Olympia-Gold für "Schneider-Team"

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Das vierte Gold für Olympia-Gastgeber Kanada: Trainer Willi Schneider (links) aus Waldkraiburg freute sich über diesen Erfolg mit seinem Athleten Jon Montgomery nach der Zeremonie auf der Medals Plaza.

Waldkraiburg - Das vierte Gold für Kanada - Skeletonfahrer Jon Montgomery holte es am Wochenende im Eiskanal von Whistler Mountain. Hinter diesem Erfolg steht ein Waldkraiburger!

Der Waldkraiburger Willi Schneider, einst selbst einer der besten Kufencracks der Welt, ist Trainer der kanadischen Nationalmannschaft.

Am frühen Samstagmorgen, zu nachtschlafener mitteleuropäischer Zeit, sind die Bilder von der Olympia-Bahn in Whistler in aller Welt zu sehen: Wilfried "Willi" Schneider reißt die Arme nach oben. Der 46-jährige Waldkraiburger freut sich über Gold. Jon Montgomery hat es geschafft. Im letzten, dem vierten Lauf rast er doch noch an die Spitze. Das vierte Gold, die erste Medaille für die Skeletonfahrer aus dem Land des Gastgebers. Das Unternehmen Olympia findet doch noch ein Happy End für sie - und für Willi Schneider.

"Riesige Euphorie"

"Eine riesige Euphorie. Die Stimmung ist gewaltig. Jeder schwärmt. Überall, in jedem Lokal läuft das Fernsehen", erzählt der Trainer am Telefon, der nach diesem Erfolg erst um 5 Uhr morgens kanadischer Ortszeit ins Bett kommt. Pressekonferenz, Interviews, ein großer Empfang im Kanada-Haus mit Spitzenpolitikern und Sponsoren.

Wie seine Athleten war auch Nationaltrainer Willi Schneider bei den Wettkämpfen durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Die Gastgeber galten bei Frauen wie Männern als Favoriten. "Drei Medaillen" in zwei Wettbewerben hatte ihr Trainer für möglich gehalten. So viele hatte das "Schneider-Team" auch schon in Turin 2006 geholt. Der Heimvorteil, die hohe Zahl von Trainingsfahrten auf der Olympia-Bahn, sollten sich 2010 auszahlen.

Doch trotz der intensiven Vorbereitung blieben die Ergebnisse hinter den hohen Erwartungen zurück. Schneider führt dies auf den "riesigen Medienrummel und den enormen Druck" zurück, dem nicht alle seine Athleten gewachsen waren. In Kanada findet die Randsportart Skeleton weit mehr öffentliche Beachtung als in Deutschland. Über 10.000 Zuschauer wollten die Wettbewerbe live an der Bahn miterleben.

Vor allem Goldfavoritin Melissa Hollingsworth zollte diesem Druck Tribut. Ein schwerer Patzer im letzten Lauf katapultierte die bis dahin Zweitplatzierte aus den Medaillenrängen. "Mir tut es um die Athletin leid", sagt Schneider. Seit Jahren hatte man systematisch auf diesen Tag hingearbeitet.

Willi Schneider spielte bei dieser Vorbereitung eine wichtige Rolle. Seit er seine eigene Karriere beendete, betreut er das kanadische Nationalteam, das seit längerem zu den stärksten der Welt zählt. Mit den Heimtrainern der Athleten entwickelt er Trainingsprogramm und -pläne, betreut die Sportler bei Weltcups und internationalen Meisterschaften, ist verantwortlich für die Rennstrategien.

Nationaltrainer im Skeleton ist auch in Kanada kein Fulltimejob. Der 46-Jährige ist im Hauptberuf unverändert bei der SGF in Waldkraiburg beschäftigt, leistet seine Trainerarbeit weitgehend in Urlaub und Freizeit. Er ist dankbar, dass ihm das Unternehmen dabei sehr entgegenkommt, vor allem bei den kanadischen Heimspielen in diesem Jahr. Seit Anfang Februar war er durchgehend in Vancouver, wo das Unternehmen Gold am Ende durch Jon Montgomery doch noch von Erfolg gekrönt wurde.

Nach Turin der zweite Olympiasieg unter seiner Verantwortung. Was Willi Schneider als Fahrer verwehrt war, schaffte er als Trainer. Der ehemalige Weltcupsieger und Weltmeister hatte den Zenit seiner Karriere bereits überschritten, als 2002 Skeleton in Salt Lake City wieder olympisch wurde. Der damals 38-Jährige wurde Neunter.

"Bahn ist nicht gefährlicher als andere"

Was sagt der erfahrene Athlet und Betreuer zu den Diskussionen über die Bahn, die nach dem tödlichen Unfall eines georgischen Rodlers in der Kritik steht? Obwohl es im Skeleton keine schweren Stürze gab, kann diese Frage nicht ausbleiben. "Das ist eine traurige Sache. Skeleton ist eine Risikosportart. Aber die Bahn ist nicht gefährlicher als jede andere." Die Verantwortung sieht er vielmehr bei Funktionären, Trainern und Betreuern, die Sportler in einen Wettbewerb schicken, auf den sie nicht ausreichend vorbereitet seien.

Der verunglückte Rodler, der seinen Sport erst seit zwei Jahren betrieb, habe in seiner Karriere wohl weniger Fahrten hinter sich gebracht als arrivierte Athleten in wenigen Monaten. Es sei unverantwortlich, "mit Gewalt" derart unerfahrene Sportler aus Exotenländern bei Olympia an den Start zu bringen.

Bis Anfang März wird der Waldkraiburger voraussichtlich noch in Kanada bleiben. Er hofft, noch einige Wettkämpfe zu sehen und auch bei der Schlussfeier dabei zu sein. Die Atmosphäre bei der Eröffnung, als er hinter der Flagge des Gastgeberlandes ins Stadion einmarschierte, erlebte er als "atemberaubend". Schneider kennt das Olympia-Feeling als Athlet und Trainer. Doch Vancouver übertrifft in dieser Beziehung seine Vorgänger.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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