Stück Normalität für Behinderte

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Lars hat in der Förderschule Au, vor allem aber im dazugehörigen Kinderheim in Gars, enorme Fortschritte gemacht. Er kann laufen, er kann sprechen, er geht zur Schule. Damit hat seine Mutter nicht gerechnet.

Au/Gars - Sollte das Wohnheim der Förderschule Au neu gebaut werden, käme das nicht nur den Wohnverhältnissen zugute. Die Verantwortlichen rechnen auch mit positiven Auswirkungen auf das Lernverhalten der Behinderten.

Gleichmäßig streicht Lars (Name geändert) mit langen dünnen Fingern über die mit Seifenlauge getränkte Folie. Hin und her, immer wieder. Seine Augen strahlen, er brummt. "Was machst du?", fragt seine Lehrerin, Anita Balhuber. "Eine Kerze", presst er hervor.

Sprechen fällt Lars noch immer schwer. Doch seine Mutter sagt: Er hat sich durch die individuelle Betreuung an der Förderschule toll entwickelt. Dort geht er in die Berufschulklasse 12 der Förderschule Au, seit fünf Jahren ist er dort und gleichzeitig ins Kinderheim Haus Maria in Gars eingezogen.

Den Schülern ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen, ist das Ziel der Förderschule, erklärt Schulleiter Thomas Meier. Vom Kindergarten bis zur Berufsschule werden Kinder und Jugendliche über zwölf Jahre betreut. Der Stundenplan unterscheidet sich nicht von dem einer gewöhnlichen Schule - Lesen, Rechnen, Schreiben, Religion, Werken, Hauswirtschaft und Sport. "Aber der Inhalt der Fächer ist gänzlich anders", sagt Meier. Noten oder Sitzenbleiben gibt es nicht, im Matheunterricht geht es schon mal zum Kegeln. "Wenn die Kinder ihre Punkte zusammenzählen müssen, achten sie penibel darauf, keine Fehler zu machen", sagt Meier, "keiner will verlieren, weil er falsch zusammengezählt hat." 147 Schüler werden derzeit in 15 Klassen von 26 Lehrern unterrichtet.

Unter den Schülern sind auch die 23 Heimkinder des Hauses Maria in Gars, wie Lars B. Für die Schule wäre der geplante Heimneubau gleich neben dem Schulhaus eine große Erleichterung, sagt Schulleiter Meier und hofft auf die Hilfe der OVB-Weihnachtsaktion. "Bei vielen Kindern ist der Betreuungsaufwand so intensiv, dass wir sie nur stundenweise beschulen können." Die Transporte hin und her stellen für sie eine große Belastung dar. "Wäre das Heim direkt hier, wäre das ideal."

Auch Lars B. konnte lange nur stundenweise zur Schule gehen. Heute ist er jeden Tag von 8 Uhr bis 13 Uhr da. Er leidet unter Muskelhypotonie, die zu einer Erschlaffung der Muskulatur führt. Lars fällt das Gehen schwer und auch bei der Feinmotorik hat er Schwierigkeiten. Dazu kommt eine zerebrale Bewegungsstörung, eine Art Hirnschädigung, weil Lars während der Geburt nicht genügend mit Sauerstoff versorgt worden ist. Fünfmal habe sich die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt. "Und ich habe ihn normal zur Welt gebracht", erzählt seine Mutter, die Tränen laufen ihr über die Wangen.

Dass er heute sehr langsam die Schultreppe hinuntergeht, ist fast ein Wunder. Bis vor einigen Jahren saß er im Rollstuhl. Auch sprechen konnte er lange nicht. Nach Operationen an den Beinen, Logopädiestunden und einer Kieferbehandlung kann er heute ein in seinem Rahmen selbstständiges Leben führen. Zu verdanken sei diese Besserung in Lars' Verhalten vor allem dem Team im Haus Maria in Gars, sagt Lars' Mama. Als er in Gars ankam, war sein Zustand schlecht. Durch die vielen Krankenhausaufenthalte hatten seine Verhaltensauffälligkeiten zugenommen. Er nahm Psychopharmaka zur Ruhigstellung und wurde nachts im Bett fixiert, erinnert sich auch Heimleiter Peter Thomas. All das braucht er jetzt nicht mehr. Das Erfolgsgeheimnis vermutet seine Mutter in einer einfachen Tatsache: "In Au wurde Lars endlich angenommen, wie er ist. " nl

Die Spendensumme bei der OVB-Aktion "Leser helfen behinderten Menschen" kletterte am Mittwoch bereits auf über 137.000 Euro. Helfen auch Sie:

OVB-Weihnachtsaktion '09

Leser helfen behinderten Menschen

Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling

Spendenkonto: 76844

BLZ: 711 500 00

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