Unter "schwarzen Männern"

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Simona Söll mit ihrem Chef Ulrich Grünwald bei der Arbeit in der Werkstatt. Und so kommt sie zur Arbeit. Vermutet da jemand eine Kaminkehrerin?

Waldkraiburg - Friseuse, Kindergärtnerin, Arzthelferin - das waren einst landläufige Vorstellungen, was junge Mädchen einmal werden wollen. Das hat sich gewandelt, wie das Beispiel von Simona Söll aus Waldkraiburg zeigt - sie ist unter "schwarzen Männern".

Heute tauchen auch ganz andere Berufswünsche auf, die häufig in die Bereiche der Technik gehen. Aber Kaminkehrerin, das wird man nicht allzuoft hören. Doch auch in diesem eigentlich typischen Männerberuf sind die jungen Damen schon eingedrungen. So wie Simona Söll aus Waldkraiburg.

Dass Simona heute eine gestandene Kaminkehrerin ist, war eigentlich eine Idee ihrer Mutter. Ihr hatten es die "schwarzen Männer" angetan: "Ein schöner Beruf, unabhängig, zukunftssicher. Das wäre doch etwas für Dich, Simona!" Und als in der Hauptschule ein Praktikum anstand, war Simona schon beim Kaminkehrermeister Steidl in Neuötting zu finden. Der Meister war zufrieden: "Mädel, bring mir auf Deinem Abschlusszeugnis gute Noten und ich stelle Dich als Lehrling ein!"

Drei Jahre lang war sie dann in der Obhut des Neuöttinger Bezirkskaminkehrers und sammelte als frischgebackene Gesellin erste Berufserfahrungen in der Hallertau. Seit drei Jahren ist sie nun aber auch schon wieder beim Waldkraiburger Kaminkehrer Ulrich Grünwald. Zu seiner vollsten Zufriedenheit, wie er versichert. Wenngleich er seinen Betrieb nach arbeitsrechtlichen Vorschriften auch erst einmal umorganisieren musste. So muss beispielsweise genau festgelegt werden, wer wann und wo sich umziehen und duschen kann.

Auf den Dächern spielt sich heute der Arbeitstag eines Kaminkehrers nicht mehr vorrangig ab, das Messen und Überprüfen der Heizanlagen mit modernsten Geräten, das Auswerten der Daten in der Werkstatt steht im Vordergrund. Etwa zehn bis 15, 20 Häuser am Tag sind zu überprüfen. Der Schornsteinfeger mit Besen, schweren Kugeln und einer kleinen Leiter hat ausgedient, obgleich immer noch vor allem bei Neubauten und Kohlefeuerungen der Gang auf das Dach notwendig ist. Im Winter bei Minusgraden und einem halben Meter Schnee auf den Ziegeln nicht gerade angenehm. Dann denkt auch Simona manchmal daran, dass es in einem warmen Büro jetzt sicher schöner wäre. Doch bereut hat sich ihren Entschluss für diesen Beruf noch nie.

Der Schornsteinfeger als Symbol eines Glücksbringers aber ist geblieben. Ab und zu tippt auch bei Simona jemand ganz verstohlen auf ihr schwarzes Gewand. Dass eine junge, hübsche Kaminkehrerin plötzlich vor der Tür steht, daran haben sich viele bereits gewöhnt. In der Region ist zudem auch noch eine weitere Kollegin tätig. Und doch gibt es auch immer wieder ungläubige Gesichter. Ein Hauseigentümer rief sogar schon mal bei ihrem Chef an, um nachzufragen, ob das seine Richtigkeit hätte oder ob das - es war im Februar - ein Faschingsscherz wäre. Andererseits gibt es aber auch das, wie auf dem Anwesen mit dem großen Schäferhund, der auf Simona schon wartet. Ihn darf sie streicheln und mit ihm spielen. Nur wenige Tage später, als Meister Grünwald auf das Grundstück kam, um die Feuerstätten zu überprüfen, biss er kräftig zu. Arbeitsunfähig! Simona musste den Betrieb nun allein bewältigen.

kha (Waldkraiburger Nachrichten)

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