Peters setzt auf Fachkräfte aus Spanien

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Sehen großes Potenzial im Projekt "Lenguro": Petra-Maria Klier (rechts), Geschäftsführerin der Peters Bildungsgruppe, die junge Spanier als Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen will, und Christiane Wacker von Endurance Capital, Gesellschafter des Unternehmens.

Waldkraiburg - Die Firma Peters will jungen Spanierinnen und Spaniern eine Chance geben. Schon bald kommen die ersten Fachkräfte.

Die Peters Bildungsgruppe setzt auf "Lenguro". Das ist der Name eines neues Projekts, mit dem der Personalentwickler junge, gut ausgebildete Spanier in den deutschen Arbeitsmarkt vermitteln will. Schon in zwei Monaten sollen auf dem Campus des BFZ in Waldkraiburg Sprachkurse für die ersten 50 Teilnehmer beginnen.

Die Homepage mit allen Informationen zum Qualifizierungsprojekt war noch nicht online, die Anzeigenkampagne in spanischen Medien noch nicht angelaufen, da ging per Mail bereits die erste Anfrage aus Spanien ein. Und kaum wurde bekannt, dass Peters dieses Projekt starten will, meldeten sich innerhalb weniger Tage mehrere Unternehmen, "um Mitarbeiter vorzureservieren". Petra-Maria Klier, Geschäftsführerin der Peters Bildungsgruppe und Projektleiterin, nimmt das als gutes Omen.

Sie ist überzeugt: Das Projekt "Lengua es futuro" (zu deutsch "Sprache ist Zukunft") - kurz "Lenguro" - wird eine Erfolgsgeschichte schreiben. Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften in der bayerischen Wirtschaft ist enorm. "Der Fachkräftemangel ist nicht mehr wegzudiskutieren." Vor allem im gewerblich-technischen Bereich und im Bereich der Altenpflege tun sich immer größere Lücken auf, die sich mit den bisherigen Mitteln nicht mehr schließen lassen, glaubt Klier. Auch durch Maßnahmen wie die berufliche Rehabilitation, ein Kerngeschäft der Peters Bildungsgruppe, werde das nicht gelingen.

Und in Südeuropa steigt aufgrund der anhaltenden Schulden- und Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit. Betroffen sind vor allem junge Arbeitnehmer. Jeder zweite Spanier unter 25 Jahren steht mittlerweile ohne Job, ohne berufliche Perspektive da. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um gut ausgebildete Arbeitskräfte. So wurde etwa in Katalonien, in der einstigen Boomregion in und um Barcelona, gewerblich-technisches Personal in großer Zahl entlassen, berichtet die Peters-Geschäftsführerin. Trotz ihrer guten Ausbildung könnten die jungen Leute auf absehbare Zeit keine neue Stelle finden. "Sie werden nicht gebraucht."

In Spanien spricht man deshalb schon von einer "verlorenen Generation". Immer mehr Arbeitnehmer orientieren sich deshalb ins Ausland. Nach Medienberichten ist zum Beispiel die Nachfrage nach Deutschkursen in den Goethe-Instituten auf der iberischen Halbinsel seit 2010 um 80 Prozent gestiegen.

Da setzt "Lenguro" an. Auch das Projekt, das die Peters Bildungsgruppe schon seit mehreren Monaten vorbereitet, umfasst Deutschkurse, die den Standards der Kurse am Goethe-Institut entsprechen, wie Petra-Maria Klier betont. Die Crashkurse werden in vier Stufen, die jeweils vier Wochen dauern, angeboten. "Das Besondere an ,Lenguro' ist die Kombination von Sprachschulung und Jobvermittlung", sagt Christiane Wacker von Endurance Capital, Gesellschafter der Bildungsgruppe.

Das Programm schließt eine gezielte Vorbereitung auf den deutschen Arbeitsmarkt ein, fachliche Qualifizierung und Fortbildung, wenn nötig, Bewerbungstraining, die Unterstützung bei Formalitäten und die Vermittlung von Stellen. Umgekehrt sei auch denkbar, dass Peters im Auftrag eines deutschen Unternehmens, das Mitarbeiter für ein konkretes Berufsbild sucht, gezielt in Spanien aktiv wird, so Klier.

Die Geschäftsführerin ist zuversichtlich, arbeitswillige Spanier mit diesem Angebot überzeugen zu können, und baut auf die jahrzehntelange Erfahrung ihres Unternehmens im Bereich der Berufsförderung und Weiterbildung: "Wir wissen, wie Integration funktioniert. Wir wissen, wie Qualifizierung funktioniert und wie ein Deutschkurs für Migranten funktionert."

Und Peters habe die Infrastruktur. Auf dem Campus des BFZ in Waldkraiburg gibt es insgesamt 550 Internatszimmer. 60 davon sind bereits für Lenguro reserviert. Doch auch eine deutlich größere Zahl könnte für spanische Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. Auf dem Gelände des Berufsförderungszentrums befinden sich zudem etwa hundert Schulungsräume und vielseitige Freizeit- und Sporteinrichtungen. Die Teilnehmer der Deutschkurse können auf Wunsch auch verpflegt werden. Zwischen 2200 und 3000 Euro kostet die Teilnahme am "Lenguro"-Programm, inklusive Unterkunft und Verpflegung im Monat.

Das Personal, das für dieses Programm gebraucht wird, kann das Unternehmen nicht mit vorhandenen Mitarbeitern abdecken. Die Suche nach Sprachlehrern, spanisch sprechenden Bewerbungscoaches und Betreuern, die die jungen Spanier außerhalb der Kurse begleiten, hat sich laut Klier aber erfolgversprechend angelassen.

Peters sei gut vorbereitet, so die Geschäftsführerin. "Wir haben uns die Mentalität und die Situation im Land genau angeschaut." Dabei ist klar geworden, dass junge Spanier großen Wert auf die Freizeitgestaltung am Abend legen. Auch darauf stellt sich das Unternehmen mit einem interessanten Programm, Ausflügen und Aktivitäten ein.

Seit wenigen Tagen ist die Homepage (www.lenguro.de oder www.lenguro.es) online. In dieser Woche läuft eine groß angelegte Anzeigenkampagne in den spanischen Printmedien an. Am 4. November sollen die ersten Sprachschüler anreisen, bereits einen Tag später die Sprachkurse für die ersten 50 Teilnehmer beginnen.

"Das Potenzial ist enorm", ist Petra-Maria Klier überzeugt, dass aus dem Projekt ein neues Produktsegment der Peters Bildungsgruppe wird. "Spanien ist ein Pilotprojekt", so Christiane Wacker. Wenn die Vermittlung spanischer Arbeitskräfte in die deutsche Wirtschaft tatsächlich ein Erfolg wird, will das Unternehmen das Angebot auch auf andere EU-Länder ausweiten. Wacker: "Unsere Vision ist es, ein europäisches Qualifizierungszentrum aufzubauen."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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