Von Schandfleck zu Schmuckkästchen

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2010 konnten die Stadtwerke den östlichen Flügel des Falkenrings beziehen. Bald ist auch die Sanierung des zweiten Flügels (Foto oben) fertig. Auf rund drei Millionen Euro belaufen sich die Kosten für die gesamte Maßnahme. Im Frühsommer soll das ganze Ensemble eingeweiht werden. In das ehemalige Pförtnerhäuschen (Foto unten), das mit dem Originalanstrich aus der Kriegszeit versehen wurde, wird ein kleines Museum eingerichtet.

Waldkraiburg - Die Sanierung des Falkenrings ist weit fortgeschritten. Das neue Jahr 2012 wird den Abschluss des Millionen-Projekts und die Einweihung der schmucken Anlage bringen.

Der Falkenring im Ortsteil Föhrenwinkel wird zukünftig von der Stadtwerke GmbH genutzt werden und wurde im Dritten Reich als Teil des sogenannten Frauenlagers erbaut. Deutsche und französische Arbeiterinnen, die zum Dienst im benachbarten Rüstungswerk der Deutschen Sprengchemie zwangsverpflichtet wurden, lebten in diesem Lager. Nach dem Krieg fanden sogenannte "Displaced Persons", durch Krieg und Zwangsherrschaft entwurzelte Menschen, hier vorübergehend eine Bleibe, Juden, Menschen aus Polen und der Ukraine.

Sanierung läuft seit 2008

In den Jahrzehnten danach kam das Ensemble immer mehr herunter und wurde zum Schandfleck des Ortsteils, der seit den 90er-Jahren durch verschiedene Maßnahmen aufgewertet wurde. 1996/97 renovierte die Stadt das sogenannte Saalgebäude. 2008 begannen dann die Arbeiten am Falkenring, die nun kurz vor der Vollendung stehen. Nur die Feininstallationen Sanitär und Elektro in dem vom Saalgebäude aus gesehen rechten, dem westlichen Flügel der Anlage sowie die Arbeiten an den Außenanlagen stehen laut Stadtwerke-Geschäftsführer noch aus.

Auf insgesamt drei Millionen Euro belaufen sich laut Weigl die Kosten für das Projekt. Der Rückbau der Außenanlage und die Beseitigung der alten Straße in Richtung Mühldorf seien in dieser Summe enthalten. Rund eine halbe Million Euro sind nach seinen Worten als Zuschüsse aus der Städtebauförderung geflossen. Den großen Rest haben die Stadtwerke finanziert.

Die GmbH ist es auch, die die insgesamt 1800 Quadratmeter Nutzfläche für Büros und Lagerräume belegt. Im linken Flügel, der bereits 2010 bezogen wurde, ist der Energievertrieb untergebracht, im rechten Flügel wird bald die Abteilung einziehen, die für das Netz, beziehungsweise die Hausanschlüsse zuständig ist.

Einziges Zugeständnis des Denkmalschutzes an die künftige Nutzung waren laut Weigl die beiden Glaseingänge an den Kopfbauten, die neu angebracht wurden. "Ansonsten durfte an den Außenfassaden so gut wie nichts verändert werden." Dies bezieht sich vor allem auf die Front zum Innenhof, wo Fenster und Dächer so blieben wie im Urzustand. Einen Eindruck vom Originalanstrich vermitteln die Pförtnerhäuschen an dem dem Saalgebäude gegenüberliegenden Ende der Anlage.

In einem dieser Häuschen wird ein kleines Museum eingerichtet, das an den Waldkraiburger "Weg der Geschichte" angebunden wird. Das Museum dokumentiert die Geschichte des Falkenrings und des gesamten Ensembles.

Über 30 Mitarbeiter der Stadtwerke werden in Zukunft in dem Gebäude, das auch großzügige Möglichkeiten für "eine sach- und fachgerechte Lagerung bietet," ihrer Arbeit nachgehen. "Ich frage mich auch, wie die Stadtwerke das vorher gemacht haben", lacht Norbert Weigl. Freilich ist der Energiedienstleister im vergangenen Jahrzehnt nach der Übernahme der Stromversorgung mit dem Ausbau der Fernwärme und dem Wechsel von Mitarbeitern der Stadtverwaltung zur GmbH stetig gewachsen. 130 Beschäftigte arbeiten neben dem Standort im Föhrenwinkel in den Sportanlagen, im Bauhof in der Geretsrieder Straße und in der Kläranlage.

Voraussichtlich im Frühsommer werden die letzten Arbeiten im Falkenring fertig sein. Eine Einweihungsfeier an Pfingsten hält Norbert Weigl für realistisch.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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