Waldkraiburg ein Stück jünger machen

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Den Schreibtisch musste sie nicht wechseln: Sonja Goschy arbeitet seit fast vier Jahren für die Stadtmarketing Waldkraiburg GmbH, ab 1. Juli als neue Ge- schäftsführerin.

Waldkraiburg - Viele junge Bürger tun sich noch immer schwer, sich mit der Stadt Waldkraiburg zu identifizieren. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Einwohnerbefragung.

Sonja Goschy muss sich von Berufs wegen damit auseinandersetzen, auch wenn es ihr selbst ganz anders mit Waldkraiburg geht. Die 30-Jährige freut sich "wahnsinnig, für meine Stadt arbeiten zu können". Eine gute Voraussetzung für die neue Aufgabe als Geschäftsführerin der Stadtmarketing GmbH.

Zum 1. Juli wird Sonja Goschy Geschäftsführerin der städtischen Gesellschaft. So hat es der Aufsichtsrat beschlossen. Rein äußerlich verändert sich damit nichts. Nicht einmal den Schreibtisch muss die Waldkraiburgerin wechseln. Schon seit Herbst, nachdem ihr Vorgänger und früherer Chef Markus Stern, Waldkraiburg in Richtung Nordhessen verlassen hatte, sitzt sie im Büro des Geschäftsführers, um nach dessen Abschied das operative Geschäft weiter am Laufen zu halten.

Mit der jetzt beschlossenen internen Besetzung des Chefsessels setzt die Stadt nun auf Kontinuität. Schon im August 2008 war die studierte Germanistin zum Stadtmarketing gestoßen. Goschy, die damals als kaufmännische Mitarbeiterin und Assistentin des Geschäftsführers angestellt wurde, war für Administration und Buchhaltung sowie für die Betreuung des Servicecenters zuständig. Schon bald übernahm sie weitere Aufgaben bei der Organisation von Messeauftritten, die Projektleitung beim Stadtgeld "Waldkraiburger" oder beim Notinselprojekt für Kinder. Die Kontaktaufnahme mit potenziellen Investoren gehörte zu ihrem Geschäft ebenso wie die Führung des Leerstandskatasters. Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hatte sie ausgebaut und zeitweise selbst mit übernommen. Nicht nur Bürgermeister Siegfried Klika hat sie in diesen Jahren von ihren "großen organisatorischen Fähigkeiten" überzeugt.

Die Arbeit im Stadtmarketing hat Goschy als außerordentlich interessante Tätigkeit kennengelernt, an der sie die Vielseitigkeit ebenso schätzt wie die Möglichkeit, kreativ zu sein, Ideen einzubringen, mit Gremien und Arbeitskreisen zu arbeiten, als "Netzwerkerin" unterwegs zu sein. Dass sie das in und für "ihre Stadt" tun kann, sieht sie als persönlichen Glücksfall an.

Die Germanistin wollte nach dem Studium der neueren deutschen Literatur und einer kurzen beruflichen Zwischenstation bei einem Verein zur Förderung klassischer Künste in München unbedingt zurück nach Waldkraiburg, ihre Heimat, seit sie als Kleinkind mit der Familie aus dem Banat nach Deutschland kam.

Sie fühle sich weder in der Großstadt noch auf dem Land daheim, sagt sie. Eine Stadt wie Waldkraiburg sei gerade richtig. "Nicht zu groß und nicht zu klein. Man kann am Waldrand im Grünen leben, hat 200 Meter weiter das nächste Geschäft, 500 Meter zur nächsten Schule und höchstens zwei Kilometer ins Stadtzentrum."

Potenzielle Neubürger und Gewerbetreibende von den Vorzügen des Wohnens, Lebens und Arbeitens in Waldkraiburg zu überzeugen, wird eine der zentralen Aufgaben der Geschäftsführerin sein. In Abstimmung mit den Gremien arbeitet sie derzeit an einem neuen Konzept. Weil es noch nicht verabschiedet ist, will Goschy die konkreten Inhalte noch nicht öffentlich machen. An den großen Schwerpunkten Wirtschaftsförderung und Imageförderung wird sich nichts ändern.

Die Stadt will den Bevölkerungsschwund der letzten Jahre bremsen, stoppen. Mit Politik und Verwaltung und den anderen beiden Gesellschaften Stadtbau und Stadtwerke wird es darum gehen, mit den noch bestehenden Entwicklungsflächen für Gewerbe und Wohnbebauung voranzukommen und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen und zu verbessern. Waldkraiburg habe durch die Lage im Wald und die engen Gemeindegrenzen diverse Nachteile gegenüber Flächengemeinden. Auch weiterhin wird das Stadtmarketing Waldkraiburg bei regionalen und überregionalen Messen präsentieren und dabei Alleinstellungsmerkmale wie die Geothermie in den Vordergrund stellen.

Eine Konzentration auf die echten Stärken sieht Goschy im Hinblick auf Maßnahmen zur Image- und Identitätsförderung nach innen als erforderlich an. Das Sportangebot, die Schulen, die Kinderbetreuung werden auch von den Waldkraiburgern selbst sehr positiv bewertet.

Neuer Slogan?

"Wir müssen überlegen, wie wir über Marketinginstrumente noch stärker an das Identitätsgefühl der Waldkraiburger appellieren können." Die städtische Imagekampagne will Goschy weiterentwickeln, frühere Maßnahmen kritisch auf den Prüfstand stellen. Es ist daran gedacht, einen neuen Slogan zu kreieren. Nach einer Einwohnerbefragung zu Stärken und Schwächen, deren Auswertung voraussichtlich Ende Juli vorliegen wird, sollen Erhebungen unter Arbeitnehmern von Waldkraiburger Betrieben und Kunden des Waldkraiburger Einzelhandels folgen, um auf dieser Grundlage ein neues Konzept für eine Kampagne zu erstellen.

Ein großes Anliegen ist der künftigen Geschäftsführerin die Verbesserung der Angebote für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien. Ein Filmfest für junge Leute ist ebenso "angedacht" wie Picknickevents für die ganze Familie im Stadtpark oder kleinere, innerstädtische Events mit guten regionalen Bands. Das könnte auch zu einer Belebung der Innenstadt beitragen, auch das unverändert ein zentrales Thema für das Stadtmarketing.

Insbesondere die Kommunikation der Angebote für junge Leute müsse verbessert werden. "Die Kommunikationswege haben sich verschoben. Das kann man nicht ignorieren. Wir müssen verstärkt auf die neuen Medien setzen", Facebook und andere Netzwerke nutzen. Einen großen Schritt nach vorne soll der neue Internetauftritt der Stadt bringen, der noch im Sommer online geht.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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