Noch viele Hürden zu beseitigen

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So müssten noch mehr Zugänge zu Geschäften aussehen, meint die Behindertenbeauftragte Gabriele Schleich: Selbstöffnende Glastüren sind eine große Erleichterung für Menschen mit Handicap.

Waldkraiburg (WN) - Die Zahl der Menschen mit Behinderung wächst stetig. Jetzt gibt es speziell für Waldkraiburg auch einen den Leitfaden "Barrierefreies Einkaufen".

Für Waldkraiburger Einzelhändler, die sich - schon aus eigenem Interesse - auf den demografischen Wandel einstellen wollen, hat die städtische Behindertenbeauftragte Gabriele Schleich einen Leitfaden "Barrierefreies Einkaufen" zusammen gestellt.

Wenn Gabriele Schleich durch die Einkaufsstraßen und Supermärkte Waldkraiburgs geht, fällt ihr schon jetzt vieles auf, was den Belangen behinderter Menschen gerecht wird.

Behindertenparkplätze und viele andere positive Beispiele

Gleiches gilt für Zugänge (unten), die für Rollstuhlfahrer stufenlos gestaltet sind.

Da ist die Stufe zum Verkaufsraum durch eine Rampe ersetzt und dadurch für Rollstuhlfahrer kein unüberwindliches Hindernis mehr. Da ist eine selbst öffnende Glastür so markiert, dass sie nicht zur Gefahr für Sehbehinderte wird. Da gibt es Behindertenparkplätze in ausreichender Zahl. Da ist auch mit dem Rollstuhl ein Durchkommen an den Kassen. Da gibt es einen Baumarkt mit Behindertentoilette. Und an den Zapfsäulen der Tankstellen den Hinweis für Rollstuhlfahrer: "Bitte hupen, wir helfen."

Doch das ist nur die eine Seite. Denn es ist noch viel zu tun, um Menschen mit Handicaps das Einkaufen zu erleichtern. Barrieren hier - Barrieren dort. Dabei sollten die Einzelhändler selbst das größte Interesse daran haben, behindertengerechten Einkaufsmöglichkeiten zu bieten. Mehr als jeder zehnte Waldkraiburger, 2619 von gut 24.000 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2008), hat einen Behinderungsgrad von 50 bis 100, gilt also als schwerbehindert. Sogar 3264 haben einen Grad der Behinderung von 30 bis 100.

Diese Zahlen nannte Schleich kürzlich in einem Vortrag in der Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk. Dort stellte sie einen Leitfaden "Barrierefreies Einkaufen" vor. Mindestanforderungen sind darin zusammengefasst, die nicht in jedem Fall viel Geld kosten müssen, aber für die Betroffenen oft eine große Erleichterung darstellen.

Wichtige Kriterien der Barrierefreiheit

Ein stufenloser Zugang zu den Geschäftsräumen über den Haupteingang, mit Rampe, Lift oder Anpassung des Niveaus. Die ortsfeste Rampe (eventuell mit Handlauf) sollte eine Maximalsteigung von sechs Prozent nicht überschreiten.

Türen im Eingangsbereich sollten 90 Zentimeter breit und von Rollstuhlfahrern leicht zu öffnen sein.

Bewegungsflächen in und vor den Geschäften sollten 1,50/1,50 Meter haben und frei von Hindernissen sein. Der Durchgang zwischen Regalflächen muss mindestens 1,20 Meter betragen.

Glastüren und Stufen müssen kontrastreich gekennzeichnet sein mit Sichtblenden, Kontraststreifen, Firmenlogos oder Werbung. Bei Stufen ist die erste und letzte Stufe eiens Laufes mit Kontraststreifen zu markieren.

Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen sind auf Orientierungshilfen angewiesen: zum Beispiel Vergrößerungsgläser, die es an der Kasse gibt (beleuchtete Lupen dieser Art gibt es laut Schleich bereits ab zehn Euro); große, klare Schrift auf kontrastreichem Hintergrund, akustische Hinweise und - bei Bedarf - personelle Unterstützung.

Sitz- und Ausruhgelegenheiten im Verkaufsraum oder im Kassenbereich, wo es zu längeren Wartezeiten kommen kann. Die Sitzhöhe sollte seniorengerecht bei 46 bis 48 Zentimetern liegen.

Zur rollstuhlgerechten Nutzung sollte die Höhe der Tresen, Serviceschalter und für Rollstuhlfahrer unterfahrbaren Verkaufstische 85 Zentimeter betragen. Thekendurchlässe sind eine Alternative.

Im Kassenbereich braucht es mindestens einen mindestens 90 Zentimeter breiten Durchgang für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen.

Einrichtungsgegenstände, Werbemittel und Dekorationen dürfen vor den Geschäften und auf den Gehwegen die Bewegungsflächen nicht einschränken und für Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren einen regelrechten Hindernis-Parcours bedeuten. Für sie braucht es eine hindernisfreie Durchgangsbreite von mindestens 1,50 Meter.

Im näheren Umfeld des Geschäfts sollte es ausgewiesene Behindertenparkplätze geben.

Der Leitfaden für Handel und Dienstleistung ist im Rathaus und im Info Waldkraiburg der Stadtmarketinggesellschaft erhältlich. Für weitere Fragen steht die kommunale Behindertenbeauftragte zur Verfügung. Sie kann unter Telefon 959124 und Mail gschleich@gmx.de kontaktiert werden.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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