Wieviel links verträgt Waldkraiburg?

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Waldkraiburg - Für die einen ist zu wenig geboten, die anderen sind einigermaßen zufrieden: Jugendliche in Waldkraiburg. Die Diskussion um ein mögliches Verbot der Punkrock-Konzerte versetzt so manchen in Rage.

Auch Erwachsene glauben, dass damit ein Stück Jugendkultur verloren gehen könnte. Ein guter Anlass, die Jugend selbst zu Wort kommen zu lassen.

Der Kreisjugendring (KJR) stellt sich hinter die jugendlichen Veranstalter in der Schenkerhalle und traf sich mit Bürgermeister Siegfried Klika noch einmal zu einem Gespräch. "Es gibt noch eine Schonfrist. Wir geben dem KJR noch einmal die Gelegenheit die Sache in den Griff zu kriegen." Klika stelle sich aber auch die Frage, ob der Kreisjugendring nicht sehe, was sich da entwickle. Man sei schließlich auf die Toleranz der Anwohner angewiesen.

"Ich habe nichts gegen Punkmusik. Es geht uns nicht um die Musik, sondern um das Umfeld. Wenn es nicht möglich ist, die Szenerie zu beherrschen, dann sehe ich schwarz", so der Bürgermeister. Er und der Stadtrat wollen nicht in die Jugendkultur eingreifen. Ihnen gehe es um den Frieden mit den Nachbarn.

Damit die auch friedlich gestimmt bleiben, hat der KJR der Stadt den Vorschlag gemacht. Plakate drucken zu lassen und an neuralgischen Punkten, wo sich Jugendliche aufhalten und bewegen, wie etwa dem Bahnhaltepunkt, wo sie zu Konzerten anreisen, aufzuhängen, berichtet Geschäftsführerin Anita Schirmer. Dafür soll ein Designer ein markantes Logo entwerfen, das auch Fremdveranstalter in der Schenkerhalle auf Flyern und Plakaten verwenden müssen. "Wir wollen die Jugend nicht mit dem Zeigefinger ansprechen, sondern sie so auffordern mitzuhelfen und sich zu benehmen, dass diese Konzerte weiterbestehen können", so Schirmer. So will der KJR alle mit ins Boot holen und ein Zeichen für die Bevölkerung setzen. Die Schonfrist läuft.

Wieviel links verträgt Waldkraiburg?

Wie sieht es nun im Allgemeinen mit dem Freizeitwert für junge Leute in der Stadt aus? Wo kann man abends hingehen? Was fehlt? Was kann man als Jugendlicher selbst zu einer aktiven Szene beitragen? Warum ist für die Jugend zu wenig geboten? Mit diesen Fragen setzen sich Jugendliche und Erwachsene auf der nächsten Zeitungsseite auseinander.

Befragt wurden IzAseJu, die JU, das Jugendparlament, jugendliche Gäste in der Schenkerhalle, Eltern und ehemalige Stammgäste des G12 und Georg Milly, der Leiter des Hauses der Jugend. Der Querschnitt ist nicht repräsentativ für Waldkraiburg, doch wurde eines klar. Die Jugendszene teilen sich im Veranstaltungsbereich und in Sachen Engagement zwei Gruppierungen, die miteinander wohl eher weniger gemeinsame Anknüpfungspunkte haben, außer dass alle jung sind und etwas auf die Beine stellen wollen.

Die Interessen und Geschmäcker sind dabei vollkommen verschieden. So träumen IzAseJu, die Initiative zum Aufbau eines selbst verwalteten Jugendzentrums, nach wie vor von demselben, ziehen dabei derzeit hauptsächlich junge Leute aus der linken Ecke an. Dann wären da noch das Jugendparlament (JuPa), indem Jusos, Leute aus der JU und Jugendliche ohne politische Anbindung vertreten sind und die JU selbst. JuPa und JU finden das Angebot für Jugendliche eigentlich ausreichend. Für Stefan Kreutzer von der JU ist es sogar ein Problem der Nachfrage, nicht des Angebotes.

Friedhofsruhe kontra Jugendkultur

Die Generation G12 ist da anderer Meinung. Ein Unternehmensvertreter aus Waldkraiburg, Fritz Schmidt, spricht in seinem Leserbrief, den er als Reaktion auf die Diskussion um die Konzerte in der Schenkerhalle verfasste, von mangelnder Attraktivität. Er warnt vor lähmender Friedhofsruhe, die mit den kulturellen Einschränkungen einherginge - "eine Bedrohung für den Rest an Dynamik, den wir in Waldkraiburg noch haben."

Carolin und Ulli Höllinger, Eltern von zwei Söhnen und ehemalige Stammgäste im G12, bewerten das Engagement der jungen Leute, speziell IzAseJu, um die Schenkerhalle als sehr positiv.

Georg Milly, Leiter des Hauses der Jugend, ist der Meinung, dass eine Stadt in der Größe von Waldkraiburg ein gewisses linkes Potenzial ertragen sollte. Im Haus der Jugend sind übrigens auch junge Türken und junge Russlanddeutsche, um dort "abzuhängen".

In der nebenstehenden Umfrage kommen Konzertbesucher zu Wort, einer von ihnen, der Schüler Daniel Brosig betrachtet die Rolle der Jugendreferentin Inge Schnabl, sie fühle sich nur für das Kinderprogramm zuständig, für die 16- bis 21-Jährigen sei nichts geboten. Lesen Sie auf Seite 16 mehr über die Jugendszene in Waldkraiburg.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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