Die schönen Seiten des Sammelns

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Schon in ihrer Kindheit waren Herbert Andraschko (links), Vorsitzender der Waldkraiburger Philatelisten, und sein Stellvertreter Rudolf Wilhelm eifrige Briefmarkensammler. Bis heute hält die Faszination an.

Waldkraiburg - Briefmarken oder Münzen sammeln? Dieses Hobby hat heutzutage ein verstaubtes Image. Zu Unrecht, wie Herbert Andraschko, Vorsitzender der Waldkraiburger Philatelisten, findet.

Die Zeiten, da fast jeder Bub Briefmarken sammelte und sich die vielen erwachsenen Philatelisten und Münzensammler in Vereinen organisierten, sind vorbei. Heute hat das Sammeln ein verstaubtes Image. Zu Unrecht, wie Herbert Andraschko, der Vorsitzende der Waldkraiburger Philatelisten, und sein Stellvertreter Rudolf Wilhelm finden. Beim Großtauschtag zum 40-jährigen Vereinsjubiläum wollen sie die schönen Seiten des Sammelns aufzeigen.

Mit 47 Jahren gehört Andraschko zu den Youngstern im 37 Mitglieder starken Verein. Wie die meisten hat auch er als Bub damit begonnen, Briefmarken abzulösen und zu pressen, und dann als Jugendlicher eine Pause eingelegt. Anders als die meisten seiner Altersgenossen hat er sich mit Mitte 20 wieder für das Sammeln, Tauschen und Handeln von Briefmarken, Münzen und historischen Postkarten interessiert.

Das Briefmarkensammeln ist ein Zeitvertreib für Männer geblieben. Doch vieles hat sich seit seiner Kindheit auch in diesem Metier geändert. Das fängt damit an, dass heute in Deutschland - anders als in einigen anderen europäischen Ländern übrigens - viel weniger Karten und Briefe verschickt werden; und wenn doch, dann mit Stempel und nicht mit Briefmarken.

An interessanten Sammelgebieten fehlt es nicht. Neue Regionen, zum Beispiel Russland oder China, rücken ins Blickfeld. Und vor allem Motivsammlungen sind heute angesagt. Da gibt es Sammler, die sich auf das Elefantenmotiv spezialisiert haben, auf "Blumen" und "Walt Disney", oder die wie Rudolf Wilhelm eine Sammlung mit Schmetterlingsmarken zusammen getragen haben.

Vor allem für junge Einsteiger sind solche Motivsammlungen eine gute Alternative, auch deshalb weil die bunten und großen Marken in der Regel recht günstig zu haben sind.

"Die größten Marken waren auch die gefragtesten", als Rudolf Wilhelm als Zehnjähriger mit dem Briefmarkensammeln anfing. Dabei unterstützt hat ihn seine Mutter, die in einem Schreibwarengeschäft arbeitete und ab und zu Marken kaufte und mitbrachte. Auf diese Weise ist der heute 66-Jährige zu den ersten drei DDR-Marken gekommen, die er, wie auch sein erstes Mini-Album aus den 50er-Jahren, bis heute aufbewahrt. "Schaut vogelwild aus, wird aber nicht weg geschmissen."

Das erste Album hält auch der Vorsitzende in Ehren. Ebenso wenig wird Andraschko, der auch Postkarten sammelt, unter anderem mit Motiven aus seiner Heimat, dem Erdinger Holzland, eine ganz bestimmte Jugendstilkarte wieder aus der Hand geben. Zweimal hat er sie schon abgegeben. Zuerst verkaufte er sie in den Bayerischen Wald und fand sie auf einer Börse in München wieder, dann gab er die Karte im Verein weiter, wenig später fiel sie ihm bei einem anderen Verein wieder in die Hände. "Die Karte verfolgt mich."

Schweiz und Österreich, Tschechoslowakei, beziehungsweise Tschechien, die in Waldkraiburg wegen seiner Geschichte laut Wilhelm viel stärker nachgefragt werden als andernorts, und eine schöne Kartensammlung mit Motiven rund ums Postwesen zählen zu den Schwerpunkten des Waldkraiburgers; ebenso "die klassischen Sachen", DDR, Bundesrepublik, Berlin, die freilich wegen der hohen Auflagen immer billiger wurden.

"Aktie des kleinen Mannes" hat Hans-Leo Pieper, der verstorbene Gründungsvorsitzende der Philatelisten, die Briefmarke gerne genannt. Diese Zeiten sind vorbei. Anders als Münzen können heute Marken nur noch bedingt als lohnende Geldanlage angesehen werden, weiß Herbert Andraschko, der unter anderem Danzig und alte Bayernmarken mit Mühlradstempel sammelt. Sicherlich sind das Deutsche Reich und seine Nebengebiete in guter Qualität noch immer ihren Preis wert, auch Altösterreich, Schweiz, Liechtenstein oder England zählen zu den teuren Sammlungen.

Der finanzielle Wert einer Sammlung ist das eine, die Fazination des Sammelns erschöpft sich darin nicht. Die "unglaubliche Vielfalt" der Sammelgebiete, die Möglichkeit, durch die Beschäftigung mit Briefmarken "unwahrscheinlich viel" über Geschichte und Geografie zu lernen, sind aus Sicht von Andraschko bis heute gute Argumente für diese Freizeitbeschäftigung. Der Computer eröffne heute zudem viele Möglichkeiten, selber kreativ zu werden. Auch er gestaltet seine Blätter selbst. Und es gebe "Künstler in unserem Verein, die nehmen die Marken als Mittelpunkt und machen drum herum ganze Bilder".

Seit gut 20 Jahren ist Rudolf Wilhelm im Verein organisiert. "Bereut habe ich es nie." Viele praktische Gründe sprechen dafür: die Möglichkeit, sich mit anderen Sammlern auszutauschen, Marken und Alben zu tauschen und günstig zu erwerben oder teure Kataloge beim Verein auszuleihen. Auch Erben nutzen die Möglichkeit, Sammlungen im Verein schätzen zu lassen.

Weil immer mehr gefälschte Ware im Internet versteigert wird, appelliert Andraschko an nicht organisierte Sammler, sich im Verein aufklären und beraten zu lassen. "Man muss deshalb ja nicht gleich beitreten."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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