Miteinander "Weihnachten schau'n"

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Seine Mimik und sein Tonfall machten die Geschichte von der Herbergssuche auch zu einer humorvollen: Enrico de Paruta (rechts) hier mit Konzertgitarrist Perry Schack und den Günztaler Alphornbläsern im Hintergrund.

Waldkraiburg - "Im Wald is so staad, alle Weg san verwaht", schrieb Ludwig Thoma in seiner "Heiligen Nacht". "Bei den frühlingshaften Temperaturen verspürt man noch keine weihnachtliche Stimmung", sagte Moderator und Schauspieler Enrico de Paruta zur Begrüßung in der Christkönigskirche.

Doch am Ende des Abends mit einer Weihnachtsgeschichte in Mundart, Alphornbläsern, Gitarren- und Harfenmusik sowie Tenor und Kindersopran dachte niemand mehr ans Wetter. Man konzentrierte sich aufs "Weihnachten schau'n", wie es Ludwig Thoma, der die "Heilige Nacht" in einem Dialekt verfasste, von dem er annahm, dass er um 1815 zwischen Lenggries und Salzburg gesprochen wurde, formulierte.

Niklas Renners (Mitte) großer Auftritt bei der "Heiligen Nacht" in der ausverkauften Christkönigskirche. Der junge Waldkraiburger ist seit dem Gesangswettbewerb Musica Bavariae erster Preisträger dieses Nachwuchsförderpreises mit seiner Engelsstimme. Der Kindersopran sang im Duett mit Tenor Marco Cilic (links) und Harfenistin Kathrin Pechlof begleitete die beiden.

Mit seiner Weihnachtslegende begab sich Thoma auf die Suche nach der verlorenen Weihnacht seiner Kindheit. Ihm war kalt ums Herz und er war verbittert und einsam, als er aus dem Ersten Weltkrieg heimkam. Er schrieb sich seine Lebenskrise von der Seele und heraus kam seine Version des Weihnachtsevangeliums. Und die hat Enrico de Paruta stimmungsvoll als musikalisches Weihnachtsspiel in Szene gesetzt. Verantwortlich für die Musikbearbeitungen waren Konzertgitarrist Perry Schack und Harfenistin Kathrin Pechlof.

Seinen großen Auftritt hatte Niklas Renner, seines Zeichens Engelsstimme, bei dieser Tournee in seiner Heimatstadt. Der elfjährige Waldkraiburger ist Preisträger des Nachwuchsförderpreises Musica Bavariae und sang mit seiner glockenhellen Kindersopran-Stimme "Stille Nacht, Heilige Nacht" - auch im Duett mit Tenor Marco Cilic - und "Alle Jahre wieder".

Ein kleiner Wermutstropfen an diesem Abend: In der Kirche war es recht klamm und die Akustik an den äußeren Seiten zum Teil schlecht.

Dennoch war die besondere Stimmung überall zu spüren. Denn es erklangen barocke Themen, Arien aus Messen und Kantaten, Kirchengesänge, Hirtenweisen alter Notenbücher, Weihnachtslieder und Improvisationen.

Paruta fungierte als Erzähler. "Jetzt Leuteln, loost's amal zua. Mei Gsangl is wohl a weng alt, es is aba dennascht schö gnua. I moan, dass enk allesamm gfallt." Und das tat es, was die stehenden Ovationen und die Jubelrufe des Publikums bewiesen. Parutas Mimik und sein Tonfall, wenn er in die verschiedenen Rollen schlüpfte - Maria, Josef, Handwerksbursch, Hausknecht oder etwa die gackernde Base bei Josias - hauchte der Geschichte besonderes Leben ein. Dazu die Couplets "Ja wannst ma net gehst" aus Parutas Feder machte die Geschichte von der Herbergssuche auch zu einer humorvollen.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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