Quelle-Shop: Bald ist Rabattschlacht

+
Nach fast 30 Jahren muss Hans Hofer seinen Quelle-Shop schließen und räumt das Schild "Es geht weiter" schon mal weg. Er hofft, den Laden bis Mitte Dezember noch offen halten zu können.

Waldkraiburg (WN) - "Wo soll ich jetzt meine Kleidung kaufen?", fragt Erika Matasaro. Die 76-Jährige ist seit 20 Jahren Quelle-Kundin und wird von Shop-Inhaber Hans Hofer betreut.

Bald wird es den Namen "Quelle" nicht mehr geben und damit verschwindet auch der Versandhaus-Laden von Hofer - nach fast 30 Jahren. Erika Matasaro ist bestürzt. Seit 20 Jahren bestellt sie fast nur im Quelle-Katalog. Meist sind es Kleider, die sie bestellt, aber auch Elektrogeräte, wie eine Waschmaschine. "Unsere ganze Familie war immer sehr zufrieden und wir bedauern es sehr, dass es Quelle nicht mehr geben soll", so die ältere Dame, die immer mit ihrem Gehwagen in den Quelle-Shop von Hans Hofer kommt.

Sie mochte einfach die Mode für "reife Frauen", wie sie sagt, die andere Versandhäuser in ihren Augen nicht böten. Aber vor allem tun ihr die Angestellten des Konzerns leid, die bald auf der Straße stehen. "Was macht Deutschland eigentlich", fragt sie, "es wird hier immer schlimmer."

Hans Hofer schaltet sich ins Gespräch ein. Er betreibt den Quelle-Shop in Waldkraiburg seit fast 30 Jahren und jetzt soll alles aus sein. "Ich muss zumachen, wie alle anderen Shops auch", sagt der 62-Jährige und betont dabei das Müssen. Von Wollen könne keine Rede sein. Er habe immer hinter dem Versandhaus gestanden, sich mit Quelle identifiziert. "Ich bin traurig", sagt er. Allerdings sei das Geschäft in den vergangenen Jahren nicht mehr so rund gelaufen. In den letzten anderthalb Jahren musste er privates Geld ins Geschäft einbringen. "Ich habe draufgezahlt, um das Geschäft über Wasser zu halten, in der Hoffnung, dass ein neuer Investor kommt und neuen Schwung mitbringt." Dass Quelle nun total liquidiert wird, komme für Hofer total überraschend. Er sei bis zuletzt davon ausgegangen, dass es im Konzern irgendwie weiter gehe. "Und nun wird der Name Quelle komplett aus der Wirtschaftslandschaft verschwinden", resümiert er.

In seiner Ursachenforschung sieht er auch, dass Discounter eine Rolle spielen. Aldi und Co. böten neben Lebensmitteln eben auch vermehrt Toaster, Kaffeemaschinen und andere Dinge des täglichen Gebrauchs an, Dinge, die die Hausfrau dann nicht mehr extra bei Quelle bestellen muss. Wie es jetzt weiter geht, weiß er noch nicht. Er denkt darüber nach, einen Katalogshop für Otto und Neckermann zu führen, was allerdings nur für einen 400-Euro-Job reiche. Die Waren in seinem Shop wird er in den nächsten Wochen "billig verscherbeln müssen" und kündigt stark reduzierte Preise an.

Bestellungen kann er aber immer noch annehmen, die Lagerhallen im Versandzentrum in Leipzig seien noch proppevoll. Hans Hofer hofft, dass er nicht vor Mitte Dezember zumachen muss.

Auch Mathilde Knoll ist traurig über diese Entwicklungen. Seit sieben Jahren kauft sie bei Quelle - von der Waschmaschine über den Kühlschrank bis hin zum Fernseher. Und immer sei sie zufrieden gewesen. Jetzt hat sie einen Garantiefall. Eine kleine Stereoanlage ist kaputt, Hans Hofer wird sie für sie einschicken. "Ich hoffe, dass sie mir noch repariert wird", sagt die 56-jährige Waldkraiburgerin. Wie es mit Garantie und Gewährleistung nach der Abwicklung im Dezember aussieht, weiß Hofer nicht. Aber immerhin hätten die Kunden eine Herstellergarantie und außerdem seien die Quelle-Geräte so gut, dass es kaum Garantiefälle gebe.

Zwei junge Burschen kommen in den Laden und fragen nach einem Praktikum. Hofer rät ihnen, die Wirtschaftsnachrichten zu verfolgen und erklärt, dass er den Shop schließen muss. Sie machen große Augen und gehen mit hängenden Schultern. Praktikanten hat der 62-Jährige immer gern genommen. Doch damit ist jetzt auch Schluss.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Lesen Sie hierzu auch:

Quelle: Wie geht es weiter mit Privileg?

Das müssen Quelle-Kunden jetzt beachten

Merkel: Arbeitsagentur prüft Hilfen für Quelle-Mitarbeiter

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser