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Supernova, besondere Planetenkonjunktion oder Komet

Gab es den Stern von Bethlehem? Verein Astronomie im Chiemgau aus Unterreit gibt 3 Theorien

Christoph Schmidt (vorne) und Thomas Hilger vom Verein Astronomie im Chiemgau neben ihrem Teleskop in der Sternwarte Oberreith. 
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Christoph Schmidt (vorne) und Thomas Hilger vom Verein Astronomie im Chiemgau neben ihrem Teleskop in der Sternwarte Oberreith. 

Jedes Kind kennt sie: die Weihnachtsgeschichte. Angefangen bei Maria und Josef, die keine Herberge finden, über das Kind im Stall, bis hin zu den Sterndeutern, im Volksmund oft als „Heilige Drei Könige“ bezeichnet, die einem Stern gefolgt sind, um den „König der Juden“ zu finden. Doch was ist dran an der fantastischen Geschichte des „Sterns von Bethlehem“, für den drei Weisen aus dem Osten ihre weite Reise antraten?

Unterreit – Die Experten vom Verein Astronomie im Chiemgau, der im Oberreither Wildfreizeitpark eine Sternwarte betreibt, müssen es wissen.

„Natürlich können wir nicht beweisen, dass es den Stern von Bethlehem oder die Sterndeuter gab. Das wollen wir auch gar nicht“, meint Christoph Schmidt vom Verein. Darüber nachzudenken, was dahinter stecken könnte, sei aber trotzdem interessant. „Wenn wir in verschiedene andere Quellen aus dieser Zeit schauen, kommen wir astronomisch gesehen, auf drei Erklärungsmöglichkeiten.“ Ein Komet, eine Supernova oder eine seltene Planetenkonjunktion.

Kometen zu sehen, wenn sie der Sonne nahe kommen

Die Frage, ob es ein Komet war, ist vor allem aufgrund der Darstellung des Weihnachtssterns interessant. „In jeder Krippe wird der Stern mit einem Schweif dargestellt, also als typischer Komet.“ Doch diese Darstellung wurde wahrscheinlich erst im Jahr 1304 populär mit dem Fresko „Anbetung der Könige“ des Malers Giotto di Bondone, das in der Scrovegni-Kapelle in Padua zu finden ist. „Wahrscheinlich war er so beeindruckt von dem Halleyschen Kometen, den er drei Jahre zuvor gesehen hatte, dass er den Stern deshalb mit Schweif gemalt hat“, meint Schmidt.

Ein Komet, der im vergangen Jahr am Himmel zu sehen war. Der typische Schweif entsteht durch die Strahlung der Sonne, welche die Staubwolke wegdrückt. 

Bei einem Kometen handelt es sich um eine Masse aus Eis und Wasser, die die Sonne in „zigarrenförmigen“ Ellipsen umkreisen, so Schmidt. „Normalerweise sind sie sehr dunkel, nur wenn sie der Sonne auf ihrem Weg nahe kommen, sind sie zu sehen.“ Der Grund, in der Nähe der Sonne verdampft der gefrorene Kern des Kometen und es bildet sich eine riesige Wolke aus Gas und Staub, die das Sonnenlicht hell reflektiert. „Die Strahlung der Sonne weht diese Wolke weg“, erklärt Schmidt, „dadurch entsteht der typische Schweif.“

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Es ist ein beeindruckendes Phänomen, aber als „Stern von Bethlehem“ kommt ein Komet eher nicht in Frage. Zum Einen, weil kein heller Komet bekannt ist, der zur Zeit der Geburt Christi sichtbar war. „Wobei chinesische Quellen einen Kometen im Jahre fünf vor Christus erwähnen“, gibt Schmidt zu bedenken.

War der Stern von Bethlehem eine Supernova?

Gegen die Kometen-Theorie spricht aber noch etwas anderes: „Kometen waren als Unglücksbringer gefürchtet“, erklärt Schmidt. „Sie kündigten Krieg und Katastrophen an, aber ganz sicher keine freudigen Ereignisse wie die Geburt des Messias.“ Fest steht, der Halleysche Komet war es nicht, er ist zuletzt im Jahre zwölf vor Christus erschienen, also einige Zeit zu früh.

Als möglicher „Stern von Bethlehem“ kommt eine Supernova, die Explosion eines Sterns, in Frage. Sie leuchtet für kurze Zeit heller, als die gesamte Galaxie.

Als zweite Erklärung käme laut Schmidt eine Supernova in Frage. „Das ist eine heftige Explosion eines Sterns, die ihn völlig zerstört“, erklärt Schmidt. Bemerkenswert hierbei ist, eine Supernova kann für kurze Zeit, von einigen Wochen bis zu einigen Monaten, heller leuchten als die ganze Galaxie. „Einem Laien fällt eine Supernova nicht auf, aber ein Sternkundiger hätte sie mit Sicherheit bemerkt“, meint Schmidt.

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Zudem herrschte zu dieser Zeit die falsche Annahme, dass es sich bei einer Supernova um einen neuen Stern handelt. „Und einen neuen Stern hätten Sterndeuter für ein bedeutsames Zeichen halten können“, meint Schmidt. Allerdings seien keine Hinweise auf ein solches Ereignis zu dieser Zeit bekannt. „Wenn aber ein 2000 Jahre alter Supernova-Überrest entdeckt werden würde, wäre das natürliche eine gute Stütze für diese Annahme.“

Sternendeutern fallen die Planeten-Konjunktionen auf

Theorie Nummer drei bezieht sich auf eine seltene Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn, die etwa im Jahre sechs vor Christus, möglicherweise auch sieben vor Christus stattgefunden hat. Bei dieser „Größten Konjunktion“ kamen sich die Planeten sehr nahe. Außerdem standen sie direkt gegenüber der Sonne und leuchteten damit sehr hell. Auch hier gilt, einem Laien fällt die Konjunktion nicht unbedingt auf, einem Sterndeuter aber schon. „Und sie hätten eine solche Konjunktion in jedem Fall für ein bedeutendes Zeichen gehalten.“

Jupiter und Saturn: Eine Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn wäre eine dritte Erklärungsmöglichkeit für den „Stern von Bethlehem“. Im vergangenen Jahr war sie zu sehen.

Besonders interessant ist außerdem, dass der Planet Jupiter zur damaligen Zeit für König stand und der Planet Saturn für Israel. Beide Planeten trafen sich im Sternbild Fische, was bis heute ein Symbol Christi ist.

„Ob es aber tatsächlich so war, können wir natürlich nicht sagen“, betont Schmidt. „Astronomie liefert keine Beweise und will auch keine Glaubensfragen entscheiden.“ Bei den Erklärungen handle es sich lediglich um Theorien.

Eine drehende Sternwarte mit Solarkraft 

Seit 2008 ist der Verein Astronomie im Chiemgau im Wildfreizeitpark Oberreith mit einer eigenen Sternwarte zuhause, erklärt erster Vorsitzende Thomas Hilger. Das Besondere daran, die Sternwarte dient nicht nur als Observatorium, sondern auch als Solarstrom-Kraftwerk. Das Schrägdach produziert etwa 39 Kilowatt Strom in der Stunde, welches in das öffentliche Netz eingespeist wird. Um eine optimale Nutzung zu ermöglichen, ist das Haus auf einer Drehscheibe montiert und dreht sich mit der Sonne von Ost nach West. Etwa alle 20 Minuten wird ein Stück weiter gedreht. Für Sternenbeobachtungen wird nachts eine Luke im Dach geöffnet und das Teleskop ausgerichtet. Auch dann nutzt der Verein die Drehmöglichkeit der Warte, um das Teleskop auf den Bahnen der Sterne und Planeten auszurichten und diese zu verfolgen. „Die Doppelfunktion ist sogar patentiert“, sagt Hilger stolz.

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Das Teleskop, das der österreichische Hobbyastronom erbaut und dem Verein überlassen hatte, wird meist für öffentliche Beobachtungsabende genutzt. „Die meisten unserer Mitglieder haben eigene Teleskope zuhause, das Teleskop hier ist für die Öffentlichkeit gedacht“, sagt Hilger. Unter Coronazeiten mussten zum Bedauern von Hilger viele Abende abgesagt werden, gelitten hat der Verein darunter allerdings nicht. Dank der Solaranlage auf dem Dach finanziert sich die Sternwarte selbst und hat keine finanziellen Auswirkungen auf den Verein. „Und während Corona haben wir sogar einige Mitglieder hinzugewonnen.“ Viele Leute hätten während der Lockdown-Phasen die Astronomie für sich (wieder-)entdeckt, freut sich Hilger.

Die Bibelstelle 

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. (Mt. 2 1-2)

Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Mt.2 9-10) 

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