Für die Umwelt? "E10 voller Reinfall"

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Unsicherheit an der Tankstelle: Verträgt mein Wagen den neuen Biosprit E10? Die schlechte Informationspolitik der Bundesregierung hat für Verwirrung gesorgt. Demnächst sollen an allen Tankstellen Listen ausliegen, die Klarheit schaffen.

Waldkraiburg - Trotz der Verunsicherung der Autofahrer hält die Bundesregierung am neuen Kraftstoff E10 fest. Und trotz des Benzingipfels bleibt das Verträglichkeits-Mysterium.

Darf ich mein Auto mit dem Biosprit betanken? Die Kunden sind genau so schlau wie vorher.

Ein Buchstabe, zwei Ziffern und das große Chaos. Immer noch fehlt ein schlüssiges Konzept. Dies bemängelt auch Ulrich Leicht, Pächter der Aral-Tankstelle in der Teplitzer Straße. Dort gibt es E10 bereits seit vier Wochen, viele Kunden tanken es aber noch, obwohl ihre Fahrzeuge es laut der Modellliste der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) vertragen wüdren. Seine Kunden seien verwirrt. "Es gibt so wenig Konkretes", sagt Leicht. Das Chaos sei so groß, dass fraglich sei, wie der Sprit überhaupt noch etabliert werden soll. "Es gab von vornherein eine schlechte Infopolitik von der Regierung", so Leicht. Jeder Fahrer sollte sich bei seinem Hersteller informieren, ob sein Modell E10-tauglich ist, so sein Tipp. Der Haken: Bisher sei noch nicht absehbar, ob es Folgeschäden nach Jahren etwa am Motor geben könnte. Die Hersteller müssten dafür eine Garantie auf Jahre geben - was sie nach dem derzeitigen Wissensstand noch nicht können oder wollen.

Kein Problem sei es, so seine Einschätzung, wenn der Tank noch halb voll mit Super plus sei und man den Biosprit drauf tanke.

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Kunde Karl Salinger bleibt lieber gleich bei Super plus, auch wenn das acht Cent teurer kommt, "weil E10 ein Scheiß ist". Der 20-Jährige weiß, dass sein Mazda den Biosprit vertragen würde, aber er boykottiert die Einführung. Weil er glaubt, dass es sich um eine Mogelpackung handelt. Das Bio-Ethanol im E10 wird aus Mais, Rüben oder etwa Getreide gewonnen. "Aber die Rodungsmaschinen werden mit Diesel betrieben", sagt der junge Waldkraiburger. "Das ist der volle Reinfall. Mir ist wurscht, was die Politiker sagen, die kennen sich ja selbst nicht aus."

Auch Kundin Sonja Vetter ist skeptisch. "Täglich hört man etwas anderes", so die 45-Jährige. Sie habe mehrere Firmenwagen und sich auch schon wegen der Verträglichkeit informiert. Kritik übt sie ebenfalls an der mangelhaften Infopolitik der Regierung. "Das hat schon so schlecht angefangen." Einige ihrer Bekannten hätten auch schon die Erfahrung gemacht, dass deren Autos mit E10 betankt mehr verbrauchen. Man spare sich also im Endeffekt nichts.

Dietmar Breintner, Pächter der Shell-Tankstelle, und Richard Dan, Pächter der Kraiburger Hem-Tankstelle, waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

In Zukunft sollen an allen Tankstellen zuverlässige Listen ausliegen, welche Autos den Treibstoff vertragen und welche nicht. Auch beim Betanken von Motorrädern und Rasenmähern ist Vorsicht geboten. Hier rät der TÜV, die Verträglichkeit ebenfalls mit den Herstellern abzuklären. Es besteht die Gefahr, dass der Tank rostet oder Leitungen angegriffen werden.

Auf Dauer soll es keine Alternative mehr zum Biosprit geben. "Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit zum Öl zu verharren", sagte Umweltminister Norbert Röttgen beim Benzingipfel.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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