"Ich will meinem Papa ein Haus bauen"

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Strahlende Kinderaugen: Ansumane (links) und seine kleine Schwester freuten sich über den Besuch ihres Paten Markus Streicher aus Waldkraiburg. Er unterstützt den Neunjährigen seit knapp vier Jahren über "Plan International". In Guinea-Bissau herrschte 1998 noch Bürgerkrieg, die Infrastruktur wurde weitgehend zerstört. Es kommt immer wieder zu Putschversuchen und bewaffneten Auseinandersetzungen.

Waldkraiburg - Seit fast vier Jahren hat Markus Streicher mit seiner Patenschaft bei "Plan International" einen Buben in Westafrika unterstützt. Nun hat der 28-Jährige den kleinen Ansumane und seine Familie in Guinea-Bissau besucht.

"Plan International" finanziert nachhaltige und kindortientierte Selbsthilfeprojekte, hauptsächlich über Patenschaften sowie Einzelspenden und öffentliche Mittel. ",Plan Deutschland betreut 280000 Kinderpatenschaften in Asien, Afrika und Lateinamerika", berichtet Barbara Wessel von "Plan Deutschland". Das Deutsche Zentralinstitut (DZI) für soziale Fragen habe der Organisation das DZI-Spendensiegel zuerkannt. Markus Streicher schaute vor über vier Jahren eine Spendengala im Fernsehen an und da keimte in ihm der Wunsch auf, auch armen Kindern zu helfen, wie er erzählt. Er informierte sich im Internet und stieß auf "Plan", wo man ihm ein Patenkind zuteilte. Das Patenkind, ein Bub, heißt Ansumane und ist neun Jahre alt.

Die Patenschaft ende mit dem 18. Lebensjahr. "Bis dahin will ich ihn auf jeden Fall unterstützen. Dann sollen sich die Kinder selbst versorgen können", so Streicher. Kürzlich begab sich der 28-Jährige auf die Reise ins westafrikanische Guinea-Bissau, um sein Patenkind einmal persönlich zu treffen - nach all den Briefen und Fotos, die man per Post austauschte. Streicher wurde in Bissau gut aufgenommen. Dort quartierte er sich in einem Hotel ein und freundete sich mit einem jungen Angestellten, Amadu, an, der ihm die Hauptstadt Bissau zeigte und zum Essen zu seiner Familie mit nach Hause brachte. Im "Plan"-Büro wurde er von einem Dolmetscher und Mitarbeitern der Organisation empfangen und fuhr mit ihnen in die zweitgrößte Stadt von Guinea-Bissau, Bafata. Vorbei an Mangobäumen und Reisfeldern.

In Bafata traf er in einer weiteren "Plan"-Niederlassung auf eine Spanierin, die perfekt Deutsch sprach. "21000 Kinder in Bafata haben einen Paten", berichtete ihm der Büroleiter. Die meisten kommen aus Deutschland. Die Hilfsorganisation baut auch Krankenstationen. Dorthin kommen die Anwohner und bekommen Erste Hilfe, etwa bei Malaria oder Durchfallerkrankungen sowie Geburtshilfe. "Plan" übernimmt die Organisation und Konstruktion, wenn eine Schule oder ein Kindergarten gebaut wird. Für die Arbeiten werden lokale Arbeitskräfte beschäftigt. "Die Männer verdienen so ihr Geld und schicken ihre Kinder erfahrungsgemäß lieber auf eine Schule, an der sie selber mitgebaut haben", erzählt der Pate aus Waldkraiburg.

Deutschlandtrikot und Puzzle von Zugspitze

Sein Schützling Ansumane lebt in G-Crnes. Seine Hoffnungen, der Kleine möge nicht zu schüchtern sein, wurden übertroffen. Der aufgeweckte Bub fiel ihm um den Hals, sobald Streicher aus dem Jeep ausstieg. Ansumanes Vater Sanossi reichte ihm die Hand und bat ihn ins Haus, wo schon die halbe Dorfgemeinschaft neugierig wartete. Streicher lernte die ganze Familie kennen, Mutter Rosalia und Ansumanes drei kleine Schwestern sowie den Großvater. Als Mitbringsel gab es fürs Patenkind Schulsachen, ein Puzzle mit Zugspitze-Motiv, eine Fußballtasche mit Deutschlandtrikot und etwa einen Fanschal. "Ich war gerührt von der Herzlichkeit", so der junge Mann. Schon ging es mit Ansumane und einer seiner Schwestern an der Hand zur Schule, wo er am Unterrichtsgeschehen teilnehmen durfte.

Kinder lernen, welche ihre Rechte sind

Es ging um die Rechte der Kinder. Da seien bemerkenswerte Antworten wie "Jedes Kind hat das Recht, seine Umwelt zu schützen" oder "Jedes Kind hat das Recht auf Bildung", gekommen. "Es war toll zu sehen, welches Potenzial in diesen Kindern steckt." "Melodia Corazon" - dieses Lied hatten die Kinder eigens für ihren weißen Gast vorbereitet; übersetzt heißt es "Melodie des Herzens". Streicher aß mit Ansumanes Familie Fisch und Reis und knipste mit allen Fotos. Er fragte sein Patenkind, was es mal machen wolle, wenn es groß sei. "Ich möchte meinem Papa ein Haus bauen", sagte der Bursche zu Markus Streicher. "Es macht mich stolz, dass ich der Pate dieses tollen und intelligenten Buben sein darf und will ihn bei der Erfüllung seiner Träume unterstützen."

kla/Mühldorfer Anzeiger

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