Sport im Alter: Senioren machen Abzeichen

Waldkraiburg - Auch im hohen Alter können Sportbegeisterte noch ein Sportabzeichen machen, denn dafür ist es nie zu spät. Das bewiesen nun einige Senioren im Waldkraiburger Jahnstadion.

1,48 Meter aus dem Stand. „Für das Deutsche reicht‘s“, sagt Mathias Schiess. Zufrieden ist der Waldkraiburger damit aber nicht mit seinem Sprung. 1,50 Meter sollen es mindestens sein. Das braucht er für das Bayerische Sportabzeichen, das anspruchsvoller ist. Der 82-Jährige ist ehrgeizig, so wie die anderen, die an diesem Juli-Abend zur Sportabzeichen-Abnahme ins Jahnstadion kommen.

Schiess ist einer der Spätberufenen unter den Teilnehmern. Erst zum sechsten Mal ist er dabei. Mit Mitte 70 hat er angefangen und ist gewissermaßen ein lebender Beweis, dass es für das Sportabzeichen nie zu spät ist. Dem Sport ist der Banater Schwabe allerdings schon seit seiner Jugend verbunden. Auch in Rumänien habe er das Abzeichen gemacht, erzählt er am Rand der Grube, wo sich Ludwig Roßmeier gerade an den nächsten Kugelstoß macht.

Fünf Disziplinen

Auch Roßmeier ist schon jenseits der 70 und hält sich mit Sport und Bewegung fit. Am Sportabzeichen schätzt der Waldkraiburger die Vielseitigkeit. In fünf Disziplinen ist die Fitness innerhalb eines Jahres unter Beweis zu stellen: 1. bei der Schwimmfähigkeit (Mittelstrecke); 2. beim Sprung (Hoch-, Weit-, Standweitsprung oder am Gerät); 3. in einer Sprintdisziplin (Laufen oder Alternativen wie Inlineskaten); 4. in einer Schnelligkraftdisziplin (wie Kugelstoßen oder Steinstoßen); in einer Ausdauerdisziplin (Laufen, Schwimmen oder Radfahren). Die erforderlichen Leistungen sind nach Altersstufen gestaffelt.

Fast jedes Jahr ist Roßmeier seit den 70er-Jahren dabei und hat entsprechend viele Abzeichen, die es in Gold, Silber und Bronze gibt. Wobei das goldene Deutsche in etwa den Leistungen des bronzenen Bayerischen gleich kommt. Ludwig Roßmeier ist nicht der einzige „Dauerbrenner“. Wer damit angefangen hat, hört nicht mehr auf. Einmal Sportabzeichen, immer Sportabzeichen. Die Senioren stellen die stärkste Fraktion bei der Sportabzeichen-Abnahme im Jahnstadion.

Herbert Liess, der vor einigen Jahren mit damals 44 angefangen hat, gehört zu den Jüngeren. Ein Zeitungsbericht über Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, einen der prominentesten Vertreter der Sportabzeichen-Bewegung, hat ihn darauf aufmerksam gemacht. Zweimal habe er es nicht geschafft, erzählt Liess. Dann gab ihm Uwe Grabbe den Tipp, Spikes zum Laufen und Springen anzuziehen. Seitdem passt‘s.

Uwe Grabbe ist Sportabzeichen-Prüfer. Zusammen mit Thomas Irgmeier, dem Vorsitzenden der VfL-Abteilung Turnen, Fitness und Gesundheit, die für die Sportabzeichen in Waldkraiburg zuständig ist, organisiert er jedes Jahr die Abnahme: beim Radfahren, beim Schwimmen und in den leichtathletischen Disziplinen.

Beide würden sich freuen, wenn noch mehr Jüngere dazu kommen. Ab und zu seien auch Schüler und Jugendliche mit dabei, erzählt Irgmeier, auch Leichtathleten oder eine ganze Gruppe von Feuerwehrleuten haben in den vergangenen Jahren mitgemacht. Heuer haben sich einige Mitarbeiter der TRW zusammengetan, um das Abzeichen in Waldkraiburg machen. Bislang recht gering ist die Frauenquote. Sonja Biedermann ist an diesem Nachmittag die einzige, die sich traut. Als Breitensportlerin, die gerne schwimmt, Rad fährt, Nordic Walking betreibt und im Winter regelmäßig Schlittschuh läuft, ist sie bei Sportabzeichen richtig. Das ist nicht der Wettbewerb für die Cracks und absoluten Sportskanonen, sondern für Leute, die sich gerne bewegen und sich ihre Fitness beweisen wollen.

Sportabzeichen kann Geld wert sein

Manche Krankenkasse honoriert das Engagement. Die AOK erstatte ihm für das Sportabzeichen Geld zurück, erzählt Mathias Schiess. Einige Medikamente brauche er nicht mehr. „Das verdanke ich dem Sport."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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