Nicht nur Schwanensee zum Welttag des Tanzes

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Tutus mit viel Tüll, Spitzenschuhe und schwebende Mädchen: In Feli Haags Inszenierung von Aschenputtel 2010 zeigten die Ballettschüler ihr Können.

Waldkraiburg - Für sie ist eines klar: Ballett ist die Mutter allen Tanzens und es muss nicht immer Schwanensee sein. Feli Haag unterrichtet seit 47 Jahren bei der VHS Waldkraiburg Ballett.

Zum Welttag des Tanzes hat sich die Ballettmeisterin Gedanken gemacht über die Kinder von heute, Mobbing und Ess-Störungen und was am klassischen Ballett eigentlich so schön ist.

Ballett ist Hochleistungssport und der "Traum vom Fliegen" - das Leichtfüßige und das Schweben - Schwerstarbeit. Feli Haag weiß das. Es ist ein Training für Körper und Geist, "sonst würde ich heute mit 74 Jahren nicht mehr so gut dastehen", sagt die Waldkraiburgerin. In ihren Stunden, besonders bei den Kleinen, macht sie aktiv mit. Die Seele schwingt mit der Musik und erlebt eine Ästhetik, die für so manchen das Nonplusultra des Tanzens ist.

Die zierliche und kleine Dame war in ihrer Jugend selbst Elevin an der Staatsoper in München und ging an die Volksoper nach Wien, um als Profitänzerin zu wirken. Die Pädagogik, die sie für ihre spätere Ballettschule brauchte, absolvierte sie am Max-Reinhardt-Seminar.

So tanzt man in und um Waldkraiburg

1965 wurde sie von Werner Tusche für die VHS Waldkraiburg verpflichtet. Seitdem hat sie tausende Ballettbegeisterte zwischen vier und etwa 65 Jahren durch ihre Stunden geschleust, sie an der "Barre", der Stange, in der Raummitte oder der Diagonale unterrichtet. Ihnen Körperbewusstsein, Gleichgewichtsgefühl, Muskelspannung, eine korrekte Körperhaltung und präzise Bewegungen beigebracht. Präzise - mehr oder weniger. Gerade was das Kinderballett heute angeht, musste sich die Meisterin, der immer ein strenger Ruf voraus eilte, umstellen. "Kindgerechter", wie man heute sagt. Dafür absolvierte sie Seminare. Ihre Strenge habe sich inzwischen abgerieben.

Die kleinsten Schüler sind anders als die vor 25 Jahren. "Sie können sich zum Teil nicht mehr richtig bewegen und mögen es auch gar nicht", berichtet Haag, die deswegen mittlerweile eine andere Art von Kinderballett anbietet. Sie müsse erstmal Grundsätzliches mit ihren Schützlingen trainieren: Koordination und Feinmotorik.

Oft werden Bälle eingesetzt, "aber manche haben nicht mal einen Ball daheim". Einheiten an der Stange werden kürzer gehalten, Kinder wollen und sollen sich nicht zu lange anstrengen. Wem es zu hart wird, der kommt nicht mehr.

Mögliche Ursachen für die Bewegungsdefizite? Zu viel vor dem Fernseher und der Spielekonsole sitzen? Wer weiß. Aber es ist ein Alarmzeichen, findet Feli Haag.

Natürlich gibt es auch junge Ballettschüler, die können und wollen. Und wer es durchzieht, wird belohnt. Beim Ballett muss man warten können, sich anstrengen, ohne gleich den Erfolg zu sehen. Man lernt, mit Frustrationen fertig zu werden und Niederlagen einzustecken. Und das macht stark. Am Ende ergattert man vielleicht eine große Rolle für eine Aufführung.

Feli Haag plant im kommenden Jahr wieder eine. Ihre letzte, wie sie sagt. Es wird wieder ein Handlungsballett, "das macht am meisten Spaß". Solche Auftritte seien für Kinder und Jugendliche eine wunderbare Erfahrung. Sie erschaffen etwas, was anderen Freude bereitet, gemeinsam und versetzen sich selbst auf der Bühne in eine andere Welt. Das kann Feli Haag nur unterstreichen.

Zu ihren Lieblingsstücken gehört der Klassiker schlechthin - "Schwanensee" - übrigens ganz und gar nicht. "Le Corsaire" über die Piratenbande und eine Sklavin ist dagegen ihr Favorit. Wie es in der Profi-Szene zugeht, ist ihr bekannt. Natürlich gibt's Mobbing. Auch Geschichten von Sabotageakten, wie Glassplitter in den Spitzenschuhen, kennt sie. Die Konkurrenzkämpfe sind hart, heute wie damals. Vorsätzliche Verletzungen habe sie selbst aber nie erlebt. "Chorfrauen und Tänzerinnen sind die bösesten Weiber", kramt sie lachend in ihrem Insider-Erfahrungsschatz und wird gleich wieder ernst, wenn sie über das Thema Ess-Störungen in der Tanz-Szene nachdenkt.

Ein gesellschaftliches Problem, wie sie findet. In ihren Kursen seien die Mädchen alle gesund, allerdings habe es schon Ausnahmen gegeben.

Als Tänzer müsse man Höchstleistungen erbringen. "Im Krieg gab es Essenszulagen für Bergarbeiter und auch für Tänzer." Zu hungern oder zu erbrechen sei total ungesund. Egal, ob Tänzer oder nicht: "Wer eine Ess-Störung hat, ist arm dran." Und mit Ästhetik habe ein ausgemergelter Körper auf der Bühne auch nichts mehr zu tun.

Die untere Bilderreihe zeigt noch einen Ausschnitt der bunten Palette der Tanzszene in und um Waldkraiburg. Weitere Fotos sind im Internet zu finden.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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