Altarstein mit Reliquien gefunden

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Freuen sich über den erstaunlichen Fund des Altarsteins mit Reliquien der heiligen Felizitas und des heiligen Vitalis: Stadtarchivar Konrad Kern (links) und Kirchenpfleger von Pürten, Done Brunnhuber. Der Marmorstein kam bei den Renovierungsarbeiten im alten Pfarrhof zum Vorschein.

Waldkraiburg - Der alte Pfarrhof in Pürten sollte nach seiner Renovierung ein Schmuckkästchen werden. Er entpuppte sich aber auch als solches: Wahre Schätze sind dort aufgetaucht.

Dass der alte Pfarrhof in Pürten nach seiner Renovierung ein richtiges Schmuckkästchen wird, daran zweifelt Kirchenpfleger Done Brunnhuber nicht. Dass im Zuge der Entkernung nun wahre Schätze aufgetaucht sind, erstaunt nicht nur ihn. Es geht um einen Altarstein mit Reliquien der Heiligen Felizitas und ihre Sohnes Vitalis aus dem Jahr 1782 sowie eine Wandskizze aus dem Jahr 1690. Bedeutsame Funde, auch für Stadtarchivar Konrad Kern.

Die Hausinger Dorfgemeinschaft hat kräftig mit angepackt bei den Entkernungsarbeiten im alten Pfarrhof. Die Burschen halfen dabei, die Böden rauszureißen und plötzlich lag ein Altarstein aus Marmor auf einem Fensterbrett. Keiner der Helfer weiß nun mehr, wo der 40 mal 40 Zentimeter große Stein ursprünglich lag. Zumindest nicht auf dem Fensterbrett, denn das wäre Kirchenpfleger Done Brunnhuber, der den alten Pfarrhof wie seine Westentasche kennt, doch aufgefallen. Oder Stadtarchivar Konrad Kern, der sich vor allem in den 90er Jahren viel dort aufhielt, um Archivalien zu sichern.

Es bleibt also ein Rätsel, wo er lag. Ein anderes Rätsel wird aber gelöst, denn in einer Vertiefung auf der Unterseite des Steins ist ein Kästchen verborgen, das Reliquien der heiligen Felizitas und ihres Sohnes, des heiligen Vitalis enthält und auch eines Benedicts sowie Weihrauchstückchen.

1960 wurde der Seitenaltar, der sich in der Pürtner Kirche an der südlichen Chorwand befand, an die Kirchenverwaltung Fischbach bei Bad Tölz verkauft.

"Ein sehr spannender Fund", so Konrad Kern. Jetzt wisse man, wann der Seitenaltar, der einst an der südlichen Chorwand der Pürtner Pfarrkirche stand, errichtet und geweiht wurde: 9. April 1782. Bislang kannte man nur das Datum des Verkaufs. 1960 erwarb die Kirchenverwaltung Fischbach bei Bad Tölz den Barock-Altar, der zum Hochaltar der Filialkirche St. Johannes Baptist umgebaut wurde. Wer der Künstler war, der ihn erbaut hat, ist unklar. Kern vermutet aber Johann Philipp Wagner als Urheber.

Als Quelle für die neue Erkenntnis des Baujahres dienen kleine Zettel aus geschöpftem Büttenpapier, die Propst Franz III. Xaver Berchtold in dem Altarstein platziert hat. Und darin befinden sich in Watte gebettet winzig kleine Knochen der beiden Heiligen, die einst auch in Au am Inn verehrt wurden. Erst im späten Mittelalter hat man dort das Patronat von Mariä Himmelfahrt angenommen, so Kern.

In der katholischen Kirche sei es laut Kern Usus, Reliquien von Heiligen in den Unterbau eines zu weihenden Altars einzubringen. Das sei zurückzuführen auf die Urkirche in Rom. Die Märtyrer wurden damals in Katakomben beigesetzt. "An ihrem Totengedenktag hat man einen Altar über den Gebeinen errichtet und einen Gottesdienst zum Andenken gefeiert", erklärt der Stadtarchivar. Später, nachdem das Christentum frei wurde und Pest und Malaria herrschten, traute man sich in die Katakomben nicht mehr hinunter und holte die Gebeine in die Kirchen, wo über ihnen die Altäre errichtet wurden.

Hinter einem vollgestellten Regal im Dachboden des alten Pfarrhofes kam diese Wandskizze zum Vorschein. Der unbekannte Maler hat sie mit "1620" datiert.

Felizitas und ihre sieben Söhne werden aber nicht erst seit 1782 in der Wallfahrtskirche Pürten verehrt, wie der nördliche Seitenaltar aus dem Jahr 1688 beweist: die acht Märtyrer sind figürlich mit ihren Marterwerkzeugen dargestellt. Sehr erstaunlich sei, dass in der relativ kleinen Pürtner Kirche einst mindestens sieben Altäre standen. "Allein das ist ein Indiz, dass in der Barockzeit die Wallfahrt hier geblüht hat und die Auer Chorherren nichts unversucht ließen, diese Kirche auszuschmücken", so Kern.

Leider weiß man aus der Barock- und Rokokozeit der Kirche heute wenig, bedauert der Stadtarchivar, denn viele Unterlagen und Rechnungen sind verloren gegangen - vermutlich bei der Säkularisation 1803.

Ein weiterer Fund im alten Pfarrhof beschäftigt Kern und Brunnhuber: Auf dem Dachboden kam hinter einem Regal eine Wandskizze zum Vorschein, die der unbekannte Maler mit der Jahreszahl 1620 datiert hat. Darauf ist eine Frau zu sehen, die ein Kreuz trägt und möglicherweise Vorbild für das Alta-Gemälde in der Kirche von 1716 war. Die Skizze wird im Zuge der Renovierung konserviert. Was mit dem Altarstein passieren soll, ist noch unklar. Done Brunnhuber hat den interessanten Fund dem Ordinariat gemeldet.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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