Sprachförderung stand im Mittelpunkt

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"Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", so Ulrich Böger, Regierungs- vizepräsident.

Waldkraiburg - Sogenannte "Integrationslotsen" sollen ab November 2011 Familien mit Migrationshintergrund, deren Kinder eine Waldkraiburger Grundschule besuchen, begleiten und unterstützen.

Das neue Projekt, das das Schulamt und die Initiative "Lernen vor Ort" organisieren, wurde beim oberbayerischen Integrationsforum im Haus der Kultur vorgestellt.

Eltern mit Migrationshintergrund haben oft nur unzureichende Kenntnisse des bayerischen Schulsystems, sind verunsichert, wenn ihr Kind in die Grundschule kommt oder an eine weiterführende Schule wechselt. Und bei einigen reichen schlicht die Sprachkenntnisse nicht aus, Lehrkräfte und Erzieherinnen zu verstehen. Damit der Einstieg in die Grundschule und der Übertritt in eine weiterführende Schule gelingt, sollen "Lotsen" die Familien unterstützen und ihnen Hilfestellung im Grundschulalltag geben. So sieht es ein neues Projekt vor, das die Diplompädagogin Elke Beckedorf von "Lernen vor Ort" bei dem Forum vorstellte.

Die Integrationslotsen solten selber Eltern mit Migrationserfahrung sein und die Sprache der betroffenen Familien sprechen, um das Bildungssystem in der Muttersprache erklären und Fragen beantworten zu können, um Ängste ab- und Vertrauen aufzubauen. Auch Personen, die, etwa in Wohlfahrtsverbänden, in der Betreuung oder Beratung von Migranten aktiv sind, kommen als Lotsen in Frage. In mehreren Schulungen werden sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. Bereits ab November sollen dann die ersten "Lotsen" in der Grundschule im Einsatz sein. Gestartet wird das Projekt in Waldkraiburg. Bei guten Erfahrungen soll es auch in anderen Kommunen umgesetzt und andere Schularten bis hin zur Berufsschule umfassen. Bislang gibt es laut Beckedorf drei Interessenten, weitere werden gesucht. Die ersten beiden Schulungstage sind im Juli geplant, zwei weitere im Herbst.

Nähere Informationen gibt es im Staatlichen Schulamt sowie bei "Lernen vor Ort" im Landratsamt unter Telefon 08631 / 699458.

Das Programm "Offensive Frühe Chance" des Bundesbildungsministeriums stellten Ursula Kamm, Sozialpädagogin vom Amt für Jugend und Familie, und Charlotte Konrad, Leiterin des Kindergartens Maria Schutz, vor. Maria Schutz ist neben dem städtischen Kindergarten in Neumarkt-St.Veit eine von zwei Kindertagesstätten im Landkreis, in denen das Projekt zur Förderung der Sprachkompetenz von Kleinkindern schon im Krippenalter bereits angelaufen ist. 25.000 Euro Zuschuss pro Jahr gewährt der Bund für eine Fachkraft, die zusätzlich zum bestehenden Angebot im Bereich Sprachförderung tätig ist, in der Arbeit mit den Kindern, in der Elternarbeit und in der Fortbildung des Personals. Charlotte Konrad verspricht sich von dem Programm, das auf dreieinhalb Jahre angelegt ist, eine positive Wirkung. Ursula Kamm möchte weitere Kindertagesstätten im Landkreis motivieren, sich für das kommende Jahr um die Förderung zu bewerben.

Um die Präsentation und Vernetzung von Modellen und Projekten aus der Integrationsarbeit geht es der Regierung von Oberbayern mit dem Integrationsforum, das in Waldkraiburg zum 19. Mal stattfand. Pädagogen, Vertreter aus Schulen und Behörden sowie Kommunalpolitiker waren dazu in das Haus der Kultur gekommen. Mit der Resonanz konnten die Veranstalter nicht zufrieden sein. Von städtischer Seite hatte Dagmar Greck-Fort, aufsuchende Sozialarbeiterin aus der Verwaltung, an der Vorbereitung mitgewirkt, Ordnungsamtsleiter Norbert Meindl übernahm die Moderation der Veranstaltung, die diesmal das Thema Sprachförderung in den Mittelpunkt stellte.

Das Beherrschen der deutschen Sprache sei der Schlüssel zur Integration, betonte Ulrich Böger, Regierungsvizepräsident und Integrationsbeauftragter für Bayern. Um die Chancen der Migranten, in Bayern Fuß zu fassen, weiter zu verbessern, ist es nach seinen Worten wichtig, Ausländer zum Deutsch Lernen nicht zuletzt durch soziale Kontakte zu ermutigen.

Aufgrund der vielen Integrationsanstrengungen in der Stadt sei Waldkraiburg bewusst als Tagungsort ausgewählt worden, so Böger. "Man merkt, dass die Stadt in diesem Punkt sehr engagiert ist."

294 Waldkraiburger Kinder im Kindergartenalter erhalten nach seinen Worten derzeit eine spezielle Sprachförderung im Rahmen des "Vorkurs Deutsch 240".

Schon in den 70er-Jahren, als es noch keine gesetzlichen Vorgaben gab, habe es in Waldkraiburg intensive Sprachförderung in Schulen und Kindergärten gegeben, so Bürgermeister Siegfried Klika. Das Thema Integration begleite die Stadt seit ihrer Gründung. Viele Menschen unterschiedlicher Herkunft habe man aufgenommen und integriert.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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