Standortbestimmung für Kulturzentrum

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Waldkraiburg - Rückläufige Steuereinnahmen und wachsende Konkurrenz im Bereich der Kulturveranstaltungen - vor diesem Horizont kommt heute der Waldkraiburger Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung zusammen.

Zusammen mit den Vertretern der Kulturverwaltung geht es um die "Ausrichtung Waldkraiburgs als kulturellem Mittelzentrum". So formuliert es Bürgermeister Klika. "Es geht um eine Standortbestimmung."

Landauf, landab sorgt die Finanzsituation der Kommunen für Diskussionen. Auch die Stadt Waldkraiburg trifft der Rückgang der Steuereinnahmen hart. Zwar habe man 2009 bei der Gewerbesteuer fast den Ansatz von 11,5 Millionen Euro erreicht. Auch 2010 werde man voraussichtlich "mühsam" auf etwa elf Millionen kommen, glaubt Bürgermeister Siegfried Klika. 2007 und 2008 lag man noch bei rund 13 Millionen. Sorgen machen der Kämmerei Prognosen für den Einkommenssteueranteil. Für 2010 ist laut Klika mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Millionen Euro zu rechnen. Ein großes Problem für die Stadtfinanzen, weil diese Einnahmen in weit größerem Maße bei der Stadt verbleiben als die Gewerbesteuer.

Überall dort, wo derzeit über kommunale Finanzen gesprochen wird, stehen zum Teil massive Einsparungen im Raum, die nicht zuletzt kulturelle Einrichtungen und Programme treffen. Drohen auch in Waldkraiburg derartig dramatische Einschnitte? Nein, sagt der Bürgermeister. Um konkrete Sparbeschlüsse gehe es "in dieser Sitzung noch nicht".

Wie in anderen defizitären Bereichen werden auch Ausgaben in der Kultur "auf dem Prüfstand stehen", so Klika, der von einer "ergebnisoffenen Diskussion" spricht. Musikschule, Haus des Buches, das Haus der Kultur mit den Programmen in den Bereichen Theater, Kleinkunst, Konzerte und Ausstellungen lässt sich die Stadt viel Geld kosten.

Nicht allein um den finanziellen Gesichtspunkt soll es aber in der Sitzung gehen. Die gewachsene Konkurrenz in der Region werfe die Frage auf, wie Waldkraiburg sich als kulturelles Mittelzentrum behaupten kann. Die Bedingungen haben sich verändert. Zu Städten wie Mühldorf kommen neuerdings auch Kulturveranstaltungen in Gemeinden wie Aschau oder Mettenheim. Zuletzt sei mit einem neuen Kulturzentrum in Traunreut ein weiterer Veranstaltungsort von regionaler Bedeutung hinzu gekommen.

Veränderte Bedingungen - auch in der Musikschule sei damit zu rechnen. Sie muss sich zum Beispiel auf kommende schwächere Jahrgänge bei Schülern und Jugendlichen einrichten.

Ob es nötig ist, Veränderungen im Kulturprogramm vorzunehmen, Schwerpunkte anders zu setzen, das will Klika in der Sitzung besprechen. Nicht nur der Kulturausschuss, der gesamte Stadtrat soll einen Überblick und Informationen aus allen Kulturressorts erhalten. Die städtischen Gremien legen Wert darauf, schon in die Programmauswahl eingebunden zu werden. Auch das werde Thema sein, so Klika. Er greift damit ein Anliegen aus der CSU-Fraktion auf.

Deren Sprecher Anton Sterr formuliert folgende Zielsetzung: Auch wenn ein hoher Anteil des Publikums aus dem Umland kommt, müsse sich die städtische Kulturarbeit vor allem am Interesse der Waldkraiburger Bevölkerung ausrichten. Der Kulturbereich sei der größte Haushaltsposten, wo auch die größten Defizite auflaufen. "Man kann die hohen Ausgaben nur vermitteln, wenn sich die Waldkraiburger im Programm wiederfinden." Angesichts der wachsenden Konkurrenz von Veranstaltern hält Sterr nichts von Versuchen, Programme, etwa im Bereich Kleinkunst, mit anderen Veranstaltungsorten abzustimmen. "Wir müssen uns unsere Marktlücke erkämpfen und das anbieten, was ankommt."

Gewisse Einsparungen werden wohl unausweichlich sein, fürchtet Kulturreferentin Gertraud Kesselgruber. Die CSU-Stadträtin verweist zugleich auf die große Bedeutung des Kulturbereichs für die Darstellung Waldkraiburgs als Mittelzentrum. Sie warnt davor, vieles, was in den vergangenen Jahren gewachsen ist, aufzugeben. "Sonst übernehmen es andere." Und es werde viel Zeit und Kosten verursachen, wieder etwas Neues aufzubauen.

In Bereichen wie den Ausstellungen sei das Budget in den vergangenen Jahren schon deutlich reduziert worden. Den Löwenanteil machen die Fixkosten aus, die durch den Saal gebunden seien. Die Kulturreferentin sieht schon jetzt Möglichkeiten für Stadträte, Wünsche und Anregungen ins Programm einzubringen. Bei der Entscheidung über das konkrete Programm sieht sie allein aus organisatorischen Gründen Grenzen. Die Gespräche mit Agenturen und Tourneetheatern laufen ein Jahr, manchmal zwei Jahre im Voraus.

SPD-Fraktionssprecherin Susanne Engelmann will der Sitzung nicht vorgreifen. Das Hauptaugenmerk muss nach ihrer Meinung auf der Vermarktung des Großen Saals liegen. Im Verhältnis zu den außerdordentlich hohen Kosten des Saals sei die Zahl der Belegungen zu gering.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © fkn

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