"Kuppel und Minarette passen nicht ins Stadtbild"

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Die neue Planung kommt nicht mehr zum Tragen: eine Ansicht der Moschee von Nord-West mit nur noch zwei Minaretten und zwei Geschossen. Für das ehemalige Haldenwanger-Gelände (unten) wird weiter eine Nutzung gesucht. 

Waldkraiburg - Die Mehrheit des Stadtentwicklungsausschusses meint, dass das geplante islamische Gemeindezentrum auf dem Haldenwanger-Areal zu überdimensional sei.

Die Größe des geplanten Gemeindezentrums auf dem Haldenwanger-Areal übersteigt den Bedarf der islamischen Gemeinde Waldkraiburg. Davon ist eine Mehrheit des Stadtentwicklungsausschusses überzeugt.

Weil befürchtet wird, Moschee und Kulturzentrum könnten zu einem islamischen Zentrum für die ganze Region werden, wurde das Projekt auf Antrag der CSU-Fraktion gestoppt.

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Im Ausschuss erinnerte Angela Hartinger-Hirn, die Leiterin der Stadtentwicklungsabteilung, an die Geschichte der Standortsuche für eine neue Moschee. Das Kantinengebäude der SGF in der Haidaer Straße war ebenso im Gespräch wie das ehemalige Firmengelände von Moser & Göttlicher an der Daimlerstraße, das Riffert-Gebäude in der Geretsrieder Straße und das Postgebäude in der Innenstadt. Auch die Stadtbau GmbH habe ein Grundstück im Gewerbegebiet angeboten. Keiner dieser Standorte kam zum Tragen, in einigen Fällen auch deshalb nicht, weil die Gemeinde die Finanzierung nicht sicher stellen konnte oder ein anderer Kaufinteressent den Zuschlag bekam.

Die Stadt habe den Plänen immer wieder "mit gewissen Auflagen zugestimmt", sagte Bürgermeister Siegfried Klika. Aber die baulichen Wünsche der Gemeinde seien immer größer geworden.

Die neue Planung für das Haldenwanger-Gelände sah eine Moschee für 600 Gläubige mit zwei Obergeschossen, Kuppel und vier Minaretten vor, dazu ein Wohnhaus für den Imam und seine Familie sowie ein Gemeindezentrum mit einem 750 Quadratmeter großen Saal als Herzstück.

"Ängste sind vorhanden. Sie sind greifbar"

Eben diese Dimensionierung habe für die CSU-Fraktion den Ausschlag gegeben, das Moschee-Projekt auf dem Gelände an der Reichenberger Straße zu stoppen, so Anton Sterr. Der Fraktionssprecher schickte voraus, für die CSU haben Toleranz und Religionsfreiheit einen hohen Stellenwert. Dies bedeute aber nicht, alles kritiklos hinzunehmen. Seine Fraktion habe die geplanten Standorte grundsätzlich akzeptiert, aber schon in der Vergangenheit klare Grenzen formuliert. Minarette und Kuppel "passen unseres Erachtens nicht in das Stadtbild". Sterr verwies auf die Pflicht der Stadträte, "auf die Empfindungen und Ängste unserer Stadtbewohner Rücksicht zu nehmen. Diese Ängste sind vorhanden. Sie sind greifbar."

Die Größe des Gemeindezentrums übersteige mit insgesamt weit über 1000 Quadratmeter Nutzfläche den Bedarf der örtlichen Gemeinde. Der Saal sei fast so groß wie kleiner und großer Saal im Haus der Kultur zusammen. Sinn und Zweck eines riesigen Gemeindezentrums könne es nicht sein, "bestehende Parallelgesellschaften zu fördern beziehungsweise zu stärken".

CSU: überdimensional und nicht ortsverträglich

Bei einer Ortsbesichtigung ist die Fraktion laut Ster endgültig zu dem Ergebnis gekommen, dass das Projekt auf diesem Gelände nicht einzubremsen ist. Das 7300 Quadratmeter große Grundstück und die bestehenden Gebäude "verleiten zu überdimensionaler Planung. Wir kommen dort nicht auf eine ortsverträgliche Lösung". Aus diesem Grund beantragte die CSU die Aufhebung des Bebauungsplanes, dessen Aufstellung im Mai beschlossen worden war.

Auch Gustl Schenk (UWG) sieht angesichts von gut tausend Muslimen in Waldkraiburg eine "Überdimensionierung". Ebenso Rainer Zwislsperger, der die Befürchtungen teilt, in Waldkraiburg könnte "ein Gemeindezentrum für den ganzen südostbayerischen Raum" entstehen. Dessen CSU-Fraktionskollegin Eva Köhr kommt das geplante Zentrum "wie ein Ghetto" vor. "So empfinden das die Mitbewohner." Köhr riet der islamischen Gemeinde, die Räume im Haus der Kultur zu nutzen, das als Begegnungs- und Kulturzentrum allen Bürgern Waldkraiburgs offen steht. Bei der Außengestaltung der Moschee sei wichtig, dass sie ins Bild passt. "Wir sind nun mal in Bayern."

Dass die islamische Gemeinde ins Haus der Kultur geht, sei wünschenswert, "fordern können wir es nicht", meinte dagegen Andreas Knoll, der wie seine SPD-Fraktionskollegen Vera Bittner und Gerd Ruchlinski gegen den CSU-Antrag stimmte. Knoll kritisierte die Vorgehensweise. In der voran gegangenen Sitzung habe man mehrheitlich beschlossen, einen Bebauungsplan über das Gebiet zu legen, um die Bebauung "in der Hand zu behalten". Jetzt werde nicht einmal die neue vorliegende Planung im Ausschuss vorgestellt. Nach Informationen unserer Zeitung wurde sie bereits Anfang Juni bei der Stadt eingereicht. Ähnlich äußerte sich Gerd Ruchlinski: Er bedauere, dass man für den Bereich Haldenwanger nicht weiter im Gespräch bleibe.

Wie Planer Martin Kalleder kurz ausführte, sieht die neue Version, die im Rathaus vorliegt, für die Moschee zwei statt vier Minarette vor. Sie verzichtet auf ein Geschoss, Wasch- und andere Räume werden in den Keller verlegt. Der Baukörper wird damit deutlich niedriger, weil auf Fluchtwege verzichtet werden kann, aber auch kleiner. Beim gesamten Zentrum sei die Nutzfläche um 400 Quadratmeter kleiner geworden, so Kalleder. Der Saal bleibt auch im neuen Plan unverändert.

Bürgermeister: weiter im Gespräch bleiben

Bürgermeister Klika verteidigte das Verfahren. Wichtige Eckpunkte, die man in der voran gegangenen Sitzung eingefordert habe, seien nicht eingehalten. "Dann kann es an dieser Stelle nicht weiter gehen." Mit neun gegen drei Stimmen wurde der Bebauungsplan wieder aufgehoben. Die Aufhebung heiße nicht, dass "wir nicht weiter im Gespräch bleiben", so der Bürgermeister.

Gökay Tastan, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde, will Klika beim Wort nehmen. Er hoffe, dass die Stadt einen Weg zu einer Moschee aufzeigen könne, sagt er auf Anfrage. Von Ergebnis und Verlauf der Sitzung ist Tastan enttäuscht. Die Gemeinde habe auch die Dachorganisation Ditib in Köln darüber informiert. Nach seinen Worten steht die Gemeinde unverändert "voll hinter der Moschee". Tastan verweist darauf, dass es in und um Waldkraiburg rund 1600 Muslime gebe. Die Gemeinde brauche einen Saal in dieser Größe. Alle großen religiösen Feste seien mit Bewirtung, auch für große private Feste solle der Saal genutzt werden können. Trotz des Rückschlags habe er die Hoffnung nicht verloren. "Wir finden eine Lösung."

hg/Waldkraiburger Anzeiger

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