Auf den Spuren einer "Textilstadt"

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Eine ruhige Hand und gute Augen sind gefragt, wenn schwierige Logos oder Schriftzüge noch per Hand gestickt werden. Da mussten die Ferienreporter staunen.

Waldkraiburg - Fünf "Jungreporter" waren auf Recherche-Tour bei der Stickerei Pöschmann; Waldkraiburgs letzten verbliebenen Textilbetrieb.

 Als "junge Reporter" erhielten gestern Stefanie (13), Jessica (12), Ronald (12), Dominik (13) und Thomas (11) einen Einblick in die Arbeit der Redakteure der Waldkraiburger Nachrichten.

Aufgabe der jungen Reporter war es, die Fahnenstickerei Pöschmann zu besichtigen und dort Informationen über Waldkraiburgs letzten verbliebenen Textilbetrieb zu sammeln. Gerne war Axel Pöschmann, der das Unternehmen nun seit gut 30 Jahren führt, bereit, die Fragen der Jungreporter ausführlich zu beantworten.

Ronalds Interesse galt insbesondere ganz konkreten Details aus der Produktion, so etwa, wie viel Faden im Jahr verbraucht wird. Axel Pöschman zückte den Taschenrechner und meinte nach kurzer Überlegung: "So rund 500000 Meter werden es pro Jahr schon sein". Rund 1000 Fahnen und Bänder werden davon im Jahr bestickt und nach den Wünschen der Kunden gestaltet.

Thomas hingegen machte sich darüber Gedanken, wie man dazu kommt, einen Stickereibetrieb zu leiten und fragte Axel Pöschmann: "Warum führen Sie die Fahnenstickerei?" Als Sohn des Firmengründers sei er in dem Betrieb ausgebildet worden und habe ihn später von seinem Vater übernommen, erzählte Axel Pöschmann und machte deutlich, dass er seine Arbeit liebt.

Damals - vor rund 30 Jahren - sei Waldkraiburg noch eine Textilstadt gewesen, über 2000 Arbeitsplätze gab es in Waldkraiburg allein in der Textilbranche.

Stefanie und Dominik, die sich für die Mitarbeiter des Unternehmens interessierten, erfuhren, dass Pöschmann mittlerweile nur noch zehn Mitarbeiter beschäftigt. Die jüngste Mitarbeiterin ist schon seit 25 Jahren im Betrieb tätig und es wird auch nicht mehr ausgebildet. Wenn er sich einmal aus dem Berufsleben zurückzieht, dann werde es auch die Firma nicht mehr geben, da seine Kinder sich beruflich anderweitig orientiert haben.

Dennoch ist der Betrieb nach wie vor als eine der ganz wenigen Stickereien, die es in Deutschland noch gibt, überregional bekannt. Auf Ronalds Frage, wie weit Axel Pöschmanns geschäftliche Verbindungen reichten, erklärte dieser, er produziere hauptsächlich für Kunden aus Bayern und der Schweiz. So stelle er beispielsweise Siegerbänder für Geflügelzüchterwettbewerbe her, habe aber auch den Deutschen Bundestag als Auftraggeber.

Jessica interessierte sich für die Anzahl der Kunden, die von Pöschmann jährlich versorgt werden wollen. Die Fahnenstickerei habe ungefähr 50 Stammkunden, antwortete Pöschmann.

Hinzu kämen allerdings noch die Kunden im Laden, die beispielsweise ihre Bettfedern reinigen lassen wollen. Auch dies wird bei Pöschmann angeboten.

Nach der Besichtigung des Textilunternehmens ging es in der Redaktion erst einmal darum, die Rechercheergebnisse in einen Zeitungsbericht zu bringen. Nach erledigter Arbeit erhielten die jungen Reporter eine Brotzeit und ein Getränk und hatten noch die Gelegenheit, Fragen zur Herstellung einer Tageszeitung zu stellen.

ml/hsc/Mühldorfer Anzeiger

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