Seehofer ist "Sheriff von Nottingham"

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Der Mann, der mit Django Asül die Schulbank drückte: Florian Pronold. Asül habe mal zu ihm gesagt: "Einer von uns hat Karriere gemacht, der andere ist zur SPD gegangen."

Waldkraiburg - Bei der SPD-Volksfestkundgebung wird traditionell die CSU abgewatscht. Besonders viel Spaß machte das Florian Pronold, dem SPD-Landesvorsitzenden.

So bezeichnete er Seehofer als "Sheriff von Nottingham" und nannte MdB Mayer "den großen Lackl von der CSU". Auch nahm er Stellung zu den aktuellen Entwicklungen am Schlachthof und den geplatzten Moschee-Plänen.

Schwüle Hitze im Festzelt am Vorabend des Volksfestes und launige politische Reden. SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold sagte in seiner Kundgebung "Wir von der SPD haben nicht die besseren Rezepte, aber wir sind die besseren Köche." Der rote Faden seiner Rede war die bayerische Verfassung, die tolle Grundsätze enthalte, die aber bis heute nicht erfüllt seien. Er sprach die Bildung an, die nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen dürfe. Weltoffenheit und Toleranz seien verankerte Themen. Er begrüßte den Imam im Zelt, der Ärger habe mit den herrschenden Mehrheiten und redete über das geplatzte Moschee-Projekt.

Die Türken hätten Waldkraiburg auch mit aufgebaut, dass man ihnen das Gemeindezentrum erst in Aussicht stelle und dann abschmettere, sei ein Armutszeugnis für die örtliche CSU.

Er leitete über zur doppelten Staatsbürgerschaft, die der Bundestag im Herbst abgelehnt hatte. MdB Stephan Mayer, der "große Lackl von der CSU", warne immer vor der Gefährlichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft. Bei einem Aufeinandertreffen in Berlin habe Pronold an Otto von Habsburg erinnert, der Mann mit den drei Staatsbürgerschaften (deutsch, österreichisch, ungarisch), der für Bayern nach Europa geschickt wurde.

"Wie kann es da sein, dass einer, der in Waldkraiburg eine Dönerbude betreibt, gefährlich ist, weil er zwei Pässe besitzt?" Darauf habe der MdB nur herumgestottert. Pronold habe im Übrigen mit Django Asül die Schulbank gedrückt. Dieser Ur-Niederbayer besitze einen türkischen Pass, erwähnte er am Rande.

Er watschte auch Horst Seehofer ab, "ein Wendehals, der täglich seine Meinung ändert. Der tut immer so, als wäre er Robin Hood, wenn es aber zur Abstimmung kommt, ist er der Sheriff von Nottingham" - zum Beispiel wenn es um den Mindestlohn gehe. Man wolle doch Politiker haben, die zu ihrer Meinung stehen. An dieser Stelle lobte er Christian Ude, Münchens Oberbürgermeister - "ein Demokrat, der für die Sache kämpft, der darauf schaut, was die Bürger wollen. Das ist seine Richtschnur, auch wenn er selbst anderer Meinung ist". Auf dessen Kandidatur als Ministerpräsident freue sich Pronold "wie ein Schneekönig".

Zurück zum Mindestlohn, denn darüber steht auch in der Bayerischen Verfassung geschrieben. Der Landesvorsitzende richtete das Wort an die Anwesenden Schlachthof-Arbeiter, die Ärger mit neuen Verträgen nach der Insolvenz ihrer Werkvertragsfirma, die für Südfleisch tätig war, haben (ein Bericht folgt). Pronold nannte es "Misswirtschaft bei Südfleisch", sprach von Lohndumping und der Würde der Arbeit, die hier nicht geschätzt werde.

"Der Arbeitnehmer muss die Zeche zahlen für die Nieten in Nadelstreifen." Es sei menschenunwürdig, wenn einer schufte und sich und seine Familie dennoch nicht ernähren könne. Daher müsse es einen gesetzlichen Mindestlohn geben.

Auch die Banken- und Eurorettung machte er zum Thema. Spekulationen müssten eingedämmt, der Finanzmarkt reguliert werden. Statt die Steuersünder, die Schwarzgeld in der Schweiz zugeben, zu belohnen, würde er eine Ehrlichkeitsprämie für Schweizer Banker ausloben.

Er streifte das verunglückte Betreuungsgeld, die verkorkste Energiewende und die schlechte Schulpolitik der CSU. Sein Fazit: "Wer sein Kreuz bei der SPD macht, muss nachher keins mehr tragen."

Landtagskandidat Günther Zellner meinte im Bezug auf den Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit sei von der Regierung nicht gewollt und die Entwicklungen bei Südfleisch sprächen Bände. Gerechte Löhne seien auch für die Renten und das Gemeinwohl wichtig.

Markus Schwaiger, Bürgermeisterkandidat für die SPD, nutzte die Gelegenheit, auch ein paar Worte zu sprechen. Freiheit und Demokratie seien die Grundlagen unserer Gesellschaft. Er fragte "was haben die Entwicklungen bei Südfleisch mit einer sozial sicheren, gerechten und solidarischen Gesellschaft zu tun?"

Und Demokratie müsse heute höheren Ansprüchen genügen und meinte damit die kulturelle Pluralisierung. Die Stadt Waldkraiburg habe als junge Stadt und Stadt der Vertriebenen eine besondere Verantwortung. Dass die CSU das Moschee-Projekt abgeschmettert habe, sei Willkür. Er versprach der türkischen Gemeinde die Unterstützung durch seine Partei.

Eine "frohe Botschaft" verkündete zum Schluss noch Dritter Bürgermeister Reinhard Babiak: "Christian Ude hat schriftlich zugesagt, nächstes Jahr zur Volksfestkundgebung zu kommen."

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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