Realschule: Neuer Vorschlag der Stadt

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In einem mehrjährigen Stufenplan sollen Klassen der Liszt-Mittelschule in die Diesel-Mittelschule ausgelagert und damit Klassenräume für die benachbarte Realschule frei werden. Der Vorschlag der Stda läuft auf eine Zusammenlöegung der beiden Mittelschulen und Auflösung der Liszt-Schule und die Gründung einer eigenständigen zweiten Realschule in Waldkraiburg hinaus. Lisut-Schule und Schulamt sprechen sich aus pädagogischen und organisatorischen Gründen gegen diese Variante aus.

Waldkraiburg - Um den teueren Neubau einer Realschule im Landkreis zu vermeiden, schlägt die Stadt jetzt eine kostengünstigere Alternative vor:

die schrittweise Auslagerung von Realschul-Klassen in die benachbarte Liszt-Mittelschule, bis hin zur Auflösung dieser Mittelschule und Gründung einer eigenständigen Realschule. Liszt-Schulleiter Klaus Neßler und Schulamtsdirektor Paul Schönstetter sprechen sich aus pädagogischen und organisatorischen Gründen allerdings gegen diese Variante aus.

Bürgermeister Siegfried Klika spricht von einem "Alternativ-Vorschlag" mit dem sich die Stadt "am laufenden Bieterverfahren" des Landkreises beteilige. Wie bereits berichtet, sind vier Kommunen im Landkreis als mögliche Standorte für einen Neubau im Gespräch: Mühldorf (siehe auch Bericht auf Seite 17), Neumarkt-St. Veit, Ampfing und Buchbach.

Klika: Deutlich günstiger als Neubau

Im Gegensatz zu allen anderen Varianten könnte Waldkraiburg laut Klika mit seinem Konzept "ab sofort" vier bislang von der Volkshochschule belegte Räume in der Liszt-Mittelschule zur Verfügung stellen, um die Raumnot an der Realschule zu lindern. Und: "Wir werden in den nächsten Jahren weitere freie Räume anbieten können." Dies soll durch eine schrittweise Verlagerung von Schulklassen von der Liszt- in die Diesel-Mittelschule geschehen. Eine Neubau-Lösung würde die Raum-Situation dagegen erst in drei Jahren entspannen, so Klika.

Am Ende des mehrjährigen Stufenplans stünde die Auflösung der Mittelschule an der Liszt-Straße und die Gründung einer eigenständigen dreizügigen zweiten Realschule in Waldkraiburg. Derzeit ermittle die Stadt die dafür notwendigen Funktionsräume, auch eine Erweiterungsmöglichkeit sieht das Konzept laut Klika vor. Die Stadt bietet dem Landkreis an, das Schulgebäude zu übernehmen, anzumieten oder zu pachten.

Weitere Details zu dem Stufenplan wollte Klika noch nicht nennen. Er verweist auf die Sondersitzung des Stadtrates zum Thema Realschule in der nächsten Woche. Im Kreisausschuss wird am 5. Juli über die Alternativen beraten.

"Wir sind der Überzeugung: Dieser Stufenplan ist machbar", so Klika, der allerdings einräumt, dass dazu die Klassenstärke in der Mittelschule erhöht werden müsste und Klassen der 5. und 6. Jahrgangsstufen in Schulgebäude in Nachbargemeinden ausgelagert werden müssten.

Der Neubau einer Realschule komme den "am höchsten verschuldeten Landkreis im Freistaat auf 20 bis 30 Millionen Euro", so Waldkraiburgs Bürgermeister. Über die Kreisumlage sei allein die Stadt Waldkraiburg mit "mindestens vier Millionen Euro" dabei, fürchtet er. Die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt wären fatal, Waldkraiburg würde weiteren finanziellen Spielraum verlieren, "auch Potenzial für Maßnahmen an anderen Schulen". Ein Effekt, der über die Erhöhung der Kreisumlage auch andere Gemeinden treffen würde. Eine Entscheidung für einen Neubau zum jetzigen Zeitpunkt kann er angesichts eines prognostizierten Rückgangs der Schülerzahlen schon in einigen Jahren nicht nachvollziehen.

Das Waldkraiburger Modell habe den großen Vorteil, noch einmal drei Jahre zu überbrücken. Dann stelle sich klar heraus, wo es in Zukunft schulpolitisch, etwa im Hinblick auf die Zukunft der Mittelschule, und im Hinblick auf die Schülerzahlen hingeht. In dieser Situation, einen Neubau zu finanzieren, "während in Waldkraiburg in einigen Jahren bestehende Schulräume leer stehen", lehnt der Bürgermeister ab.

Verständnis für die schwierige Finanzsituation der Kommunen äußert Klaus Neßler, Leiter der Liszt-Mittelschule. Der Vorschlag der Stadt ist nach seiner Einschätzung aber nicht realisierbar. Er beruhe auf einem "Gedankenspiel" des Schulgutachtens des Landkreises, das in diesem Gutachten nicht durchgerechnet ist. Es gebe dafür "keine gefestigten Zahlen".

Neßler verweist dagegen auf die aktuelle Fünf-Jahresstatistik der beiden Mittelschulen, die bis 2017 keine Reduzierung der Schülerzahlen ausweise. Die Zahl der Mittelschüler bleibe bei "mindestens 600".

So viele Schüler wurden schon einmal an der Dieselstraße unterrichtet. Damals, so der Einwand Neßlers, gab es keine Ganztagesklassen, keine Praxisklassen oder Ganztagesintensivklassen, für die deutlich mehr Räume notwendig sind. Und der Bedarf an Ganztagesklassen werde allen Prognosen nach noch steigen, aufgrund der Bevölkerungsstruktur besonders in Waldkraiburg. Für eine Zusammenlegung fehlen Fachräume und Klassenräume. Neßlers Fazit: "Die Mittelschule an der Dieselstraße ist für eine Zusammenlegung zu klein ausgelegt."

Der Schulleiter betont, dass es an der Kooperationsbereitschaft seiner Schule nicht fehle. Sechs mögliche Klassenzimmer habe die Schule bei einer Begehung mit Vertretern der Realschule, des Landratsamtes und Schulamtes für das Schuljahr 2012/13 für die Realschule in Aussicht gestellt. Die Realschule habe dieses Angebot aus organisatorischen Gründen abgelehnt (siehe auch neben stehenden Artikel)

Kritisch zu dem Vorschlag der Stadt äußert sich auch Schulamtsdirektor Paul Schönstetter, der nicht von der Stadt, sondern von der Schulleitung darüber informiert wurde. Eine prosperierende Mittelschule mit einem hochwertigen Angebot werde damit in Frage gestellt. Er sehe angesichts der Zahlen keine Möglichkeit, die Schule aufzulösen. Räumlichkeiten und Infrastruktur reichen dafür nicht aus, verweist auch er auf den veränderten Bedarf durch die Ganztagesangebote.

Eine Rückkehr zu Strukturen der Teilhauptschule lehnt er ab. Die Teilhauptschulen seien aus pädagogischen Gründen aufgelöst worden, auf Anordnung des Kultusministeriums. Die Einheit der Mittelschule sei Voraussetzung für ihr differenziertes und profiliertes Angebot. Eine Rückauslagerung von Mittelschulklassen nach Aschau, Kraiburg und Jettenbach sei nach seiner Kenntnis nicht möglich, so Schönstetter.

Eine Zusammenlegung der Mittelschule führe unweigerlich zu einer "erheblichen Erhöhung" der durchschnittlichen Klassenstärke, schränke individuelle Fördermöglichkeiten einzelner Schüler ein und verschlechtert das Klima an der Schule, warnt Klaus Neßler. Mit dem Vorschlag der Stadt "wäre das Problem nur verschoben. Wir haben dann eine zweite Realschule, aber drüben in der Dieselstraße eine Brenpunktschule, die aus allen Nähten platzt."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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