TPE setzt auf Medizintechnik

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Neues Geschäftsfeld mit großem Potenzial: TPE-Geschäftsführer Franz Hinterecker (rechts) mit Produktonsleiter Werner Schwalm vor der Anlage, die für die Herstellung von Werkstoffen für die Medizintechnik abgestellt wurde.

Waldkraiburg - Die Auftragslage hat sich verbessert. Der Januar verspricht der beste Monat seit zwei Jahren zu werden. Franz Hinterecker, Geschäftsführer von Kraiburg TPE, geht "sehr zuversichtlich" in das Jahr 2010.

Für die Zukunft optimistisch macht ihn auch ein neues, vielversprechendes Geschäftsfeld: Medizintechnik.

2009 wird als "Krisenjahr" in die Geschichte der Kraiburg TPE eingehen. Wie bei allen Automobilzulieferern drückte der Absatzeinbruch der Autobauer die Umsätze ins Minus, so Franz Hinterecker, der seit 1999 bei Kraiburg die Kunststoffsparte TPE leitete und 2001 in ein eigenständiges Unternehmen überführte. Nach Jahren des rasanten Wachstums, in denen aus einem Nischenanbieter ein erfolgreicher Global Player mit über 300 Mitarbeitern und 80 Millionen Euro Umsatz geworden war, war dies eine neue Erfahrung für das Unternehmen.

Vor allem im ersten Halbjahr 2009 brach der Umsatz ein. "Im zweiten Halbjahr haben wir einiges gut machen können", sagt Geschäftsführer Hinterecker. 2009 schloss das weltweit agierende Unternehmen mit einem Umsatz von 71 Millionen Euro ab, 14 Prozent unter der Marke des Vorjahres. Davon entfielen 57 Millionen auf den Firmenhauptsitz in Waldkraiburg, der überdurchschnittliche Verluste auf dem europäischen Markt verzeichnete.

Trotz Kurzarbeit und Kosteneinsparungen kam das Unternehmen "nicht um Anpassungen herum", so Hinterecker. Ein Stellenabbau durch Aufhebungsverträge wurde notwendig. Die Zahl der Mitarbeiter sank gegenüber 2008 um fünf Prozent auf derzeit 245 in Waldkraiburg. Weltweit beschäftigt TPE 315 Mitarbeiter.

"Wir gehen gestärkt und gesünder aus dieser Krisenzeit hervor", ist der Geschäftsführer heute überzeugt. So sei die Situation genutzt worden, um etwa interne Arbeitsprozesse zu verbessern. Hinterecker: "Wir hatten im vergangenen Jahr nicht eine einzige Reklamation." Zu den Veränderungen zählt insbesondere die Neuordnung des europäischen Projektmanagements. Vertrieb und Entwicklung agieren zum Vorteil der Kunden von Beginn an gemeinsam. Die Entwickler rücken damit näher an den Kunden heran. Das Unternehmen kann schneller und flexibler auf Kundenanfragen reagieren. Positive Rückmeldungen von Unternehmen wie GlaxoSmithKline wertet man bei TPE als Bestätigung.

Der positive Trend in Sachen Auftragslage hält laut Hinterecker 2010 an, wenn auch der Umsatz von 2008 wohl noch nicht erreicht wird. "Wir sind mit einer sehr guten Auftragslage gestartet. Das wird in den nächsten Monaten sicher anhalten. Der Januar wird der beste Monat seit zwei Jahren." Aufgrund von Umfragen und Prognosen, die für das zweite Halbjahr allerdings schlechter ausfallen, sei unternehmerische Vorsicht geboten. "Aber wir wollen unsere eigene Konjunktur machen."

Seine Zuversicht für die Zukunft gründet der Geschäftsführer nicht zuletzt auf die strategische Entscheidung, ein weiteres Geschäftsfeld aufzubauen. "Wir sehen großes Potenzial für TPE im Bereich Medizintechnik."

Seit Ende der 90er-Jahre hat das Unternehmen Materialien für die Medizin- und Pharmabranche im Programm. Die zunehmende Kundennachfrage, insbesondere nach Anwendungen mit einem höheren Produkthaftungsrisiko, veranlasste TPE zu Neuentwicklungen für die Medizinindustrie. Hohe Priorität hat bei den Kunden in diesem Bereich das Thema Sicherheit und Zuverlässigkeit, das eine Verarbeitung von Werkstoffen bis zum Haftungsrisiko des indirekten Blutkontakts ermöglicht. Das Material kann also in Kontakt zu Stoffen kommen, die in den menschlichen Blutkreislauf gelangen. Dies betrifft etwa Spritzenkolben. Durchstichmembranen oder medizinische Schläuche.

Das Waldkraiburger Unternehmen gewährleistet die höchsten Sicherheitsstandards für die Fertigung pharmazeutischer Verpackungen, medizinischer Produkte, Instrumente und Hilfsmittel. Alle Materialien aus der neuen Produktlinie verfügen über die gängigen Medizintechnikzulassungen, so das Unternehmen, das seinen Kunden eine Liefergarantie als weiteren Vorteil bietet. Für zwei Jahre garantiert Kraiburg TPE Rezept- und Verfahrenskonstanz.

Eigens für die medizinische Produktion wurde eine Anlage im Werk an der Friedrich-Schmidt-Straße abgestellt. Diese verarbeitet nur noch Rohstoffe, die medizintauglich sind, und gewährleistet, dass sie kein Gesundheitsrisiko darstellen. Die neuen Stoffe der medizintechnischen Produktgruppe erlauben den Einsatz jedes gängigen Verfahrens zur Sterilisierung.

Aufgrund der hohen Sicherheitsstandards im Medizinbereich braucht es sehr viele Genehmigungen und Freigabeverfahren. Doch der Geschäftsführer rechnet damit, dass die Medizintechnik schon in den nächsten Jahren ein Zehntel des Gesamtumsatzes ausmachen kann. 2009 war es gerade einmal ein Prozent.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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