Rauchverbot: Hygienischer und weniger Umsatz

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In der Gastronomie darf seit einem knappen Jahr nicht mehr geraucht werden. Das Rauchverbot traf die Speiselokale kaum, das berichten auch Wirte der Umgebung. Den traditionellen Raucherlokalen, etwa Eckkneipen und Keglergaststätten, hat die qualmfreie Luft Umsatzeinbußen beschert. Wirtin Manuela Lehmann aus Föhrenwinkel fordert ihre Berufskollegen auf, auf die Barrikaden zu gehen.

Waldkraiburg/Landkreis - Knapp ein Jahr nach der Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie wird immer noch diskutiert. Besonders hart getroffen hat die Regelung kleine Kneipen und Bars.

"Die Steuern, die Pacht und die Personalkosten bleiben. Was nicht bleibt, ist der Gast", sagt Manuela Lehmann vom Gasthaus Föhrenwinkel. Das Rauchverbot hat das kleine Lokal hart getroffen. Es wäre an der Zeit, dass die Regierung den Wirten entgegenkommt, findet Lehmann.

Knapp ein Jahr nach der Einführung des absoluten Rauchverbotes in der Gastronomie sorgt das Thema noch immer für Diskussionen. Hart getroffen hat die Regelung kleine Kneipen und Bars, Speiselokale dagegen beklagen kaum Umsatzeinbußen.

Die Angaben zur Situation der Gastronomie in Bayern ein Jahr nach der Einführung des absoluten Rauchverbotes könnten unterschiedlicher nicht sein, sagte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in einer Pressemeldung Ende Juli.

Das Ausgehverhalten der Bevölkerung habe sich verändert - diesen Trend zeigen die Umfrageergebnisse des Münchner Meinungsforschungsinstitutes MIFM, das vom Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur beauftragt wurde. Die Ergebnisse wurden kürzlich in München vorgestellt.

In der bayernweiten Umfrage wurden zwischen März und Juli 1076 Personen ab 18 Jahren befragt. Am meisten war die Altersgruppe bis 30 Jahre vertreten. 66 Prozent der Befragten gaben an, seit dem Rauchverbot seltener in Lokalen zu verkehren. Nur acht Prozent gehen heute häufiger in die Kneipe.

"Regierung muss den Wirten entgegenkommen"

Durch die Umfrage sei es gelungen eine Spezifikation vorzunehmen. Die kleine Eckkneipe, Landgasthöfe und Bierbeisl, die "Wohnzimmer des kleinen Mannes", erleben die Auswirkungen des Rauchverbotes völlig anders als Speise- und Systemgastronomie.

"Klowasser" für Frankenberger

Dies bestätigt auch eine nicht repräsentative Umfrage unter Wirten von Waldkraiburg und den Nachbarorten.

Klare Worte findet Manuela Lehmann vom Gasthaus Föhrenwinkel. Dort werden oft Kartenspielturniere ausgetragen. "Man merkt es beim Schafkopfen. Das Rauchen gehörte hier einfach dazu. Jetzt ist das Spiel nicht mehr, was es mal war, die Gemütlichkeit bleibt auf der Strecke." Und so sehen es auch die Gäste - und bleiben zum Teil weg oder gehen früher heim.

Im Sommer sitzen die Raucher im Biergarten, im Winter werden sie in die Kälte rausgezwungen und werden krank, so Lehmann.

Für Sebastian Frankenberger, der das rigide Qualmverbot angestoßen hatte, würde sie einen "Kübel Klowasser" bereitstellen. Sie findet es eine "Frechheit", dass die Regierung das Verbot beschließe und den Wirten nicht anderweitig entgegenkomme, etwa mit Steuervergünstigungen. Das Rauchverbot stinkt ihr. "Die Nichtraucher gehen auch nicht hin und sagen: Jetzt müssen wir aber dem Wirt helfen", erzürnt sie sich. Die Gastronomen sollten auf die Barrikaden gehen.

Einen Umsatzrückgang von 30 Prozent muss Harry Zappe von der Keglergaststätte in Waldkraiburg verkraften. Er war einer der ersten, der für die Raucher einen Pavillon draußen bauen ließ. Allerdings bleiben ihm seit dem 1. August 2010 die Stammgäste weg. "Abends sperr' ich manchmal um halb acht zu, weil nix mehr los ist". Existenzbedrohend, für all jene, die Personal bezahlen müssen, so Zappe. "Aber wenn ich auch noch das Handtuch schmeiße, gibt es bald keinen Wirt mehr in der Stadt."

Auch er fordert: Die Politik muss der Gastronomie bei den Steuern entgegenkommen. Er verweist auf das Nachbarland Österreich, wo die Gastronomie nur zehn Prozent Mehrwertsteuer abführen muss - statt hierzulande 19 Prozent. Die "milde Lösung" mit Raucherzimmer vor dem Volksentscheid habe ihm gefallen. Auch er wird mit Frankenberger nicht die Friedenspfeife rauchen.

Speiselokale: "Kein großes Problem"

"Kein großes Problem" sei das Rauchverbot dagegen für das Gasthaus Wuhrmühle in Kraiburg, bestätigt Betreiberin Karin Pfandlbauer auf Anfrage. Es handelt sich um ein Speiselokal - dort seien die meisten Raucher zum Qualmen auch vor dem strikten Verbot schon vor die Türe gegangen. Etwa ein Drittel der Gäste habe sich seit dem Rauchverbot beschwert. Die Weintrinker, die abends zu ihrem Glas "Eine rauchen" wollten, blieben allerdings aus. Das Ausgehverhalten habe sich verändert. Unter der Woche blieben die Leute eher daheim.

Auch ihr Wunsch an die Politik: "Steuern senken, damit ich wieder Leute anstellen kann." Sie kaufe Waren mit sieben Prozent ein und müsse mit 19 Prozent versteuern. "Mit welcher Berechtigung?"

"Alles hundert Prozent in Ordnung" ist in der Bahnhofgaststätte in Jettenbach. Chefin Maria Grasser berichtet, ihre Gäste begrüßen das rauchfreie Lokal. Die Raucher bekamen draußen einen Pavillon. Die Luft im Lokal sei besser, alles sei dadurch hygienischer.

Allerdings habe sie die Kartenspieler als Gäste verloren. Dennoch: Die Umsatzeinbußen halten sich in ihrem Gasthaus in Grenzen.

Nicht gut angekommen ist das Rauchverbot beim Gasthaus Maier in Gallenbach. Einige der Stammgäste blieben ganz weg, erzählt Rosmarie Maier. Allerdings halten sich die Umsatzeinbußen noch in Grenzen.

20 Prozent weniger Umsatz hat Monika Moser vom Bistro "Chablis" in Waldkraiburg. "Viele beschwerten sich, aber langsam gewöhnen sich die Leute daran", so die Betreiberin. Gäste, die ausblieben, kämen zwar wieder, blieben aber nicht mehr so lange.

"Gäste genießen es, nicht nach Rauch zu stinken"

"Überhaupt keine negativen Auswirkungen" hat das Rauchverbot für das Bräustüberl in Aschau. Pächterin Sabine Ametsbichler habe es vor drei Jahren bereits rauchfrei übernommen. "Die Resonanz ist positiv. Die Leute finden es schön, in der Gaststube zu sitzen und nicht nach Zigarettenrauch zu stinken."

Das Sudpfandl Aschau reagierte sofort mit einem übderdachten Unterstand mit Heizpilzen, als klar war, dass Rauchen nur noch draußen erlaubt sein werde. Betreiber Andreas Winterer habe dadurch keine Besucherrückgänge gehabt.

"Wegen des Rauchverbotes wird nicht weniger getrunken." Allerdings sei es schwierig die Stimmung in der Bar zu halten, weil die Raucher in Gruppen raus- oder reinpilgern. Und es gab mehrmals Probleme mit Anwohnern wegen Ruhestörungen - weil sich die vielen Raucher im Freien unterhielten.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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