Ureinwohnerin wird 100

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Sie eröffnete im Gemeindegründungsjahr 1950 ihre Damenschneiderwerkstatt in Waldkraiburg: Anna Kosterschitz. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Waldkraiburg - Sie war eine Frau der ersten Stunde: Anna Kosterschitz. Am heutigen Samstag feiert sie ihren 100. Geburtstag. Im Gemeindegründungsjahr 1950 eröffnete sie in Waldkraiburg ihre Damenschneiderwerkstatt.

Durch die Vertreibung kam Anna Kosterschitz 1946 aus dem Sudetenland nach Pürten ins Holzlager. Die Jubilarin wurde am 19. März 1911 in Steine im Bezirk Hohenstadt, Nordmähren, geboren.

Ihre Erinnerungen an den Verlust der Heimat hat sie im Stadtbuch "Waldkraiburg schaut zurück - Geschichte einer jungen Stadt" niedergeschrieben. Sie berichtet von den russischen Soldaten, die Angst und Schrecken verbreiteten, von Plünderungen, von der Konfiskation von deutschem Besitz, der Ausweisung und der Ankunft in Viehwaggons in Mühldorf. "Der Bahnhof in Kraiburg war die Endstation unserer Irrfahrt", schreibt sie in dem Buch. "Wir wurden in Holzbaracken des ehemaligen Lagers untergebracht, das für die Fremdarbeiter der DSC errichtet worden war." Das Leben dort war trostlos. Der Lagerleiter sagte ihnen, sie dürfen sich keinen Illusionen hingeben über Freiheiten und Annehmlichkeiten. Das Lager war abgesperrt, es war nicht erwünscht, irgendwelche Missstände nach außen zu tragen.

Die Unterkünfte waren voller Unrat und Scherben, nach dem Aufräumen mussten rund 30 Personen in einem Raum leben. Als Schlafstellen dienten amerikanische Feldbetten.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Peterskirchen auf dem Westerhof fand Anna Kosterschitz in der "Distlerbaracke" am Bahnhof einen Raum, in dem sie mit ihren zwei Kindern leben und gleichzeitig arbeiten konnte. Dort konnte sie beginnen, in der neuen Heimat ihren Beruf auszuüben.

Auf sich alleine gestellt - ihr Mann ist in Stalingrad im Gefangenenlager verstorben - hatte sie sich als Schneidermeisterin bald einen guten Namen erworben. Während ihrer fast 30-jährigen Berufstätigkeit in Waldkraiburg bildete Kosterschitz 15 Lehrmädchen aus.

Stufenweise verbesserte sie ihre Wohnsituation und erarbeitete sich ein Reihenhaus. Dass sie das Nähen auch heute noch nicht ganz lassen kann, kommt ihrer Tochter Helene Püschel und ihrer behinderten Enkelin zu Gute. Die beiden brauchen die Anna auch heute noch sehr. Besonders genießt sie es, inmitten ihrer drei Enkel und neun Urenkel zu sein. Sie lebt noch selbstständig in ihrem Reihenhaus, nur die Mahlzeiten nimmt sie bei ihrer Tochter Helene ein.

Ihr ganz großes Hobby ist ihr Garten, die Hundertjährige kann es kaum erwarten, wieder draußen nach dem Rechten zu sehen und dort zu werkeln.

Trotz ihrer zunehmenden Sehbehinderung studiert sie jeden Vormittag mit Halogenlampe und Lupe die "Waldkraiburger Nachrichten" und bespricht dann mit ihrer Tochter am Mittagstisch politische Ereignisse und Neuigkeiten in der Stadt.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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