der Totenruhe ermittelt. Dies bestätigt Markus Steinmaßl, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. Im schlimmsten Fall droht dem 46-Jährigen eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. So weit reicht der für diese Straftat vorgesehene Strafrahmen.

Friedhofsverwaltung: Angebote wurden nicht angenommen

Norbert Meindl beruft sich auf das geltende Bayerische Bestattungsgesetz, das eine Übergabe der Urne nicht zulässt. Anders als in mehreren europäischen Staaten ist darin ein Recht auf Beisetzung außerhalb von Friedhöfen, auf Privatgrundstücken oder auf Aufbewahrung in der eigenen Wohnung nicht vorgesehen. Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen, zuletzt im Landkreis etwa im Fall der Schauspielerin Bruni Löbel, die auf ihrem Grundstück bestattet wurde.

Nach Einschätzung des städtischen Beamten hätte es so weit nicht kommen müssen. Die Stadt habe Hapke Angebote gemacht, auf die dieser nicht eingegangen sei. Der 46-Jährige habe zwar Forderungen gestellt, aber an einer Lösung nicht mitgewirkt, so Meindl. So habe er keinen Angehörigen nennen wollen, der sich nach ihm um das Grab kümmert. Dies sei aber eine Voraussetzung für eine Verlängerung. Auch zu einer Offenbarung seiner Bedürftigkeit sei er nicht bereit gewesen. Der Leiter der Friedhofsverwaltung schließt nicht aus, dass eine Lösung über einen städtischen Fonds für Hilfsbedürftige möglich gewesen wäre. In Waldkraiburg sei man "gerade in diesem Bereich sehr sozial".

Norbert Meindl lässt keinen Zweifel offen: "Er muss die Urne zurückgeben." Doch daran scheint Thomas Hapke nicht zu denken. Er will um die Urne "kämpfen", wie er sagt, "und wenn ich bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen muss". hg

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