Scherben bringen nichts als Ärger

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Josef Schisler und seine gesammelten Bälle. Eigentlich hat er dafür keinen Platz, möchte sie aber erst wieder herausgeben, wenn der Schaden an seinem Glashaus beglichen ist.

Waldkraiburg - Vor genau einem Jahr fiel ein Fußball vom städtischen Trainingsgelände am Jahnstadion auf das Glashaus in seinem Garten und beschädigte vier Scheiben.

Seitdem bemühte sich Josef Schisler vergeblich darum, dass der Schaden beglichen wird. Erst als er mit seinem Anliegen zur Zeitung ging, kam Bewegung in die Angelegenheit.

"Es kann doch nicht sein, dass wir auf diesem Schaden sitzen bleiben", sagt der 71-jährige Waldkraiburger, der seit den 90er-Jahren zusammen mit seiner Frau das Eigenheim in der Paul-Becker-Straße bewohnt. An ihrem Garten und vor allem am Gewächshaus, in dem sie Salat und Gemüse ziehen, haben die Eheleute ihre Freude. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass es immer mal wieder Scherben gab, wenn ein Schuss auf dem nahen Trainingsgelände daneben ging und das Glashaus traf.

Erstens kam das nur vereinzelt vor, weil die Stadt einen sechs Meter hohen Ballfangzaun zum Schutz errichtet hatte. Und zweitens wurde bis zum April 2011 der Schaden immer auf dem kurzen Dienstweg beglichen. Josef Schisler meldete sich bei der Stadt, beziehungswese beim städtischen Bau- und Betriebsservice. Manchmal sei ein städtischer Mitarbeiter vorbeigekommen, manchmal habe ein Glaser das Häuschen repariert und die Rechnung wurde durch die Stadt beglichen.

Vor einem Jahr war es damit vorbei. Schisler blieb auf seinem Kostenvoranschlag in Höhe von 413,06 Euro sitzen und musste zusehen, wie er ans Geld kam. Der zuständige Mitarbeiter der Stadtwerke GmbH, die für die Stadt die Grün- und Sportanlagen betreut, schloss die Bezahlung des Schadens aus und verwies ihn an die Sportvereine. Schisler wandte sich zuerst an den VfL, dann an Türkspor, den zweiten Fußballclub, der das Trainingsgelände nutzt und am Schadenstag tatsächlich trainiert hatte.

Doch die Hoffnung des Glashausbesitzers, die Haftpflicht des Sportvereins würde eintreten, wurde schnell enttäuscht. Ein Spieler, der den Schaden verursacht habe, sei nicht bekannt, wurde ihm schon im Juli in einem Schreiben der Versicherung mitgeteilt. Eigentümer des Sportgeländes sei die Stadt Waldkraiburg, der Verein nur Pächter. "Ihre Schadenersatzansprüche sind unbegründet." Eine Haftung des Vereins scheide aus.

Um die Fußballer wenigstens für die Zukunft zu disziplinieren, gab Schisler auf Empfehlung des Stadtwerke-Mitarbeiters die Bälle, die auf sein Grundstück flogen, nicht mehr heraus. Einige Male musste er sich deshalb von Kickern, die über den Zaun in den Garten stiegen, "dumm anreden lassen", wie er sagt. Schnell waren an die zehn Bälle beisammen. "Mir gehns im Weg rum", sagt er. Aber rausgeben will er sie erst, wenn der Schaden beglichen ist. Seitdem ist zwar nichts mehr passiert, seinem Ziel ist der 71-Jährige damit auch nicht näher gekommen.

Auf sein Recht kann sich der Waldkraiburger in dieser Angelegenheit offensichtlich nicht berufen. Mit Verweis auf die einschlägige Rechtssprechung stellt der Versicherer von Stadt und Stadtwerken im Januar nämlich noch einmal fest: Der Eigentümer des Sportgeländes habe nicht schuldhaft gehandelt, sondern mit dem sechs Meter hohen Fangzaun seine Verkehrssicherungspflicht "in völlig ausreichender Weise erfüllt". Der Anlieger habe deshalb keinen Anspruch auf Schadenersatz.

Dass am Ende er den "Schwarzen Peter" in der Hand behalten sollte, das wollte Schisler nicht in den Kopf, Gerichtsurteile hin, Versicherungsexperten her. Er sei braver Steuerzahler und ein guter Nachbar des Sportplatzes. "Wir wollen nicht dauernd hinterherlaufen und betteln müssen."

Stadtwerke kommen Anlieger entgegen

Von einem "rechtlichen Vakuum" spricht Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Weigl. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren "um des lieben Friedens willen bezahlt", obwohl sie - wie Weigl betont - nach der Rechtslage nicht dazu verpflichtet war. In einem Fall sei auch die private Haftpflicht eines Spielers eingetreten.

Wie Weigl weiter mitteilt, sei man bereit, kulanterweise die Kosten für den Schaden vom April 2011 zu erstatten. Allerdings knüpft er dies an eine Bedingung: Der Anlieger müsse weitere wirksame Schutzmaßnahmen für das Gewächshaus mittragen. Schon vor einigen Jahren habe ihm Bürgermeister Siegfried Klika vorgeschlagen, ein Netz anzubringen, um das Glashaus abzuschirmen. "Das wäre ein zumutbarer Aufwand", so Weigl. Stadtwerke, beziehungsweise Stadt seien dann auch bereit, sich an den Kosten des Netzes zu beteiligen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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