Schulbusunfall wirft viele Fragen auf

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Waldkraiburg/Kraiburg – Die erregten Diskussionen um den Unfall, bei dem am Freitagnachmittag ein 14-Jähriger aus einem fahrenden Schulbus fiel, halten an.

Aus Elternkreisen kommt heftige Kritik an überfüllten Bussen und am Verhalten des Busfahrers. Die Ursache für den Unfall ist bislang ungeklärt. Auch gestern konnte die Polizei kein Ergebnis eines unfallanalytischen Gutachtens mitteilen. Der Schüler kam bei dem Unfall mit dem Schrecken und Abschürfungen davon. Doch weit Schlimmeres hätte passieren können. Diese Vorstellung treibt viele Eltern um. Irritationen löst nicht zuletzt die Tatsache aus, dass der Busfahrer, gegen den wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt wird, nicht selbst die Polizei verständigt hatte und der Bus erst mehrere Stunden nach dem Unfall und einem Aufenthalt in einer Werkstatt zur Begutachtung durch den Sachverständigen bei der Polizeidienststelle vorfuhr. Die Polizei hätte den Bus sofort sicherstellen müssen, wird kritisiert.

Polizeierst50 Minuten nachUnfallverständigt

Die Inspektion war am Freitag erst gegen 14.10 Uhr von Eltern verständigt worden, etwa 50 Minuten nach dem Unfall. Zu dieser Zeit war am Unfallort in Kraiburg keiner der Beteiligten mehr anzutreffen.

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Hätte der Busfahrer die Polizei verständigen müssen? Liegt gar der Tatbestand der Unfallflucht vor? Markus Steinmaßl, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg, sieht keinen Emittlungsansatz in diese Richtung. Der einschlägige Gesetzesparagraf enthalte auch für diesen Fall keine zwingende Verpflichtung, die Polizei zu rufen. Er schütze die Schadensregulierung. Und dieser Forderung sei bei diesem Unfall Rechnung getragen worden, dadurch dass der Kontakt zu den Eltern hergestellt und die Personalien ausgetauscht wurden.

Der Busfahrer hätte den Sanka rufen müssen. Auch diese Forderung wird laut. Nach Einschätzung der Polizei ist aber nicht von unterlassener Hilfeleistung auszugehen. Der Busfahrer habe sich um den Schüler gekümmert, der nur leichte Verletzungen erlitten hatte, so Steinmaßl.

Schüler, die von der Polizei vernommen wurden, berichteten von einem "stark überfüllten Bus". Nicht jeder Schüler konnte sich in dem Bus festhalten, berichteten Eltern. Konkretere Angaben liegen der Polizei nicht vor. Wie viele Schüler sich also zum Unfallzeitpunkt im Bus befanden, werde sich kaum ermitteln lassen, fürchtet der stellvertretende PI-Chef.

Nach Informationen unserer Zeitung haben sich die Elternbeiräte der Realschule und des Gymnasiums in dieser Angelegenheit an Landrat Georg Huber gewandt. Unter anderem fordern sie den Einsatz eines größeren Busses.

Busunternehmer: Zulässige Kapazität sogar unterschritten

Busunternehmer Klaus Stoiber schließt eine Überfüllung des Busses aus. Die gesetzlich zulässige Kapazität von 45 Sitz- und 41 Stehplätzen wurde nach seinen Worten "nicht erreicht". Bei wiederholten Kontrollen durch die Polizei, sei "noch nie" ein Überschreiten der Kapazität bemängelt worden.

Der Busfahrer habe sich richtig verhalten, meint der Unternehmer. Er ist überzeugt, dass ein Schüler absichtlich oder unabsichtlich den Türnothahn betätigt habe und sich dadurch die Türe öffnete. Dies sei bei der Anfahrt zur Haltestelle geschehen, so Stoiber.

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Ob dies tatsächlich die Ursache für den Unfall war, ist bislang nicht geklärt. Das Ergebnis des unfallanalytischen Gutachtens durch einen technischen Sachverständigen, der nach Rücksprache mit dem zuständigen Staatsanwalt hinzugezogen wurde, liege noch nicht vor, so Steinmaßl gestern. Von diesem Gutachten wird es abhängen, ob - etwa im Fall eines technischen Mangels oder Defekts - die Ermittlungen auf den Busunternehmer ausgeweitet werden.

Der Polizeibeamte bestätigt, dass der Bus am Freitag erst bei Dämmerung vom Unternehmen zur Inspektion "freiwillig" übergeben wurde und zuvor in einer Werkstatt war.

Was ist nach diesem Vorlauf ein Gutachten noch wert? Steinmaßl geht davon aus, dass das Gutachten "dadurch nicht wesentlich beeinflusst" wurde. Die Schritte, die bei einer Reparatur gegebenenfalls vorgenommen wurden, könnten vom Sachverständigen nachvollzogen werden.

Busunternehmer Stoiber beteuert: "Dabei wurde nichts repariert und nichts ausgetauscht." Vielmehr sei in einer Werkstatt im Raum Mühldorf nur die Notlöse- einrichtung wieder verplombt worden. Dies sei von der Straßenverkehrsordnung vorgeschrieben. Stoiber legt Wert auf die Feststellung, dass er selbst Kontakt mit der Polizei aufgenommen habe und der Bus "gegen 17 Uhr" vorgefahren wurde.

hg/Mühldorfer-Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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