Schulausschluss: Arbeitseinsatz statt Ferien

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Er ist ein letztes Mittel, um Schüler bei schwerem Fehlverhalten zu disziplinieren: der Schulausschluss auf Zeit.

Waldkraiburg - Er ist ein letztes Mittel, um Schüler bei schwerem Fehlverhalten zu disziplinieren: der Schulausschluss auf Zeit. Nun wurde ein erfolgversprechendes Konzept erarbeitet.

Damit der Schulausschluss nicht als zusätzliche Ferienwoche missverstanden wird, ist er im Landkreis Mühldorf seit kurzem mit einem Arbeitseinsatz und intensiver sozialpädagogischer Betreuung verbunden. In Waldkraiburg hat man mit dem Konzept bereits erste Erfahrungen gemacht.

Wenn Gespräche wirkungslos bleiben und andere Maßregelungen nicht mehr helfen, sieht Artikel 86 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes vor, Schüler in der Regel für drei bis sechs Tage vom Schulbesuch auszuschließen. Bei schwerem Fehlverhalten, Aggressionen, die zu erheblichen Verletzungen von Mitschülern führen, oder massiven und ständigen Störungen, die einen geregelten Unterricht unmöglich machen.

Durchschnittlich zehnmal pro Schuljahr komme es in den Mittelschulen im Bereich des Schulamtes Mühldorf zum Schulausschluss, schätzt Schulrat Hans Wax. Der Schüler, die Schülerin hat dann Hausverbot und bewegt sich damit im "betreuungsfreien Raum".

Während die Mitschüler büffeln, kann er oder sie im Bett liegen bleiben und es sich gemütlich machen. Für Wax ist das eine unbefriedigende Vorstellung. Schließlich sei das Ziel der Maßnahme, auf den Schüler einzuwirken, ihn zum Umdenken zu bewegen. Der ehemalige Leiter der Diesel-Mittelschule entwickelte deshalb mit dem ehemaligen Schulamtsdirektor Peter Krell und Elfriede Geisberger vom Amt für Jugend und Familie im Landratsamt vor einiger Zeit ein modifiziertes Modell des Ausschlusses. Nach einer rechtlichen Prüfung wird es - in Zusammenarbeit mit den Kommunen - seit Anfang des Schuljahres in Waldkraiburg und mittlerweile im gesamten Schulamtsbereich praktiziert. Der Projekt müsse sich nun in der Praxis bewähren, sagt Geisberger.

Das Konzept sieht zum einen vor, dass die Jugendlichen für die Dauer des Ausschlusses täglich von 7 bis 12 Uhr zu einer Arbeit bei der Kommune, zum Beispiel im Bauhof oder bei einem Hausmeister herangezogen werden. Voraussetzung ist das Einverständnis der Eltern, das bisher laut Wax immer erteilt wurde. Am Nachmittag haben die Schüler die Hausaufgaben zu erledigen, die die Eltern in der Schule besorgt haben, und den versäumten Stoff nachzulernen. Sollten die Aufgaben am nächsten Tag nicht erledigt sein, wird das Jugendamt informiert. Der Jugendsozialarbeiter oder die Sozialarbeiterin der Schule sucht dann das Gespräch mit den Eltern und macht sie auf ihre Pflichten aufmerksam. Den Pädagogen, die auch vor und nach dem Ausschluss Beratungsgespräche führen, kommt eine Schlüsselrolle bei der Begleitung von schwierigen Schülern und deren Eltern zu. Schulsozialarbeiterin Verena Brandl zieht ein positives Fazit. "Eine sehr sinnvolle Maßnahme." Sie hat bei den Nachgesprächen den Eindruck, dass sich durch diese Erfahrung in der Einstellung der Schüler etwas verändert.

Die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Schule beginne schon im Vorfeld, "um den Schulabschluss zu verhindern", betont Elfriede Geisberger. Nur in dieser engen Abstimmung funktioniere es, sagt Wax. Die Arbeit am Vormittag sieht er als Angebot, eine Chance für Schüler, die viele Misserfolge hinter sich haben, in einem ganz anderen Bereich ein Erfolgserlebis zu haben. Im Idealfall, auch diese Erfahrung habe man gemacht, verändere sich dadurch tatsächlich die Haltung zur Schule.

Im anderen Fall, bei einem unentschuldigten Fehlen an der Arbeitsstelle wird die Polizeiinspektion eingeschaltet, um den Schüler daheim abzuholen. Bislang war das nicht notwendig, sagt Harald Jungbauer. Der Jugendbeamte der Waldkraiburger Polizei begrüßt das Projekt. Er glaubt an den erzieherischen Effekt. Ähnlich sieht es Hans Rath, stellvertretender Schulleiter der Diesel-Mittelschule: Der Ausschluss in dieser Form habe sich als "äußerst unangenehme Geschichte herumgesprochen, die man vermeiden sollte". Vor allem das frühe Aufstehen mache den Jugendlichen zu schaffen.

Von einer "guten Möglichkeit, sich mit der Realität des Arbeitslebens auseinanderzusetzen", spricht Bürgermeister Siegfried Klika. Von Anfang an hat er das neue Konzept unterstützt, sucht selbst das Gespräch mit den betroffenen Schülern und Eltern, um ihnen ins Gewissen zu reden.

Birgit Heinrich-Huber ist wichtig, dass die Schüler den Stoff am Nachmittag nachlernen können. Positiv sieht die Rektorin der Diesel-Schule die Zusammenarbeit mit den Eltern, die sich von der Schule unterstützt fühlen und nach dem Schulausschluss mehr Kontakt zur Schule halten.

"Wir sind dazu da, die Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen", sagt Hans Wax, der den Schulausschluss in dieser Form als "idealtypisch" für das Motto "Fordern und Fördern" ansieht. Der Schulrat: "Wir dürfen es uns nicht leisten, dass wir auch nur einen Jugendlichen verlieren. Wir brauchen eindeutig jeden in der Gesellschaft."

hg/Mühldorfer Anzeiger

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