Paukenschlag bei der Volkshochschule

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Die neue Vorstandschaft der Volkshochschule (von links): Zweiter Vorsitzender Lothar Mühlbauer, Vorsitzende Angelika Igerl, Schatzmeisterin Klara Hautz und Schriftführerin Josefa Steidl.

Waldkraiburg - Angelika Igerl ist neue Vorsitzende der VHS Waldkraiburg. Mit ihrer Wahl war im Vorfeld der Abstimmung keineswegs zu rechnen.

Völlig überraschend setzte sich die Kraiburgerin bei der Neuwahl mit 24:20 Stimmen gegen den stellvertretenden Vorsitzenden Norbert Weigl durch. Der Geschäftsführer der Stadtwerke hatte den Vorstand zuletzt kommissarisch geleitet. Mehrere Stadträte, die ihre Kandidatur für den Vorstand bereits zugesagt hatten, zogen sie daraufhin wieder zurück.

Die neue Vorsitzende, die als Verwaltungsleiterin im Franziskushaus in Au am Inn arbeitet, ist der Volkshochschule seit vielen Jahren als Kursteilnehmerin und als Kursleiterin verbunden. Gleiches gilt für den neuen stellvertretenden Vorsitzenden Lothar Mühlbauer. Der Waldkraiburger ist Sachgebietsleiter und Dozent an der Verwaltungsschule für Sozialverwaltung in Wasserburg und langjähriger VHS-Dozent im Bereich EDV. Mit 22 Ja- und 16 Geenstimmen bei insgesamt 45 wahlberechtigten anwesenden Mitgliedern wurde er gewählt. Kulturreferentin Margit Roller hatte auf ihre Kandidatur für dieses Amt verzichtet, ebenso wie ihre Stadtratskollegin Christine Graupner. Die bisherige Schriftführerin stellte sich nicht mehr zur Verfügung. Gewählt wurde Josefa Steidl mit 28 Ja- und 14 Nein-Stimmen. Ohne Gegenstimme wurde Schatzmeisterin Klara Hautz in ihrem Amt bestätigt. (Weitere Wahlergebnisse siehe Kasten.)

Erst in der Diskussion nach dem Wahlgang wurde deutlich, woran sich die Kritik am bisherigen Vorstand entzündet hatte. Hintergrund ist eine Änderung im Bereich der Geschäftsstelle. Um die Personalkosten und damit das Defizit der Volkshochschule zu reduzieren, waren zwei Mitarbeiterinnen der Verwaltung gekündigt worden. Seit Januar sind sie bei den Stadtwerken angestellt. Über einen Dienstleistungsvertrag werden sie, etwa in der Hauptanmeldezeit für die Kurse, zur Unterstützung an die VHS abgestellt und die Dienstleistung stundenweise abgerechnet. Fest bei der VHS beschäftigt sind damit noch Geschäftsführerin Sabine Meyle und Fachbereichsleiter Alexander Rahm in Vollzeit sowie eine Hausmeisterin in Teilzeit.

"Ohne Büropersonal, das vor Ort ist, laufen manche Dinge nicht so, wie sie für Kursteilnehmer laufen sollten", machte Angelika Igerl klar, dass sie diese Umstrukturierung für den falschen Weg hält, Kosten zu sparen. "Wir wollen das wieder ändern." Gegenüber unserer Zeitung sprach sie von einer großen Verärgerung von Kursteilnehmern über lange Warteschlangen an der Geschäftsstelle und Warteschleifen am Telefon. Zum Teil seien VHS-Kunden vor verschlossenen Türen gestanden, weil niemand da war, um sie von der Erkrankung eines Dozenten zu informieren. "Unsere Sorge ist, dass die VHS in sich zusammenfällt und auf Dauer in der Bedeutungslosigkeit verschwindet."

Bürgermeister Siegfried Klika konnte und wollte seine Überraschung über Verlauf und Ergebnis des Wahlgangs nicht verbergen: "Ich bin geplättet." Er werde das Resultat demokratischer Wahlen respektieren, so Klika. Die Abwahl Weigls, der dem Vorstand vier Jahre lang angehört hatte, wertete er als "Retourkutsche".

Der Bürgermeister verwies auf die äußerst angespannte Finanzsituation der Volkshochschule, die seit einiger Zeit die jährlichen Defizite nur noch über die Rücklagen decken kann, und nannte die Umstrukturierung eine "Rettungstat der Stadtwerke für die VHS". Andernfalls hätte man "eigentlich sagen müssen, die VHS ist pleite. Wir mussten eine intelligente Lösung suchen. Die haben wir gefunden." Norbert Weigl habe sich der VHS gegenüber ausgesprochen loyal verhalten. Zudem habe die Vorstandschaft die Umstrukturierung einstimmig unterstützt.

Und CSU-Fraktionschef Anton Sterr ergänzte, dass die Rücklagen zum Jahreswechsel auf 63000 Euro geschmolzen sind. Für 2012 sei ein Defizit von 17000 Euro prognostiziert. Das gelte allerdings nur dann, wenn die Mitarbeiter bei den Stadtwerken angestellt sind. Für den Fall, dass die neue Vorstandschaft dies ändere, seien die Rücklagen bereits in einem Jahr verbraucht.

Ein Problem sieht Klika darin, dass nach der Wahl der Stadtrat nicht mehr in den Vorstand eingebunden sei. Das sei schon deshalb wichtig, weil die VHS "keine völlig selbstständige Einheit" darstelle, sondern von den Zuschüssen der Stadt abhängt. 60000 Euro plus 78500 Euro Mietkostenzuschuss leistet die Stadt im Jahr. Klika sicherte weiter Unterstützung zu. "Das Rathaus bleibt für die VHS offen." Er schloss aber zugleich eine Rückkehr zum status quo vor der Umstrukturierung aus. "Das wird nicht möglich sein." Die Stadt könne das angesichts der eigenen Haushaltslage nicht finanzieren.

Igerl und die neue Schriftführerin Steidl machten darauf aufmerksam, dass die Stadträte nicht abgewählt worden seien, sondern ihrerseits zurückgezogen hätten und auf diese Weise ihre Mitarbeit verweigert hätten. Beide appellierten an die Kommunalpolitiker, die Volkshochschule weiter zu unterstützen. Wie Igerl betonte, sieht die VHS-Satzung vor, dass die Kulturreferentin des Stadtrates der Vorstandschaft als beratendes Mitglied angehört. Sie bitte darum, dass Margit Roller diese Möglichkeit wahrnimmt.

Am Rande der Versammlung bekräftigte die neue Vorsitzende gegenüber den Waldkraiburger Nachrichten das Ziel, das Personal wieder in die Geschäftsstelle zurückzuholen. Man werde eine "gemeinsame Lösung" finden, meinte sie. Um die Einnahmenseite zu verbessern, will sie verstärkt auf Firmenschulungen setzen. Igerl wollte noch nicht ins Detail gehen, sondern die Ideen erst mit Vorstand und Mitarbeitern besprechen. Im Herbst, spätestens aber Ende des Jahres, werde man ein Konzept vorlegen. (Ein Artikel über die Berichte von Vorstand und Geschäftsführung folgt.)

hg

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