Probleme mit dem Datenschutz

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Waldkraiburg/Aschau - Seit mehr als 20 Jahren machen sich Christen aus dem Pfarrverband Waldkraiburg auf den Weg, um Kranke zu besuchen. Ein wertvoller Dienst, der immer schwieriger wird - aus datenschutzrechtlichen Gründen.

"Früher war's einfach", sagt Christine Schäffer, eine der Leiterinnen des Krankenbesuchsdienstes in Waldkraiburg. Früher habe sie im Krankenhaus in Mühldorf angerufen und problemlos erfahren, ob Patienten aus Waldkraiburg aufgenommen wurden. Vor Ort wurden den Besucherinnen, die alle zwei Wochen in die Klinik kommen, dann die Namen der Patienten mitgeteilt. Seit Ende vergangenen Jahres ist es damit vorbei.

Jede Woche seien die Namen gemeldet worden. Das habe gut funktioniert, pflichtet Norbert Vollmeyer bei. Er macht seit einigen Jahren in Aschau die Krankenbesuche im Namen der Pfarrei und weiß nicht, wie es damit weitergeht.

Denn aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen die Krankenhäuser Patientennamen nicht mehr ohne ausdrückliche Erlaubnis der Betroffenen herausgeben, auch nicht an die Kirchen. "Wir haben keine andere Wahl", stellt Heiner Kelbl, Geschäftsführer der Kreiskliniken, klar. Patienten müssen explizit einwilligen und den Wunsch nach einem Besuch äußern. Weil auch das Krankenhaus den Besuchsdienst begrüße, sei man dazu übergegangen, die Patienten bei der Aufnahme abzufragen. Er könne nicht überprüfen, ob dies in jedem Fall geschehe, schränkt Kelbl ein, "aber so ist es intern geregelt".

Vollmeyer und Schäffer könnten gut mit dieser Regelung leben, doch nach ihren Erfahrungen funktioniert sie nicht. Seit Anfang des Jahres sei keine Meldung aus Mühldorf mehr gekommen, so die Waldkraiburgerin, die in Haag und Alötting andere - bessere - Erfahrungen macht.

Wie sie, so hört auch Norbert Vollmeyer immer wieder von Patienten, die enttäuscht sind, weil niemand von der Pfarrei zu Besuch gekommen sei, Patienten, die nichts von einer Abfrage durch die Klinik wissen.

Verständnis für beide Seiten äußert Krankenhausseelsorger Martin Kuhn. "Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust." Natürlich bedauere er es, wenn Kranke, die einen Besuch wollen, nicht besucht werden. Er verstehe aber auch das Krankenhaus. Es sei nicht immer leicht, die Daten zu erheben. In der Klinik in Rosenheim habe man die Besuchsdienste deshalb ganz aufgegeben, so der Pastoralreferent.

Im Zweifelsfall sollten die Pfarreien die Besuchsdienste über ihre Pfarrbriefe und Kirchenanzeiger bekannt machen, rät der Klinikseelsorger.

So halten es mittlerweile auch die Pfarrei Aschau und der Pfarrverband Waldkraiburg. In den aktuellen Pfarrverbandsnachrichten weist Pfarrer Martin Garmaier auf die Problematik hin. Wenn jemand in der Klinik nicht vom Krankenbesuchsdienst besucht werde, liege dies nicht an Desinteresse, sondern an den datenschutzrechtlichen Regeln. In allen Bereichen menschlichen Miteinanders müsse der Schutz persönlicher Daten immer größer geschrieben werden.

Angehörige von Krankenhauspatienten, die einen Besuch wünschen, werden gebeten, in einem der Pfarrbüros oder bei Christine Schäffer, Telefon 8729441, anzurufen.

Auch in Aschau sollen Meldungen beim Pfarrbüro eingehen, um den Besuchsdienst aufrecht zu erhalten. "Es wäre schade, wenn wieder ein Stück Menschlichkeit in unserer Gesellschaft verloren geht", heißt es im Pfarrbrief.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser