Neuanfang beginnt mit Austritten

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Steht vor keiner leichten Aufgabe: der neue Vorstand des Laufclubs Bayern mit (von links) Schriftführer Oliver Rudolf, Vorsitzender Dieter Matzner, Schatzmeister Peter Muskat und 2. Vorsitzender Andreas Thiede.

Waldkraiburg - Fast vier Stunden lang war die Mitgliederversammlung des LC Bayern unerwartet ruhig verlaufen. Ein neuer Vorstand um Dieter Matzner war bereits gewählt, dann wurde es doch noch einmal turbulent.

Die im Sommer zurückgetretene Vorsitzende Rosi Ober erklärte ihren Austritt und übergab weitere Austrittserklärungen.

"Wir sollten im Sinne des gesamten Vereins nicht mehr in den Wunden herumrühren", appellierte Dieter Matzner eingangs der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung des LC Bayern. Der 2. Vorsitzende, der seit August kommissarisch den Vorsitz innehat, wollte die Streitigkeiten zwischen der Vorstandschaft und dem Ehrenvorsitzenden Erwin Fladerer, der der Versammlung fernblieb, nicht mehr aufrollen.

Entzündet hatten sich die Differenzen an einem Gespräch Fladerers mit der Vorstandschaft des LG Mettenheim, in dem der Ehrenvorsitzende das Thema einer möglichen Fusion ansprach (wir berichteten). Die Vorstandsmitglieder, die 2009 das Erbe des Gründungsvorsitzenden angetreten hatten, erfuhren davon erst im Nachhinein. In einer Sitzung, an deren Ende Rosi Ober, LC-Vorsitzende und zugleich Lebensgefährtin Fladerers, von ihrem Amt zurücktrat.

"Wir konnten keine gemeinsame Linie mehr finden." Mehr wollte Matzner zu den Vorgängen seit August, den kontroversen internen und öffentlichen Diskussionen, dem E-Mail-Verkehr nicht mehr sagen.

Es gehe jetzt darum, einen Neuanfang zu suchen, appelierte auch Bürgermeister Siegfried Klika an die Mitglieder.

Matzner und seine Vorstandskollegen wollen den Verein nach der Ära Fladerer nicht umkrempeln, sondern das Angebot der gemeinsamen Trainingszeiten und Veranstaltungen in den Bereichen Laufen, Walking und Triathlon aufrechterhalten. Das Programm werde "vielleicht nicht mehr ganz so bunt, vielleicht nicht mehr ganz so aufwändig sein".

Matzner kündigte eine Befragung der Mitglieder zu den künftigen Schwerpunkten ebenso wie eine Überarbeitung der Satzung an. Und er stellte auf Anfrage eines Mitglieds klar: Fladerer bleibt trotz der Differenzen Ehrenvorsitzender, "wenn er nicht vom Verein austritt".

Schatzmeister Thomas Meier, der der neuen Vorstandschaft nicht mehr angehört, berichtete über die "solide finanzielle Lage" des Vereins. Die Zahl der Mitglieder sei von 226 im vergangenen Jahr zwar auf zuletzt 179 gesunken. Nicht alle seien aber auf den Streit zurückzuführen, betonte Meier. Einige Mitglieder hätten den Austritt ausdrücklich alters- und entfernungsbedingt begründet.

Wie der Schatzmeister weiter ausführte, hält der Laufclub, nach einem Minus von 4000 Euro im Vorjahr, im Berichtszeitraum bei Ausgaben von fast 25.000 Euro und Einnahmen von etwas über 30.000 Euro bei einem Plus von über 5000 Euro. Das Vereinsvermögen ist damit auf mehr als 24.000 Euro gestiegen.

Bernhard Schlesag, der mit Horst Weidner die Kasse geprüft hatte, bescheinigte eine ordentliche Kassenführung. Mit klarer Mehrheit, bei zwei Gegenstimmen, erteilten die Mitglieder der im vergangenen Herbst gewählten Vorstandschaft die Entlastung.

Gegen Ende der Versammlung meldete sich dann Mitglied Uwe Dressler zu Wort. Er machte deutlich, dass er nicht damit einverstanden ist, dass die Vorstandschaft aufgrund der Differenzen künftig auf Fladerer und Ober als Übungsleiter verzichten will. "Sie sind die kompetentesten Trainer im Verein. Ich sehe niemanden, der dieses Loch stopfen kann", so Dressler, der den neu gewählten Vorstand aufforderte, noch einmal einen Weg zur Zusammenarbeit zu suchen. Unverständlich sei zudem, dass die Vorstandschaft nicht mehr mit der von Fladerer produzieren Laufzeitung zusammenarbeiten wolle und damit auf mehrere tausend Euro verzichte.

Der bisherige Schatzmeister Meier begründete dies mit einem Vertragsvorschlag Fladerers, den die Vorstandschaft aus finanzrechtlichen Gründen nicht habe annehmen können. Um nicht das Risiko einzugehen, die Gemeinnützigkeit zu verlieren, habe der Vorstand dieses Angebot abgelehnt.

Zur Trainerfrage meinte Dieter Matzner: "Wir sind alles andere als glücklich, Übungsleiter zu verlieren." Allerdings habe man keine gemeinsame Basis mehr gefunden.

Rosi Ober bedauerte, nach sechs Jahren als Übungsleiterin aufhören zu müssen und richtete an die Adresse der Vorstandschaft heftige Kritik: "Ihr wolltet uns ja nicht mehr. Ihr habt beschlossen, dass wir als Übungsleiter unerwünscht sind."

Die Zusage Matzners an Dressler, noch einmal das Gespräch zu suchen, hatte keine Bedeutung mehr. "Das steht nicht mehr zur Debatte", sagte Ober, erklärte noch in der Versammlung ihren Austritt und übergab dem Vorsitzenden "15 weitere Austrittserklärungen".

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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