Auf dem Radl ging es wieder bergauf

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So kennt ihn jeder in und um Waldkraiburg: Anton Fellermeier auf seinem Dreirad, mit dem der 66-Jährige, der vor sieben Jahren einen Schlaganfall erlitt, sein ganz persönliches Therapieprogramm bestreitet und - fast nebenbei - in den letzten eineinhalb Jahren über 17000 Kilometer zurücklegte.

Waldkraiburg - Jeder kennt ihn, den fröhlichen Radfahrer mit Hut. Täglich dreht Anton Fellermeier mit dem Dreirad seine Runden im Stadtgebiet und legt zwischendrin mal eine Pause in einem Café ein.

Wie ein festes Ritual ist das schon - und der Schwerpunkt seines ganz persönlichen Therapieprogramms. Der 66-Jährige erlitt vor sieben Jahren einen Schlaganfall.

Es geschah in Krefeld. Der Fernfahrer Anton Fellermeier war dort wie so oft mit einer Ladung Gemüse unterwegs. Und weil er plötzlich spürte, dass ihn die Kraft verlässt, ging er in ein Lokal, um sich dort auszuruhen. Die Wirtin, eine alte Bekannte, merkte sofort, dass etwas nicht in Ordnung war und alarmierte die Rettung. Wenig später spürte Anton Fellermeier ein unangenehmes Ziehen in seinem Körper. Der Notarzt brachte ihn in ein Krankenhaus. Die Diagnose: Schlaganfall.

Schockierende Nachricht

Für den lebenslustigen Waldkraiburger war das eine schockierende Nachricht. "Es war anfangs sehr schwer, nicht mehr Fernfahrer sein zu können. Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen und mit der Zeit damit abgefunden."

Auch in seinem Privatleben musste der heute 66-Jährige Umstellungen vornehmen. Durch die Lähmung der rechten Körperhälfte hat sich seine Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt. "Ich musste als Rechtshänder erst lernen, mit der linken Hand leserlich zu schreiben, was natürlich anfangs sehr anstrengend war."

Wenn er heute ein Bad nehmen möchte, ist er auf technische Unterstützung durch einen Lift angewiesen. Dort kann er sich hinsetzen und problemlos in die Badewanne heben lassen. Eine ähnliche Vorrichtung erlaubt es ihm, sich in sein Bett zu legen und morgens aufzustehen.

Seine positive Lebenseinstellung und seinen Humor hat Anton Fellermeier trotz alledem nie verloren. Zwar sei es ihm in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall mental nicht so gut gegangen, erzählt er. Doch er hat stets nach vorne geschaut: "Man darf den Lebensmut auf keinen Fall verlieren. Ich hatte immer die Hoffnung, dass es mir körperlich wieder besser gehen wird. Und mit kleinen Schritten geht es vorwärts."

Eine große Stütze beim Bewältigen des Alltags ist seine Frau Rosemarie. Sie ermutigt ihren Mann, weiter aktiv zu sein und fährt ihn mit dem Auto zu Terminen oder Ausflügen.

"Erste Fahrt war eine einzige Katastrophe"

Doch viel lieber, als im Auto mitzufahren, fährt Anton Fellermeier selbst. Auf seinem Dreirad dreht er große Runden. Gleich nach der Entlassung aus der Reha hatte er angefangen, kleine Fußmärsche zu machen und dabei langsam immer längere Strecken zurückzulegen. Bis ihm seine Physiotherapeutin schließlich riet, sich doch ein Fahrrad mit drei Rädern zuzulegen. "Du spinnst ja! Da komm ich doch in alle Zeitungen, wenn ich mit einem Dreirad in Waldkraiburg spazieren fahre!", hatte er ihr damals gesagt.

Doch er konnte sich dazu durchringen und kaufte sich ein solch spezielles Rad mit drei Gängen. Heute erinnert sich Fellermeier noch ganz genau an seine erste Fahrt mit dem Dreirad. "Es war eine einzige Katastrophe. Ich bin kaum vorwärts gekommen und wollte das Rad gleich wieder zurückbringen."

Doch er kam mit der Zeit immer besser mit dem Gefährt zurecht. Und vor eineinhalb Jahren beschloss er, sich ein neues Dreirad mit sieben Gängen zu kaufen. Es ist ausgestattet mit einer Halterung für den rechten Fuß. Die Gangschaltung wurde extra von der rechten auf die linke Seite umgebaut. Ein Rückspiegel sowie ein großer Gepäckträger komplettieren das ungewöhnliche Fahrrad.

Über 17.000 Kilometer in eineinhalb Jahren

"Ich fahre täglich, auch bei Wind und Wetter. An guten Tagen schaffe ich bis zu 50 Kilometer", erzählt der 66-Jährige. Für den Notfall hat er immer ein Mobiltelefon dabei, um bei einem Sturz Hilfe rufen zu können. Aber das war bislang noch nie notwendig. Entweder konnte er aus eigener Kraft wieder aufstehen oder Passanten halfen ihm. Stolz ist er auf den Kilometerstand, den sein Tacho anzeigt: 17500. So weit ist er allein in den letzten 18 Monaten gefahren. Anton Fellermeier macht damit seinem Motto alle Ehre. "Eisern bleiben, immer weiter machen und bloß nicht einrosten."

reg

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