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Ein Waldkraiburger in Stockholm

Computerschach-WM: Nervenaufreibender Showdown in der Softwareklasse

Erdogan Günes aus Waldkraiburg möchte bei der Computerschach-WM das Triple holen. Einen von drei Weltmeister-Titeln hat er schon. So ging es weiter.
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Computerschach-WM: Nervenaufreibender Showdown in der Softwareklasse

Stockholm/Waldkraiburg – Erdogan Günes möchte bei der Computerschach-WM das Triple holen, also alle drei möglichen Titel gewinnen. Einen hat er schon. Zum Verlauf des zweiten Turniers um den Titel in der Softwareklasse sagt er: „Du musst zuschauen, wie die kleine Kiste gute Stellungen versemmelt“

Bei der jährlichen Computerschach-WM möchte der Waldkraiburger Erdogan Günes endlich das Triple holen und in allen drei Klassen gewinnen. 2016 hatte er nur zwei Titel erringen können. 2017 verpasste er nur knapp den dritten. Trotz anfänglicher technischer Probleme hat Günes bei der diesjährigen Weltmeisterschaft bereits den Titel im Computer-Blitzschach in der Tasche. Als nächstes ging es in der Softwareklasse an den Start.

Zwangspause für die eigene Hardware

In der Softwareklasse treten die Turnierbuchautoren mit ihren Programmen gegeneinander an. Die Hardware ist für alle gleich. Das ist so, wie wenn bei der Formel 1 alle Teams den gleichen Motor haben würden. Über zwei Tage hinweg wurde bei der diesjährigen WM in Stockholm um den Titel in der Softwareklasse gerungen.

Nach dem ersten Drittel aller zu spielenden Partien stand es nicht so gut für den Waldkraiburger Computerschach-Checker, „aber ich war noch nicht vom Radar verschwunden“. In der Softwareklasse wird klar, wie sehr die Teams aus jeweils Turnierbuchautor, Software und Hardware aufeinander abgestimmt sind.

Verdammt zum Zuschauen

Wenn jeder den gleichen „Motor“ hat, bricht die Abstimmung zwischen Turnierbuchautor, Software und Hardware schon mal auseinander. „Du musst zuschauen, wie die kleine Kiste (der Einheitsmotor) gute Stellungen versemmelt“, erklärt Günes. Das hat natürlich auch etwas mit der geringen Leistung der einheitlichen Hardware für alle Teams zu tun.

Günes spricht von einem Verhältnis von 10 zu 1, was die Leistung der Hardware seines Teams hat im Vergleich zu der Einheitshardware in der Softwareklasse. Zum Vergleich: Setzt man einen erfolgreichen Rennfahrer in ein baugleiches Auto mit anderem Motor, wird er auch seine Zeit brauchen, um zu wissen, wie er im Rennen das Meiste aus der Kiste rausholt.

„Ich war noch nicht vom Radar verschwunden“

Vom Ergebnis nach dem ersten Drittel aller zu spielenden Partien hat sich der Waldkraiburger nicht entmutigen lassen. Er war schließlich immer noch auf Tuchfühlung mit den Top-Platzierten zu diesem Zeitpunkt. „Ich habe zu viele Unentschieden einstecken müssen.“

Showdown in Stockholm

Fast hätte Erdogan Günes sein Pulver verschossen, denn um den Kampf des Titels in der Softwaregruppe musste er bereits vorbereite Eröffnungszüge für die offene Klasse einsetzen. Eine Rechnung, die erst einmal aufgegangen ist: Günes geht in Führung. Da gab es nur noch ein Problem: Aufgrund des Punktestandes und der Regeln musste er mit seinem Team Komodo als letztes in ein Play-off gegen einen neuen Gegner, das Team Boot.

2016 war Günes in einer ähnlichen Situation. Da ging es in der letzten Partie vom Team Komodo gegen das Team Jonny. Damals konnte Komodo mit Günes als Turnierbuchautor siegreich das digitale Schachbrett verlassen. Am Sonntag bei der 24. Computerschach-WM war es ebenso. Grund dafür ist ein Trick des Waldkraiburgers.

Erdogan Günes hat seine Eröffnung, also sein Turnierbuch, in dem er die Weichen für die jeweilige Partie stellt, leicht abgewandelt, das ganze in einer Pause zum Check über die Team-Hardware laufen lassen und am Ende gewonnen. Zum nunmehr dritten Mal geht Günes mit mindestens zwei von drei Weltmeistertiteln nach Hause.

Aus dem Dunkel der Nullen und Einsen im Computerschach

Mittlerweile steht fest, dass das Open-Source-Projekt hunderter Programmierer, genannt Leela Chess Zero, an der Weltmeisterschaft in der offenen Klasse teilnehmen darf. Noch  während der bereits gestarteten WM war es nicht klar. Der Grund: Es fehlte der Nachweis, dass alle Programmierer, die daran mitgearbeitet haben, einverstanden sind. Leela wird also teilnehmen und das mit einem gigantischen Schachwissen. Leela braucht keinen Turnierbuchautor, spielt anfangs sehr gut und im Übergang von der Mitel- zu Endphase - für ein neuronales Schachprogramm - teilweise unlogische Züge und gewinnt trotzdem

In der offenen Klasse spielt auch das "Team" Leela auf der eigenen Hardware.

Unschlagbar sei Leela nicht, so Günes aber für ihn und die anderen Turnierbuchautoren heiße es jetzt "sich warm anzuziehen"

Am Freitag steht der Sieger in der offenen Klasse fest.

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