Hunde, Katzen und auch Menschen gefährdet 

Fuchsräude grassiert in Schnaitsee: "Gefahr noch nicht gebannt"  

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Schnaitsee - Vor sechs Wochen wurde der erste Fuchs auf einer Wildkamera registriert, der augenscheinlich unter Fuchsräude litt. "Inzwischen gehen wir davon aus, dass der tot ist", erklärt Hegeringleiter Christian Lackmeier und warnt gleichzeitig: "Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt."  

Fuchsräude ist eine Hauterkrankung, die durch Parasiten hervorgerufen wird und bei befallenen Tieren innerhalb weniger Monate zu einem qualvollen Tod führt. Erreger ist die Grabmilbe "Sarcoptes scabiei"

In den vergangenen sechs Wochen sind vor allem konzentriert in der Umgebung von Schnaitsee mehrere Füchse erkrankt, wie Christian Lackmeier, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Schnaitsee erklärt. Die heimischen Jäger hätten einige erkrankte Füchse erlegt und weitere auf Wildkameras festgestellt. 

Räude ist weder anzeige- noch meldepflichtig, was mitunter beim Veterinäramt zu Nachteilen führen kann, wie das Landratsamt Traunstein auf Nachfrage mitteilt: "Bei uns wurde bisher kein befallener Fuchs abgegeben. Daher haben wir keine Erkenntnisse über das Ausmaß akuten Befalls in der Region." 

Auch Hunde und Katzen gefährdet 

"Der Ausbruch der Fuchsräude ist - wie wohl auch jetzt - auf eine erhöhte Population zurückzuführen", betont Lackmeier. "Die Räudemilben verbreiten sich relativ schnell von Fuchs zu Fuchs. In den Griff bekommen wir das in der freien Wildbahn nur über die gezielte Reduzierung infizierter Tiere." Dabei dürften aktuell jedoch nur befallene Jungtiere geschossen werden, denn, so erläutert Lackmeier weiter, die Elterntiere würden in der Aufzuchtzeit geschont werden. 

Allgemein seien vor allem die "marderartigen Tiere" gefährdet, doch auch Hunde und Katzen blieben nicht verschont. "Nimmt ein wildernder Hund beispielsweise eine Spur auf und vergräbt seine Schnauze in einem Fuchsbau, kann er schnell mit den Milben in Berührung kommen. Erkennbar ist eine Ansteckung  an erhöhtem Juckreiz und vermehrtem Kratzen des Tieres. 

Von Räude befallenen Tieren fällt das Fell aus, die Parasiten zerstören die Haut und die Tiere leiden unter starkem Juckreiz. Der Juckreiz wird immer stärker, weil sich die weiblichen Milben in die Haut bohren um dort ihre Eier abzulegen, Exkremente hinterlassen und die Parasiten am Gewebe saugen. 

Von der Fuchsräude leite sich auch der häufig für Beschimpfungen umschreibende Begriff "räudiger Hund" ab, wie Werner Fröwis, Jagdsachbearbeiter der Wasserburger Polizei und Vorsitzender der Wasserburger Jäger, im Gespräch mit wasserburg24.de erklärt. 

Auch der Mensch kann Symptome bekommen 

Hunde können sich an jedem Ort infizieren, an dem sich ein krankes Tier aufhält. Befallene Tiere scheuern ihr Fell und wälzen sich, um die Milben loszuwerden, verbreiten diese dann auf Gras, an Baumstämmen, Balken oder Steinen. Die Scheuerplätze riechen nach Fuchs, deshalb ziehen sie Hunde an – und die Haustiere fangen sich so die Parasiten ein, die sich in Hundedecken oder Hundekörben einnisten. 

Die Wunden der Tiere infizieren sich leicht und ohne Behandlung bildet sich eine dicke Schorfkruste. Eitrige Wunden, Ekzeme und eine Blutvergiftung können die Folge sein. Die kranken Tiere fressen wenig, können kaum mehr schlafen und nehmen stark ab, werden immer schwächer. 

In dem Fall sollten Hundebesitzer den Tierarzt aufsuchen, der die Räude medikamentös behandeln können. Doch auch Menschen sind nicht gefeit vor einer Ansteckung. Vergleichbar ist das dann mit den Symptomen der Krätze

"Leidtragende sind die Wildtiere" 

Grundsätzlich legt Lackmeier gerade im Frühjahr und in der Brutzeit Hundehaltern nahe, ihre Tiere im Waldgebiet an der Leine zu führen. Diese Empfehlung kann auch Fröwis geben: "Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Hunde in der Brutzeit an der Leine geführt werden und auch so mancher Spaziergänger kann sich an die eigene Nase fassen, wenn er durch höhere frische Graswiesen marschiert. Die Leidtragenden sind nämlich am Ende immer die Wildtiere."  

Wie lange die Fuchsräude noch umgehen wird in Schnaitsee und Umgebung ist unklar. Das müsse man abwarten, erklärt der Vorstand der Schnaitseer Hegegemeinschaft abschließend. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Christof Janko)

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