"Gnadenhochzeit" in Waldkraiburg

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Beim Tanzen lernten sie sich vor über 70 Jahren kennen: Mathilde und Wilhelm Leibfried. Nun feierten sie ihre Gnadenhochzeit.

Waldkraiburg - Kennengelernt haben sich Mathilde und Wilhelm vor über 70 Jahren in München im Café "Maria Theresia" beim Tanzen.

Er hat sie aufgefordert - daraus wurde mehr. Nun sind die 90-Jährige und ihr 94 Jahre alter Mann schon 70 Jahre verheiratet und feiern ihre "Gnadenhochzeit".

Die Leidenschaft für das Tanzen haben Mathilde und Wilhelm Leibfried an ihre Kinder und Enkelkinder weiter gegeben. Ihre Tochter lernte ihren Mann ebenso beim Tanzen kennen, wie auch ihre Enkelin.

Bei Mathilde und Wilhelm, die gestern ihren 70. Hochzeitstag feierten, hat auch alles mit einem "Eins-zwei-drei" angefangen. "Das war in München im Café Maria Theresia, Ecke Augusten- und Dachauer Straße", erzählt die aufgeweckt alte Dame bei einer kleinen Feierstunde mit ihrer Familie im Adalbert-Stifterheim, wo sie und ihr Mann, der an Alzheimer leidet, leben. "Ach hör auf, das weißt du noch", sagt Klaus Bressel, der Mann ihrer Enkelin Karin, erstaunt.

Was man damals tanzte? "Rumba jedenfalls noch nicht", schmunzelt die Jubilarin und rückt ihre Brille zurecht.

Wahrscheinlich war es ein langsamer Walzer, mutmaßt die Familienrunde, zu dem sie der stattliche Soldat, der aus Würzburg stammte, aufforderte. Geheiratet wurde 1942 in Bayreuth - natürlich nicht ohne die Heiratserlaubnis, die man schriftlich beim zuständigen Disziplinarvorgesetzten beantragen musste. Eine Kopie davon hat ihr Schwiegersohn Erwin Kräutlein mitgebracht.

Mathilde war darin als "Fräulein Schlauderer, geboren in Maxhütte-Haidhof" eingetragen. "Das war unser Nachweis, dass wir arischer Abstammung sind, sonst durften wir nicht heiraten", erinnert sich die kleine Dame.

Das erste Kind kam 1942 zur Welt, zwei weitere folgten 1944 und 1946; das Jubelpaar hat heute vier Enkel und drei Urenkel.

Während des Krieges blieb Mathilde Leibfried mit dem Nachwuchs zu Hause in Bayreuth, ihr Mann war in Holland stationiert, machte seinen Feinmechanikermeister und war am Luftwaffenstützpunkt bei der Flugzeugwartung tätig.

Die Tochter im Tanzkurs verkuppelt

Als er im Herbst 1945 heimkehrte und seine Frau ihm die Türe öffnete, erkannte sie ihn kaum wieder. Wilhelm war ein Schatten seiner selbst: abgemagert, verstört und er hatte Gelbsucht. Sie päppelte ihn wieder auf, wie sie berichtet. Ab 1946 arbeitete er als Verkehrspolizist - mit Leib und Seele bis zur Verrentung. Seine Frau verdiente sich als Gardinennäherin was dazu. Und er, der geübte Feinmechaniker, reparierte ihre Nähmaschinen.

Als die Kinder aus dem Haus waren, bereisten die zwei die halbe Welt, zehn Länder waren es. Kanada, Finnland, Norwegen. Der Rest will der 90-Jährigen nicht mehr recht einfallen.

Aber ihr allerliebstes gemeinsames Hobby war das Tanzen und sie liebten Big-Band-Musik. Noch mit 60 und 64 Jahren machten die beiden Tanzkurse und absolvierten Turniere, wie Mathilde mit rosigen Wangen berichtet.

"Wir haben das goldene Tanzabzeichen und konnten viele Figuren. Ich tanzte gerne Swing", schwelgt sie in Erinnerungen. Ihr Mann konnte gut führen, er war ein "Feinmechaniker, Feinmotoriker und Feindenker". Schelmisch erzählt sie, wie sie beim Tanzkurs ihre Tochter verkuppelte. "Es fehlte halt noch eine Tänzerin."

Nun leben die beiden seit sechs Jahren in Waldkraiburg im Adalbert-Stifter-Heim. Zuvor war ihr Zuhause in Bad Windsheim. Die Familie wollte ihre Urgroßeltern lieber nahe bei sich in Waldkraiburg wissen.

Das Leibfried'sche Rezept für eine Ehe, die 70 Jahre lang hält: Geduld, Vertrauen und Nachsicht. Zu dem seltenen Jubiläum - übrigens auch das erste, zu dem Bürgermeister Siegfried Klika gratulieren durfte - gab es einen Brief von Ministerpräsident Horst Seehofer sowie einen bayerischen Löwen aus Porzellan.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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