Susanne hat das "grüne Abitur"

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Das Outfit steht ihr schon mal prächtig: Jungjägerin Susanne Csoti. Den Jagdschein, das "grüne Abitur", hat sie in der Tasche - und dabei geht es ihr gar nicht um das Jagen an sich, eher um die "tolle Weiterbildung". Ob sie jemals einen Bock schießen wird, lässt sie noch offen. Foto kla

Waldkraiburg - Ob Susanne Csoti jemals einen Bock schießen wird, ist noch unklar. Sie hat gerade den Jagdschein gemacht und kann nun mit ihren Kunden auf Augenhöhe verhandeln.

Susanne Csoti kann nun mit ihren Kunden - die hauptsächlich Jäger sind - nun auf Augenhöhe verhandeln. Sie arbeitet für ein namhaftes Fernoptikunternehmen, das ihr "das grüne Abitur" finanziert hat.

"Schieß ich oder schieß ich nicht" - diese Frage wird sich Susanne Csoti stellen, wenn sie als Jungjägerin das erste Mal mit einer Waffe auf dem Schoß auf Wild wartet. "Ich weiß ja noch nicht, ob mir die Jagd gefällt", so die 31-Jährige, die gerade erst den Jagdschein, das "grüne Abitur", absolviert hat. Während der Ausbildung schieße man nicht auf Tiere - ob man auch wirklich abdrücken könne, stelle man erst in der Praxis fest.

In dem Fernoptikunternehmen in Rosenheim, in dem die Waldkraiburgerin im Vertrieb arbeitet, haben viele Kollegen den Jagdschein. Das Unternehmen produziert etwa Zielfernrohre, Spektive und Ferngläser und die Kunden sind hauptsächlich Jäger. Da kann es nicht schaden, wenn man die waidmännische Sprache beherrscht oder gar selbst den Jagdschein besitzt.

Das dachte sich auch die 31-jährige Waldkraiburgerin. Das Interesse an der Thematik wurde durch die Begegnung mit Jägern auf Messen und im Kundengespräch geweckt. Kurzerhand kontaktierte sie Erich Darmann, Jäger in Jettenbach, und begleitete ihn in die Wälder auf die Pirsch. Er wurde später auch ihr Praxisausbilder.

Sie fragte ihn, warum wird gerade dieser Bock geschossen und warum jetzt. Was unterscheidet die Waffen, oder etwa wie richtet man einen Jagdhund ab. Und schon war sie mittendrin in dem faszinierendem Sog rund um das Jagen und die Wildbiologie. "Susanne ist sehr wissbegierig", so Darmann, der schon fünf junge Frauen ausbildete. "Die sind auf dem Vormarsch und schaffen die Prüfung vorbildlich. Ob sie Jäger werden, ist was anderes."

Die Jagd ist längst keine Männerdomäne mehr. Das spürt die Nachwuchsjägerin auf den Messen, wo sich zunehmend mehr Frauen Jagdzubehör zulegen. Oder auch weil alte "Jager" ihr positiv begegnen.

Die Kosten von rund 2000 Euro für den Jagdschein übernahm Susanne Csotis Arbeitgeber - immerhin kann sie jetzt mit den Kunden auf Augenhöhe verhandeln und hat gleich einen guten Draht zu ihnen.

Die blonde Frau besuchte bei der Kreisgruppe Mühldorf/Altötting im Bayerischen Jagdverband ein Dreivierteljahr lang zweimal wöchentlich den Unterricht in der Landwirtschaftsschule. 60 Praxisstunden waren nötig, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Vorher musste sie mit Schrot auf Tontauben schießen und auf 100 Meter Kugelschießen üben.

Tolle Weiterbildung

Der Jagdschein erstreckt sich über drei Prüfungen. "Beim kleinsten Fehler geht man nach Hause", so die Waldkraiburgerin, die zurecht mit Stolz berichtet, dass sie die Hürde im "glatten Durchmarsch geschafft" hat. "Das Ganze ist nicht ohne. Nicht umsonst heißt es ,grünes Abitur' ". Sie habe wahnsinnig viel dazu gelernt, der Jagdschein sei eine tolle Weiterbildung.

Jetzt hat sie im "jagdlichen Bereich" ein breites Fachwissen: Waffenkunde und -praxis, Land- und Waldbau, Haarwild, Federwild, Jagd-praxis oder Jagdrecht. Mit Jagdhunden etwa muss sie sich gut auskennen - von der Zucht über die Krankheiten bis hin zum Abrichten.

Brautkleid statt "Buffn"

Der Bayerische Jagdverband nahm ihr die Prüfung an Lang- und Kurzwaffen ab - sie musste den sicheren und verantwortungsbewussten Umgang damit beweisen. Mit ihren Prüfungspapieren beantragte sie bei der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt den Jagdschein, der sie auch berechtigt, eine Waffe zu besitzen.

"Ich habe noch keine", sagt Susanne Csoti. Die Bockbüchsenflinte, die ihr gefallen würde, weil sie bedienerfreundlich und für fast alle Wildarten geeignet sei, koste rund 3000 Euro aufwärts - Geld, das sie lieber in ein anderes Projekt steckt: ihre kirchliche Hochzeit. Also lieber ein weißes Kleid statt einer "Buffn".

Bei so einem teuren Hobby will eine Anschaffung dieser Größenordnung wohl überlegt sein. Susanne Csoti möchte erst einmal abwarten, "wie es sich vom Gefühl her entwickelt".

Mit ihrem Praxisausbilder Darmann kann sie in seinem Revier in Jettenbach auf die Jagd gehen und bekommt von ihm eine Waffe gestellt. Beim ersten Schuss würde er sie natürlich nicht allein lassen, sagt er. Ein eigenes Revier kann sie, wie sie erklärt, frühestens pachten, wenn sie den Jagdschein über drei Jahre hinaus besitzt.

Dass Tiere geschossen werden müssen, sei für sie ganz klar, sonst nehme das Wild überhand und richte im Wald und der Landwirtschaft großen Schaden an, erklärt Csoti und zitiert den Grundsatz "Wald vor Wild". Gleichzeitig will die Jungjägerin für ein positives Image der Jäger werben. Ein guter Jäger habe große Freude am lebenden Wild. "Es geht ihm nicht ums Abknallen, sondern er will gesunde Tiere sehen, denen es gut geht." Neben der Populationsdynamik geht es auch um Nahrungsgewinnung: "Das Rehragout wächst ja nicht im Kühlregal im Supermarkt".

Darmann bescheinigt Csoti einen "ganzheitlichen Ansatz", wie er ihn selbst pflegt: hören, fühlen, spüren und riechen - nicht einfach an einen Abschussplan denken.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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