Bus überfüllt: Schülerin stehen gelassen

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Die Schülerbeförderung (Symbolbild) sorgt immer wieder für Diskussionen: Eltern klagen über überfüllte Busse, Schüler werden aus Kapazitätsgründen nicht mitgenommen. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht.

Waldkraiburg/Kraiburg - Nur wenige Wochen nach dem spektakulären Schulbusunfall sorgen die Schulbusse wieder für Unmut:

Eine Kraiburger Mutter beschwerte sich beim Landratsamt, dass ihre Tochter wiederholt mit dem Hinweis nicht mitgenommen wurde, dass der Bus überfüllt sei. "Ich bin sehr verärgert und werde mir das nicht noch einmal gefallen lassen", so die Mutter.

urz vor Weihnachten musste Michaela U. wieder einmal ausrücken, um ihre Tochter von der Schule abzuholen. Eigentlich hätte der Bus Tochter Julia von der Ferdinand-Porsche-Realschule in Waldkraiburg ins heimische Kraiburg fahren sollen. Doch der Busfahrer ließ das Mädchen nicht mitfahren. Seine Begründung: Der Bus sei überfüllt. Ein Erlebnis, das Michaela U. ziemlich ärgert. Zum einen, weil es nicht das erste Mal war, dass ihre Tochter nicht mit dem Bus mitfahren durfte. Zum anderen ist ihre Tochter nicht die einzige. Sie habe auch von anderen Eltern gehört, dass deren Kinder nicht befördert wurden. Ihrem Ärger hat die Mutter mit einer Beschwerde ans Landratsamt Luft gemacht und zugleich um eine passende Erläuterung gebeten, wie in Zukunft damit umgegangen wird. Ein Antwortschreiben hat die Kraiburgerin zwar bekommen. Doch so wirklich zufrieden ist sie damit nicht. Wirklich Erhellendes hat sie in dem Schreiben nicht gefunden, schon gar nicht eine Lösung für die Problematik.

Der Landkreis ist für die Beförderung der Schüler weiterführender Schulen zuständig. Er kommt dieser Beförderungspflicht durch die Ausstellung einer Jahresfahrkarte nach. Da die Entfernung von Kraiburg zur Realschule weiter als drei Kilometer ist, hat Julia auch einen Anspruch auf die Busbeförderung.

So weit, so gut. Doch so einfach ist die Busbeförderung dennoch nicht: Grundsätzlich wird bei der Schülerbeförderung zwischen dem reinen Schulbusverkehr und dem öffentlichen Personennahverkehr unterschieden. Beim öffentlichen Personennahverkehr werden auch Kinder und Jugendliche zur Schule befördert; aber nicht ausschließlich. Im Fall von Julia heißt das: Wenn sie Schulschluss hat, fahren von Waldkraiburg nach Kraiburg vier öffentliche Linien. Sie fahren zwischen 13.10 und 13.49 Uhr die Haltestellen Silveriostraße und Unterbräu an. Julia wollte mit der Linie drei mitfahren. Dieser Bus startet an der Förderschule und endet in Mittergars.

"Natürlich muss dieser vorrangig die Schüler Richtung Mittergars befördern. Sollte dieser Bus, nachdem alle Mittergarser Schüler eingestiegen sind, noch Platz haben, können ebenfalls noch Kraiburger Kinder zusteigen", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Im Regelfall müsse Julia aber die Linie eins nehmen. "Sollte sie diesen verpassen oder auch nicht in Bus drei wegen Kapazitätsgründen mitfahren können, so hat sie noch die Möglichkeit, mit dem Bus zwei oder vier bis Kraiburg, Haltestelle Unterbräu, zu kommen. Das heißt, die Mutter hätte die Tochter in Waldkraiburg nicht abholen müssen", so die Pressemitteilung. Mutter Michaela U. meint dazu, dass ihre Tochter den Bus der Linie eins aufgrund des Stundenplanes gar nicht erreichen kann. Zudem sei er schon so voll, dass sie sowieso nicht mitfahren könne. Das wisse sie von ihrer zweiten Tochter. Wenn Tochter Julia dann tatsächlich nach Kraiburg mitgenommen wird und an der Haltestelle Unterbräu aussteigen muss, dann wartet noch ein 15-minütiger Fußmarsch auf sie. Etwas, was Mutter Michaela U. nicht einsieht.

Da die Linie vier aber erst um 13.49 Uhr abfährt, wurde in der Realschule ein Aufenthaltsraum eingerichtet, so dass die Kinder nicht an der Bushaltestelle stehen und warten müssen. Doch weder Mutter Michaela U. noch ihre Tochter wissen etwas von einem Aufenthaltsraum. "Die Schüler können im Foyer der Aula sitzen."

Der Bus der Linie vier hätte, nach Auskunft des Landratsamtes, Julia auf alle Fälle mitgenommen, auch wenn auf ihrer Fahrkarte eine andere Haltestelle steht. Dies wird durch die Verkehrsgemeinschaft Landkreis Mühldorf zugesichert.

Die Verkehrsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss der Busunternehmer des Landkreises. Dort bestellt der Landkreis die Jahresfahrkarten und auf Grund der Bestellungen wird ermittelt, welche Busse von den Unternehmern eingesetzt werden müssen. Michaela U. ist aber überzeugt, dass die Kapazität in keinster Weise ausreiche, um alle Schüler befördern. Zudem moniert sie, dass von dem betroffenen Busunternehmer ein Reisebus eingesetzt werde, der nicht geeignet sei, alle Schüler samt Schulranzen aufzunehmen.

Klar geht aus dem Schreiben des Landratsamtes aber auch hervor, dass die Busfahrer das Recht haben, Schüler auf den nächsten Bus zu verweisen. Als Beispiel wurden Kapazitätsprobleme angeführt. Das geschehe auch, um die Sicherheit zu gewährleisten. "Es kann nicht sein, dass ich als Mama immer auf Abruf bereitstehen muss, um mein Kind von der Schule abzuholen, weil der Busfahrer sie mal wieder nicht mitgenommen hat. Aus welchem Grund auch immer", empört sich Michaela U. Dann müsse halt ein weiterer Bus eingesetzt werden.

Nur wenige Tage nach der Beschwerde ist die Tochter von Michaela U. erneut nicht mitgenommen worden.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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