Nachschlagewerk zur Stadtgeschichte

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Die Autoren des 13. Heftes der Reihe "Unser Waldkraiburg" (von links): Dietrich Maurer, Erika Fischer, Konrad Kern, Alexander Silantev, Verena Küllstädt.

Waldkraiburg - Die neue Ausgabe von "Unser Waldkraiburg" ist da. Das Heft 13 wurde auf der Finissage zur Ausstellung "20 Jahre Stadtarchiv Waldkraiburg" im Haus der Kultur vorgestellt.

Es war gleichsam eine Zweifachveranstaltung, musikalisch umrahmt von einem Flötenquartett der Musikschule. Denn es wurde nicht nur der Band 13 der Schriftenreihe "Unser Waldkraiburg" vorgestellt, zum Stadtjubiläum diesmal farbig und ganze 156 Seiten stark, sondern auch die sehenswerte Ausstellung "20 Jahre Stadtarchiv" als Finissage beendet.

Zunächst wies der Vorsitzende, Altbürgermeister Jochen Fischer, auf die Dankurkunde hin, die Waldkraiburg für seine Patenschaft über die Angehörigen der Glasstadt Haida erhalten hat. Museumsleiterin Elke Keiper berichtete vom Gestaltungskonzept für das Glasmuseum, das nun schrittweise realisiert werden soll, und Stadtarchivar Konrad Kern von sieben gut besuchten Begleitveranstaltungen zur Ausstellung "Gedächtnis einer Stadt".

Von der Versammlung mit Spannung erwartet, wurde anschließend das neue Heft zur Stadtgeschichte vorgestellt. Fünf Autoren zeichnen für die sechs Beiträge verantwortlich.

In einem Nachruf würdigte Kern die Verdienste Anton Kindermanns, der zehn Jahre lang Vorsitzender des Fördervereins gewesen war, sich unter anderem besonders darum bemüht hatte, den Sammelbestand des Glasmuseums zu erweitern und 1996 die Schriftenreihe "Unser Waldkraiburg" auf den Weg zu bringen.

Der Glasraffinerie R. B. Markowsky war nicht nur im Jahr 2008, 100 Jahre nach der Firmengründung in Langenau, eine viel beachtete Ausstellung gewidmet. Der Archivar hielt sie in seiner Bestandsaufnahme auch schriftlich fest, erinnerte an die Exporterfolge des Unternehmens in der Nachkriegszeit und den Aufbau des Glasmuseums durch Firmeninhaber Erich Kieslich.

Die Artistenfamilie Stey ist den Waldkraiburgern von einer weiteren viel bestaunten Ausstellung im Sommer 2009 noch bestens in Erinnerung. Dietrich Maurer vom Stadtmuseum gab in seinem Abriss Auskunft über die eigene Freilichtarena der Steys, über den Einfluss der großen Politik auf die Künstlerfamilie, über die Entwicklung der Artistik und dankte Klaus Hallmann und der Familie Stey für ihre tatkräftige Unterstützung.

Anschaulich und prägnant skizzierte Konrad Kern anschließend die Entwicklung des Stadtarchivs, das er 1990 von Hans-Leo Pieper übernahm, der seit 1975 rein ehrenamtlich als Archivpfleger den Grundstock gelegt hatte. Systematisch wurden das Bildarchiv, Urkunden, ein Planarchiv und ein Ton- und Filmarchiv mit Zeitzeugengesprächen auf- und ausgebaut, um nur einige wenige Abteilungen zu nennen.

Als Ergänzung zu ihrem Artikel über die textilverarbeitende Industrie der Stadt versteht Erika Fischer ihren Beitrag über den "ausgezeichneten Waldkraiburger", Kürschnermeister Richard Schlegel. Bei ihren Recherchen stieß sie auf ein außergewöhnliches Schicksal mit krassen Höhen und Tiefen, geprägt durch brutalste Kriegserfahrungen, berufliche Schwierigkeiten, aber vor allem auch durch absolute Glanzpunkte und höchste Auszeichnungen im Beruf und bei seiner Fliegerei. Und was nur wenigen Waldkraiburgern bekannt war: Richard Schlegel ist auch Verfasser eines Buches, in dem er akribisch genau und sehr offen und ehrlich seine Kriegserlebnisse schildert.

Im letzten Beitrag, mit dem es sich bereits erfolgreich an einem Geschichtswettbewerb beteiligt hatte, ging das Schüler-Autorenduo Verena Küllstädt und Alexander Silantev auf den Frahamer Josef Luger ein. Er war wegen seiner kommunistischen Aktivitäten in Baden-Württemberg verhaftet worden und hatte die Jahre 1938 bis 1945 in verschiedenen KZ-Anstalten verbrachte. Zwar überlebte er diese Torturen, kam jedoch - Ironie des Schicksals - 1950 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Nach diesen umfangreichen Einblicken in Heft 13 konnte Dritter Bürgermeister Reinhard Babiak nur anerkennend resümieren: "Diese 13 Bände sind ein hervorragendes Nachschlagewerk zur Geschichte unserer jungen Stadt."

fis/Waldkraiburger Nachrichten

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