Landratskandidatin Cathrin Henke (Grüne)

Henke plädiert für Realschule im Norden

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Cathrin Henke, Landratskandidatin der Grünen im Landkreis Mühldorf.
  • schließen

Mühldorf/Unterreit - Könnte der nördliche Landkreis 200 Realschüler mehr haben? Cathrin Henke (Grüne) möchte im Falle eines Wahlsiegs Akzente in der Bildungspolitik setzen.

Kreisrätin Cathrin Henke (Grüne) aus Au im Wald, Gemeinde Unterreit, ist eine von gleich vier Kandidaten, die am 16. März Mühldorfs amtierenden Landrat Georg Huber (CSU) herausfordern. Die Juristin betätigt sich beruflich bislang als Mediatorin, ist also eine Expertin für das konstruktive Beilegen eines Konflikts und wird zurate gezogen, wenn sich Konfliktparteien außerhalb des Gerichtssaals einigen sollen.

"Wir haben viele gute Mitarbeiter verloren"

Auch im Kreistag, erzählt die Landratskandidatin, sei ihre berufliche Erfahrung hilfreich. Schlichten "muss man immer wieder", so Henke. Eine Schlüsselerfahrung habe sie gleich in den ersten Monaten als Kreisrätin gehabt, als sie für einen Antrag regelrecht angegriffen worden sei. Wichtig sei, "dem Gegner nichts Böses zu unterstellen, weil jeder das Beste will", erläutert Henke. Zur Not müsse man aber auch mal "Stopp sagen, da ist die Mediation hilfreich".

Ein vernünftiger Umgang miteinander - das ist für Henke nicht nur im Kreistag sondern auch im Landratsamt essentiell. "Wir haben in den letzten Jahren viele gute Mitarbeiter verloren", sagt Henke. "Was man spürt, ist eine Unzufriedenheit. Die Stimmung ist nicht gut. Das hängt mit der Führung zusammen, die ist nicht gut", kritisiert die 53-Jährige.

200 Realschüler mehr dank drittem Standort?

Auch in der Sachpolitik sieht Henke einige Baustellen im Landkreis. Insbesondere die Situation an den Realschulen bereitet der Kreisrätin Kopfzerbrechen. "Die Realschule in Waldkraiburg ist die größte in Bayern. Sie stößt an ihre Grenzen", so Henke. Die Schaffung einer dritten Realschule im Landkreis - bisher gibt es Realschulen in Waldkraiburg und Haag - ist für Henke unverzichtbar. Allerdings hält die Grünenpolitikerin eine zweite Realschule in Waldkraiburg für "wenig zielführend". Henke präferiert einen Standort in Mühldorf oder Neumarkt-St. Veit. "Die Quote in Neumarkt-St. Veit ist sehr niedrig", erläutert Henke und beruft sich dabei auf eine Studie, die ergeben habe, dass der Landkreis 200 Realschüler mehr hätte, wenn es im nördlichen Landkreis eine dritte Realschule gäbe. Die Schüler in Neumarkt-St. Veit seien doch nicht dümmer als anderswo, so die Kreisrätin.

Investitionen in die FOS/BOS sowie die Schaffung weiterer Studienangebote in der Region findet Henke wichtig, sieht aber die Realschulen als drängendstes Thema. Zudem sorgt sich Henke um das Sonderpädagogische Förderzentrum in Waldkraiburg, der Joseph von Eichendorff-Schule. Diese Schule sei schließlich in einem der ältesten Schulgebäude untergebracht, erläutert die 53-Jährige.

"Es ist ein Märchen von der CSU erzählt worden"

Investitionen in die FOS/BOS sollten Henke zufolge in einem Zweckverband mit Altötting getätigt werden. Die Zweigstelle in Mühldorf sei unzureichend und auch in Altötting seien die Örtlichkeiten nicht gut - für die Grünenpolitikerin eine gute Voraussetzung für ein gemeinsames Vorgehen. In Studienangeboten vor Ort sieht Henke einen wichtigen Standortfaktor. "Die Ansätze mit der FH Rosenheim sind richtig und wichtig", lobt die 53-Jährige. Eine große Hochschul-Zweigstelle, wie sie etwa in Pfarrkirchen in Kooperation mit der TH Deggendorf entstehen soll, hält Henke ebenfalls für sinnvoll - "wenn man das hinbekommt", es also finanziert werden kann.

Immer noch ist die Pro-Kopf-Verschuldung des Landkreises mit 669 Euro relativ hoch, die Gesamtschulden belaufen sich auf rund 63 Millionen Euro. Allerdings wurden zuletzt Schulden abgebaut, weshalb Henke die Haushaltspolitik des Landkreises grundsätzlich lobt. Die Grünenpolitikerin ärgert sich allerdings darüber, dass die CSU die hohen Schulden mit bildungspolitischen Investitionen erklärt. "Es ist ein Märchen von der CSU erzählt worden, dass man wegen Investitionen in Bildung so hohe Schulden hat", kritisiert Henke. "Es hängt damit zusammen, dass miserabel gewirtschaftet wurde." Die im Moment vorherrschende Sparsamkeit sei allerdings richtig, "da wurden schon die richtigen Weichen gestellt".

Bei den Kreisstraßen sieht Henke, von einigen Sanierungsmaßnahmen abgesehen, keinen großen Bedarf - schon alleine wegen des demografischen Wandels. Ob eine alternde Bevölkerung überhaupt mehr Straßen brauche, sehe sie "sehr, sehr kritisch", erläutert Henke. Grundsätzlich warnt die Kreisrätin davor, zu viel Boden zu versiegeln. "Man muss ein kritisches Auge auf den Flächenverbrauch haben", mahnt Henke.

Henke warnt vor "Wettrüsten" der Kreiskliniken

Die Situation der Kreiskliniken bewertet Henke relativ positiv. Die Kreiskliniken - mit den Standorten Haag und Mühldorf - stünden gut da, "unser Plus ist auch das gute Personal". Schaue man sich die Krankenhausfinanzierung an, hätten es Häuser dieser Größe allerdings schwer, sagt Henke und blickt dabei auch auf den Nachbarlandkreis. Die Kreiskliniken Altötting mit Standorten in Burghausen und Altötting schreiben derzeit rote Zahlen. "Ein Wettrüsten können sich beide Kliniken auf Dauer nicht leisten", so die 53-Jährige. Henke warnt davor, dieselben Angebote zu schaffen wie der Nachbarlandkreis, nur um gleichzuziehen oder den anderen zu übertrumpfen. Mühldorf und Altötting müssten sich abstimmen, findet Henke. "Es kann nicht jeder jeden Schwerpunkt vorhalten."

Ob für eine bessere Abstimmung eine Fusion nötig ist, oder ob eine Kooperation ausreicht, lässt Henke offen. In beiden Fällen hält es die Kreisrätin allerdings für nötig, dass sich beide Landkreise auf Augenhöhe begegnen.

Sechs Grüne Kreisräte sollen es sein

Ein akutes Thema, das im Moment alle Landkreise stark beschäftigt, ist die Unterbringung von Asylbewerbern. Für Henke sind große Häuser, wie etwa in Waldkraiburg, "schwierig". Dort, wo die Unterbringung dezentral geregelt ist, sei es leichter. Unerlässlich ist für die Grünenpolitikerin das Engagement Ehrenamtlicher. So könnten die Asylbewerber gut aufgenommen und leichter integriert werden, beispielsweise in Sportvereinen. "Es muss aus dem Landratsamt mehr Unterstützung für die Ehrenamtlichen da sein", fordert Henke. Dass gegenwärtig an der Berufsschule und im Berufsbildungswerk Waldwinkel junge Asylbewerber auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden, lobt die Kreisrätin ausdrücklich. "Das ist eine sehr gute Maßnahme. Es ist auch toll, wie engagiert die Jugendlichen sind."

Für die anstehende Wahl am 16. März hat Henke sich und ihrer Partei klare Ziele gesteckt. Vier Kreisräte stellen die Grünen aktuell, das Ziel seien sechs Sitze. Außerdem hofft Henke, dass die CSU eine zweite Wahlperiode in Folge nicht die absolute Mehrheit der Kreisräte stellt. Das Ende der absoluten Mehrheit nach der letzten Wahl habe dem gesamten Kreistag gut getan, so Henke. Sie persönlich möchte den Landrat in eine Stichwahl zwingen. "Und dann sieht man weiter."

In den kommenden Tagen stellen wir die Landratskandidaten Peter Huber (UWG), Loredana Pacello (FDP) sowie Georg Huber (CSU) vor. Alexander Will, Landratskandidat der SPD, hat unserer Redaktion auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, er habe kein Interesse daran, sich auf innsalzach24 vorzustellen.

Zurück zur Übersicht: Unterreit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser