Rote Karte für Punkrock?

Waldkraiburg - Geht von Punkrockkonzerten eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung im weiten Umfeld der Schenkerhalle aus? Bürgermeister Klika und CSU-Fraktionsvorsitzender Sterr sehen dieses Problem.

Der Kreisjugendring betont dagegen, alle erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen und stellt sich hinter die jungen Veranstalter. Im Sozialgespräch der CSU-Stadtratsfraktion zu Jugendfragen sprach Horst Wethanner, Sozialpädagoge beim Kreisjugendring das kritische Thema an und löste damit eine Diskussion aus.

Mehrfach hatte Bürgermeister Siegfried Klika zuvor öffentlich erklärt, das Veranstaltungskonzept für die Schenkerhalle, die Jugendkulturhalle des Landkreises in der Braunauer Straße, auf den Prüfstand stellen zu wollen. Er sieht einen Zusammenhang zwischen "bestimmten Konzerten" und Sachbeschädigungen, etwa die Zerstörung von Waldkraiburger W-Skulpturen. "Da wurden Symbole der Stadt bewusst kaputt gemacht." Stadtrat Anton Sterr pflichtete ihm bei. Durch bestimmte Konzerte werde "ein Klientel nach Waldkraiburg gezogen, das wir in Waldkraiburg nicht haben wollen, zum Beispiel Punker". Sterr: "Bislang gab es keine Punkerszene in der Stadt." Wegen der Konzerte kommen laut Bürgermeister Klika zum Beispiel "ganze Gruppne aus dem Jugendzentrum in Dorfen rüber". Junge Ballbesucher im Haus der Kultur seien angepöbelt worden.

Eine "Punkerszene" in Waldkraiburg sieht Wethanner "auch heute nicht". Er warnt davor, alle Vorfälle an einer Gruppe festzumachen und Probleme stets der Schenkerhalle zuzuordnen.

Wie Waldkraiburgs Polizeichef Georg Marchner auf Anfrage mitteilt, sind bisher nur sehr wenige Vorfälle polizeilich aktenkundig. Auch nach seinen Informationen kommen Punkgruppen von außerhalb zu diesen Veranstaltungen. Marchner will "nicht alle Punker kriminalisieren". Auffällig sei aber ein zeitlicher Zusammenhang, etwa zwischen der Beschädigung der W‘s und einem Punkkonzert. Eine Täterschaft bewiesen ist nicht.

Kreisjugendring stellt sich hinter die jungen Veranstalter

Der Kreisjugendring tue alles, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, betonnen Wethanner und KJR-Geschäftsführerin Anita Schirmer. Es gebe ein System zur Einhaltung des Jugendschutzes. "Wir schauen uns die Jugendlichen und ihr Veranstaltungskonzept an", so Schirmer. "Sogar Musikproben lassen wir uns schicken und prüfen Texte", erklärte Wethanner.

Bei jedem Konzert seien neben einem professionellen Sicherheitsdienst weitere Ordner des Veranstalters im Einsatz. Deren Arm reicht allerdings nur bis zur Grenze des Geländes. Alles was außerhalb passiert, können sie nicht unterbinden. "Wir können nicht das ganze Stadtgebiet abdecken", so Wethanner. Wenn es Probleme gebe, werden sie "der Schenkerhalle zugeordnet. Wir sind ständig in Erklärungsnotstand." Dabei seien aus der Nachbarschaft zuletzt keine Beschwerden mehr beim Kreisjugendring eingegangen.

"In der Jugendarbeit läuft nicht alles rund." Doch beim weit überwiegenden Teil der Veranstaltungen passiere nichts, betonen Schirmer und Wethanner. Der Kreisjugendring stellt sich hinter die Veranstalter der Konzerte, die "sich bemühen, die Vorgaben einzuhalten und nichts dafür können, wenn trotzdem im Umfeld etwas passiert. Da ist es doch ein Unding, ihnen zu sagen: Ihr dürft nicht mehr rein."

Ausdrücklich bedankten sich die Kreisjugendring-Vertreter für die Unterstützung der Stadt, ohne die ein Betrieb der Halle nicht möglich wäre. Der KJR ist bereit, im Gespräch mit der Stadt das Konzept zu überprüfen. Zuletzt wurde nicht nur auf Musikveranstaltungen, sondern ebenso auf andere Veranstaltungsformen wie Workshops und Ausstellungen gesetzt. Auch Punkrock habe einen Raum in der Jugendszene, meint Horst Wethanner und wirbt dafür, "dass wir mit Geduld und Verständnis rechnen dürfen".

Diese Geduld habe Grenzen, sagte Stadtrat Sterr. "Wir brauchen kein Punk-Musik in der Schenkerhalle." Bürgermeister Klika sieht nur zwei Möglichkeiten: Entweder die "massive Ordnungsdienstpräsenz nicht nur in der Halle, sondern drum herum" oder die Streichung der Konzerte. Andernfalls sinke in der Nachbarschaft die Akzeptanz für die Jugendkulturhalle insgesamt, befürchtet er.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © dpa

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