Stadt setzt auf Videoüberwachung

+
Auch an der Skateranlage am Festplatz wurde zuletzt eine Videokamera installiert.

Waldkraiburg - "Dieser Bereich wird videoüberwacht." An mehreren Plätzen im Stadtgebiet hängt ein Schild mit dieser Aufschrift. Im Kampf gegen Straftaten setzt die Stadt vermehrt auf dieses Mittel - offensichtlich mit Zustimmung vieler Bürger.

Schon vor einigen Jahren, damit also früher als viele andere Städte dieser Größe, begann Waldkraiburg mit der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen im Stadtgebiet. Ob am Bahnhaltepunkt oder am Festplatz, am Stadtplatz oder zum Beispiel am Haus der Kultur, die Tafeln mit der Aufschrift "Dieser Bereich wird videoüberwacht", sollen potenzielle Täter abschrecken. Und die fest installierten Videogeräte wie die mobile Kamera, die an neuralgischen Punkten auf Zeit zum Einsatz kommt, zeigen Wirkung. Davon ist jedenfalls Bürgermeister Siegfried Klika überzeugt. "Wir bauen damit eine gewisse Drohkulisse auf." Wie Klika, so glaubt auch Waldkraiburgs Polizeichef Georg Marchner an eine präventive Wirkung der Videoüberwachung. "Wo Videokameras sind, sind potenzielle Täter geneigt, nichts zu tun. Damit wird viel Blödsinn verhindert. Aus polizeilicher Sicht kann ich das nur gut heißen."

Als Beispiel für den positiven Effekt nennt Marchner eine Erfahrung vom Straubinger Gäubodenfest. Dort sei es durch den Einsatz von Videokameras gelungen, einen Bereich außerhalb des eigentlichen Festplatzes, wo es über Jahre Probleme gab, zu befrieden. Mehrere Täter wurden ermittelt. Allerdings schaute die Polizei auf Monitoren mit. Das ist der große und mit erheblichem finanziellem Aufwand verbundene Unterschied zu der in Waldkraiburg praktizierten Form der Überwachung. Die Kameras zeichnen nur auf. Nach 24 Stunden werde das Material wieder gelöscht, sagt Siegfried Klika. "Ausgewertet wird es nur, wenn es ein Vorkommnis gegeben hat." So verfahre die Stadt auf Empfehlung ihres Datenschutzbeauftragten. Nicht immer führt die Auswertung zum Erfolg. Nicht immer lassen sich die Täter eindeutig identifizieren. In drei Fällen, so Klika, kam der entscheidende Hinweis jedoch von der Videokamera.

Erster Polizeihauptkommissar Marchner erinnert sich an eine Beschädigung an der Schranke zum Festplatz, die dadurch aufgeklärt werden konnte, und an einen Fall am Stadtplatz, als ein älterer Herr auf diese Weise der Beschädigung der Zeitungsleser-Figur überführt werden konnte. "Im Bereich, den die Kamera erfasst, passiert seitdem fast nichts mehr." Auch Marchner räumt natürlich ein, dass deshalb Vorkommnisse an anderen Ecken des Stadtplatzes nicht ausgeschlossen sind. Sicherlich gebe es durch die Überwachung auch einen gewissen Verdrängungseffekt in andere Bereiche. Doch dieses Argument stelle letztlich auch jede Form der Polizeiarbeit in Frage, die natürlich nicht immer überall präsent sein könne. Videokameras bringen nichts, sondern führen nur dazu, dass potenzielle Täter in andere Bereiche ausweichen. Diesen Einwand hatten etwa junge Leute vorgebracht, die wenig davon begeistert waren, als im Bereich der Skateranlage auf dem Volksfestplatz zuletzt ebenfalls eine Videokamera installiert wurde.

Die Kamera sei nicht dazu da, die Jugendlichen zu überwachen, sondern sie zu schützen, suchte der Bürgermeister zu beruhigen. Die Akzeptanz für die Videoüberwachung ist nach seinen Erfahrungen ansonsten in der Bevölkerung sehr groß. Ein Befund, den eine Umfrage unserer Zeitung zu bestätigen scheint. "Die Leute sind gleichgültig." Mit der Zivilcourage sei es nicht mehr weit her, fürchtet etwa Carmen Kehr-Fuckel aus Jettenbach und spricht sich deshalb für Videoüberwachung aus. Birgit Kremser aus Waldkraiburg meint: "Ich zahle meine Steuern lieber für ein paar Videokameras statt für das Beheben von Schäden." Dagegen hat Christian Sachs nicht den Eindruck, dass die Zahl von Sachbeschädigungen in den letzten Jahren gewachsen ist. Er empfindet die Videokameras als "Eingriff in die Privatsphäre. Ich bin dafür, dass man sie abbaut." Eine Einzelmeinung? "Nach meinen Informationen hat sich noch kein Bürger darüber beschwert", so Siegfried Klika.

Obwohl er sich zuletzt sehr darüber geärgert hat, dass die Waldkraiburger W-Skulpturen zerstört wurden, will Klika die Videoüberwachung derzeit nicht ausweiten. Ausschließen möchte er eine Ausweitung für die Zukunft aber ebenso wenig. Eine Ausweitung macht in den Augen von Georg Marchner "zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn", wenn es nicht echte Brennpunkte gebe, wo das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ernsthaft beeinträchtigt wäre. "Aber wir haben ja in Waldkraiburg keine Bereiche, wo sich keiner mehr hintrauen könnte."

hg/Mühldorfer Anzeiger 

Lesen Sie auch:

Kameras am Eingang von Schulen?

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser