Niedergang der Heimatgruppen unaufhaltbar

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Waldkraiburg - "Der Niedergang der Heimatgruppen war absehbar. Das kann man nicht rückgängig machen." Anton Sterr fasste zusammen, was Vertreter der Landsmannschaften und Heimatgruppen berichtet hatten.

Zum Beispiel Erika Rahnsch für die Heimatgruppe Oberland-Niederland, 1952 gegründet und damit nach den Isergebirglern die zweitälteste Heimatgruppierung in Waldkraiburg. Wegen der Überalterung "wie in jedem Verein" sei eine Beteiligung an den städtischen Veranstaltungen nicht mehr möglich. Das Haidaer Fest, das früher zahlreiche Besucher aus der ganzen Republik anlockte, organisierte sie heuer zum letzten Mal.

Auf interne Treffen beschränken sich auch die rund 120 Mitglieder der Braunauer Heimatgruppe. Aufgrund der Altersstruktur sei eine Beteiligung am städtischen und kirchlichen Programm nicht mehr möglich, erzählte deren Vorsitzende Hiltrud Erthel.

"Immer älter und immer kleiner"

"Wir werden immer älter und immer kleiner", sagt Klaus Ertelt, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, die auf etwa 35 Mitglieder geschrumpft ist. Mit 77 Jahren ist der Vorsitzende einer der Jüngsten in der Landsmannschaft.

Mit 90 Mitgliedern steht der Böhmerwaldbund noch vergleichsweise gut da. Ebenso wie die Egerländer Gmoi, die sogar deutlich mehr Mitglieder zählt und noch immer 25 Trachtenträger auf die Beine bringt, wie Karlheinz Spiegl berichtete. Nachwuchsprobleme haben auch sie. Einige Gruppen waren bei dem Gespräch erst gar nicht vertreten, unter ihnen auch die Verbände der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben, mitgliederstarke Gruppen, deren Altersstruktur noch am günstigsten ist.

An eine Kehrtwende bei der Mitgliederentwicklung glaubt Klaus Ertelt nicht. Den Heimatgruppen gehe es um die Erinnerung an die verlorene Heimat. Deshalb sei es schwierig, junge Leute, die selbst keinen Bezug dazu haben, in die Heimatgruppen zu bringen. Landes- und Bundesebene fordern die Basis zwar auf, die Landsmannschaft auch für Einheimische zu öffnen und Junge und Familien aufzunehmen. Ertelt hält davon allerdings nichts (siehe auch Spruch des Tages).

Wegen der Entwicklung sei es wichtig, so Anton Sterr, das Kulturgut der Gruppen zu sichern. Unter anderem geschieht dies durch Vitrinen, die die einzelnen Gruppen und ihre Herkunftsorte mit modernen audiovisuellen Mitteln und Erinnerungsstücken vorstellen. Die Böhmerwäldler haben die erste Vitrine zusammen mit Museumsleiterin Elke Keiper gestaltet. Sie steht im Rathaus. Vorsitzender Walter Weiß freut sich darüber. Die Egerländer werden eine zweite Vitrine gestalten. Die Braunauer haben ebenfalls ihr Interesse angemeldet.

Kulturvereine haben auch soziale Funktion

Bürgermeister Siegfried Klika verwies auch auf die soziale Funktion der Kulturvereine. "Sie kümmern sich intensiv um ihre Mitglieder", so Klika, der deshalb an deren Vertreter appellierte, die monatlichen Treffen und Kontakte fortzusetzen. (Siehe auch Bericht auf der folgenden Seite).

hg/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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